Reise blog von Travellerspoint

Neuseeland - Südinsel


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Krabi (Thailand)

Die Südinsel empfängt mich mit einer dichten Wolkendecke. Sie soll wilder sein und kühler - sehe ich nur noch wenig Sonnenschein entgegen? Die Fahrt durch die verwinkelten Buchten vor Picton wäre bei schönem Wetter sicher auch sehr schön.

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Fahrt mit der Fähre nach Picton

Bei der Weiterfahrt Richtung Westen nach Nelson beginnt es dann zu regnen. An der Tourist-Information sagt man mir allerdings, dass das Wetter für die nächsten Tage gut sein soll. Also buche ich zwei Übernachtungen und einen Transfer mit einem Wassertaxi, um 3 Tage im Nationalpark 'Abel Tasman' die Füsse zu vertreten. Nachdem ich mein Zelt in Marahau aufgestellt habe, zeigt sich am Abend auch schon wieder die Sonne und malt einen satten Regenbogen an den Himmel. Und am nächsten Morgen: stahlblauer Himmel.

Überraschenderweise steigen wir auf einem Parkplatz ins Wassertaxi ein, das vor dem Tourbüro auf dem Ausleger thront. Dann wird das Boot einfach mitsamt allen Gästen rückwärts zu Wasser gelassen und los geht es. Das Taxi bringt mich etwa 20 Kilometer nordwärts, wo ich mit Schlafsack, Proviant und etwas Kleidung zu Fuss den Rückweg antrete. Die Route führt auf einem meist komfortablen Weg durch dichte Küstenwälder mit Ausblicken auf unzählige Buchten mit azurblauem Wasser, dann wieder entlang fast endloser Strände bedeckt mit goldgelbem Sand.

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Durch den schönen Abel Tasman Nationalpark

Am ersten Tag können zwei Passagen nur bei Ebbe bewältigt werden, womit sich eine Art vorgegebener Zeitplan ergibt. Der Tidenhub beträgt hier gut 4 Meter - das Wasser in den vielen Buchten ist konstant in Bewegung, steigt entweder mit der Flut, oder fliesst bei einsetzender Ebbe wieder zurück ins offene Meer. Ganz ohne nasse Füsse geht es auch bei tiefem Wasserstand nicht, und so binde ich die Wanderschuhe auf den Rucksack und wate barfuss durch den mit Muscheln durchsetzten Schlick.

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Warten auf Ebbe im Abel Tasman

Die Übernachtungen in den Hütten sind vergleichsweise komfortabel, und ich komme mit anderen Gästen ins Gespräch, bevor schon früh zu Bett gegangen wird. Zum Frühstück schleppe ich eine Müesli-Mischung und Joghurt mit, auch meine etwas gross geratene Plastik-Müesli-Schüssel ist dabei. Einzig auf Kaffee muss ich hier verzichten.

Die Szenerie ändert sich auch an den beiden nächsten Tagen nicht, und auch am schönen Wetter ändert sich wenig, und so komme ich guter Dinge am dritten Tag gegen Mittag wieder nach Marahau. Hier kann ich noch im Camping duschen, geniesse nach vier wenig abwechslungsreichen Mahlzeiten ein warmes Mittagessen und natürlich meinen lang ersehnten 'Latte'. Gestärkt und mit dem zufriedenen Gefühl nach körperlicher Betätigung fahre ich genüsslich an der Westküste Richtung Süden. In einem kleinen Nest namens Punakaiki übernachte ich und schaue mir am nächsten Morgen die 'Pancake Rocks' (Pfannkuchen-Felsen) an. Deren Seiten sind auffällig gerippelt, so dass sie wie übereinander gestapelte Steinpfannkuchen aussehen. Dazwischen tost das Meer - bei Flut soll es hier gewaltig durch die 'Blowholes' spritzen. Aber am Morgen ist heute Ebbe, und ich verzichte auf mehr Schauspiel, denn es rufen die Gletscher.

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Pancake Rocks

Der Kamm der Südalpen liegt nahe an der Westküste. Dazwischen gibt es einen schmalen Streifen von flachen Land, der oft von endlosem Regen heimgesucht werden soll. Die Winde kommen in Neuseeland meist von Westen, die Wolken regnen sich dann an den Bergkämmen ab, auf der anderen Seite ist das Klima dann wesentlich trockener - eine Konstellation, die uns von den europäischen Alpen ja auch bekannt ist. Ich allerdings fahre bei freundlichem Wetter durch die weiten Schwemmebenen der kaum durch Verbauungen korrigierten Flüsse. Dadurch sind die Brücken auch ziemlich lang und wie oft in Neuseeland nur einspurig zu befahren, was aufgrund der sehr geringen Verkehrsdichte aber selten ein Problem ist.

Franz Josef erreiche ich am späten Nachmittag. Es ist noch genug Zeit, um eine kleine Wanderung zur Zunge des gleichnamigen Gletschers zu machen. Allerdings hängen hier in den Bergen tiefe Wolken, so dass ich nur einen Teil des Eisstroms sehe. Dank dessen fällt dann mein Augenmerk auf einen "Steinfall", der einen Teil der Seitenmoräne bildet.

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"Steinfall" beim Franz Josef Gletscher

Am nächsten sieht es erst mal eher nach aufkommender Bewölkung aus. Dann wird halt erst mal kräftig gefrühstückt, und dann lacht auch schon wieder die Sonne. Nach gut zwei Stunden erreiche ich einen schönen Aussichtspunkt mit Blick auf den zerklüfteten Franz Josef Gletscher. Äusserst passend zum Namen treffe ich hier einen Österreicher, der in Neuseeland seine Tochter besucht.

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Franz Josef Gletscher

Am Nachmittag werfe ich dann auch noch ein Auge auf den nahe gelegenen Fox-Gletscher, ziehe dann aber weiter, weil die Bewölkung die Sicht stark behindert. Ich übernachte noch einmal an der Westküste, bevor ich am nächsten Tag am Haast-Pass den Südalpenkamm überquere. Grosse Höhenunterschiede gibt es dabei nicht zu überwältigen; die Haast-Passhöhe liegt nicht mal 500 Meter über Meer. Der Herr Haast war es übrigens, der den Gletscher pfiffigerweise nicht nach sich selber, sondern nach seinem Kaiser benannt hat, wofür er dann eine Ehrung eingeheimst hat.

Ich bin den ganzen Tag im Auto unterwegs, unterbrochen nur durch Foto-, Mittags- und Kaffeestops. Am Abend erreiche ich Te Anau, das Portal zum 'Fjordland National Park' und dem berühmten Milford-Sound. Dass es hier des öfteren regnet, ist schon von weitem zu erahnen, und wenn es in Te Anau nur mal ein bisschen nieselt, sind die nahen Berge von Regenwolken gesäumt.

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Blick in Richtung Fjordland Nationalpark bei Te Anau

Als ich die etwa hundert Kilometer nach Milford Sound fahre, komme ich tatsächlich immer mehr in die Waschküche. Eine kleine Wanderung bietet statt Ausblicke in die wahrscheinlich nahen Gipfel nur Regen und Nebel. In Milford angekommen ist mir gar nicht nach Camping zumute, und ich quartiere mich in einem 'Backpackers' ein. Von einer Schiffahrt in den Fjord hält mich der Regen nicht ab.

Auch so sind die steil abfallenden Felswände, die den Fjord säumen, sehr einrdücklich. Und überall stürzen weiss schäumende Bäche über die Wände, die sich auf ihrem Weg ins dunkle Meer in weich fallende, wogende Wasservorhänge wandeln . Einige fallen buchstäblich ins Leere, werden weit über unseren Köpfen vom Wind fortgetragen, um sich im Regen zu verlieren. Am Wasser lassen sich auch Pinguine und wieder einmal Seelöwen beobachten.

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Blick in den regnerischen Milford Sound

Die Fahrt dauert haargenau zwei Stunden, aber viele Passagiere verharren trotz des immerwährenden Regens fast die Ganze Zeit auf dem Aussendeck. Auf den Postkarten präsentiert sich die Gegend gern bei strahlendem Sonnenschein, aber zum "wahren" Milford-Sound gehört wohl einfach der Regen.

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Seelöwen im Milford Sound

Neben dem immerwährenden Nass gibt es hier noch eine andere Plage: die Sandfliegen. Es ist unglaublich, wie schnell einen die kleinen Teufel orten, kaum steigt man aus dem Auto aus. Und so klein sie sind, die Stiche sind mörderisch, denn sie jucken tagelang. Bei Mückenstichen schaffe ich es normalerweise, diese zu ignorieren, bis sie nicht mehr spürbar sind. Nicht aber bei diesen Sandfliegen, und es ufert gelegentlich in wahren Kratzorgien an den Füssen aus, welche die kleinen Teufel mit Vorliebe attackieren. Eine Legende der Maori besagt, dass die Sandfliegen geschaffen wurden, um den Menschen vom allzu schönen Fjordland fernzuhalten. Meiner Meinung nach hätte dazu der Regen gereicht, aber doppelt hält natürlich besser....

Mindestens dem Regen kann ich relativ einfach entfliehen, indem ich einfach wieder aus dem Fjordland hinausfahre. Nach etwas Hin und Her verzichte ich auch auf den drei- oder viertägigen 'Kepler Track', der mich auch wieder ins Fjordland hinein geführt hätte. Die Aussicht, eventuell wieder in den Regen zu geraten, ist einfach wenig verlockend. Stattdessen fahre ich in Richtung 'Caitlins'.

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Blick zurück auf den Fjordland Nationalpark

Am 'Slope Point' erreiche ich den südlichsten Punkt der Südinsel Neuseelands und gleichzeitig des südlichsten Punkts meiner Reise. Hier beginnt gewissermassen meine (lange) Heimreise!

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Slope Point am Südende der Südinsel

Regnen tut es nicht, dafür lerne ich wieder den Wind kennen, der hier des öfteren tüchtig zu blasen scheint, wie die windschiefen Bäumen erahnen lassen. Ich übernachte in 'Tuatapere' und dann in 'Kaka Point'. In dieser Gegend ist Gastfreundschaft gross geschrieben, und als ich mich beim Abendessen an einen freien Tisch mit schönem Blick aufs Meer Platz etwas abseits der anderen Gäste nehme, bekomme ich bald Besuch von einem Einheimischen. Sie lassen hier die Gäste nicht gern alleine, meint er. Auch der Wirt gesellt sich später noch zu mir. Er gibt mir ein paar Tips für den weiteren Weg.

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Leuchtturm bei 'Kaka Point' in den Caitlins

Ich bin ja schon einige male in Gegenden untergekommen, wo Szenen aus 'Lord of the Rings' gedreht worden sind, so zum Beispiel den 'Tongariro National Park' auf der Nordinsel. In meiner Strassenkarte sind Drehorte extra vermerkt. Ich beschliesse, eini paar weitere zu besuchen, die am Weg liegen. Der erste ist 'Lake Poolburn', auf den mich auch der Wirt aufmerksam gemacht hat. Der See bildete die Kulisse für ein kleines Dorf in 'Rohan', welches in Schutt und Asche gelegt wurde. Die Filmszene hätte die lange Anfahrt auf einer abenteuerlichen Schotterpiste nicht unbedingt gerechtfertigt, aber die Umgebung ist so wild und karg, als wäre sie von einer anderen Welt.

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Auf dem Weg zum Lake Poolburn

Der See selber wurde künstlich angelegt und dient als Wasserreservoir. Daneben wird er von vielen Anglerfreunden besucht, welche hier kiloweise Forelle an Land ziehen. 'Nicht mehr so viele wie auch schon' meint ein Schotte, der hier wie viele eine kleine Fischerhütte für die Wochenenden besitzt. Sein Haar und Bart erinnern mich an einen Gallier aus 'Asterix', so viel Haar und so wenig Gesicht habe ich schon lange nicht mehr gesehen. Ob die anderen hier auch so aussehen, weiss ich nicht, denn es windet dermassen stark, dass an Fischen ist heute nicht zu denken, ist. 'Aussergewöhnlich', meint er, 'muss mit der Klimaerwärmung zusammen hängen'. Ich lasse mich nicht auf Diskussionen ein. Weder er noch ich sind mit dem Fahrrad hergefahren... Dass der Wind heftig ist, ist dennoch nicht abzustreiten, und nach kurzem Besuch eines kleinen Hügels flüchte ich mich regelrecht zurück ins Auto. Zum Glück habe ich die Tür sicher öffnen und schliessen können!

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Starke Winde am Lake Poolburn

Am nächsten Morgen besuche ich den Ort, wo der 'Flight to the Ford' gedreht wurde, ein wilder Ritt auf der Flucht vor den entfesselten Ringgeistern. Im Film hat mich diese Landschaft extrem beeindruckt, der Drehort ist allerdings weiträumig eingezäunt. Privateigentum, mit dem Hinweis 'No Entry'. Eigentlich wäre ich einfach gerne ein Stündchen durch die Wäldchen geschlendert, aber so bleibt mir nur die Rolle des Zaungasts. So nix Spektakuläres, aber wenigstens musste ich hierfür kaum einen Umweg machen. Am Abend komme ich nach Glentanner Park in unmittelbarer Nähe des berühmten 'Mount Cook'. Es ist mit Abstand der schönste Zeltplatz meiner Neusseland-Reise, inmitten von Bäumen und Büschen, mit Blick auf die nahen Berge inklusive 'Aoraki' (Mount Cook auf Maori).

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Lake Pukaki auf dem Weg zum Mount Cook

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Mount Cook vom Camping in Glentanner - noch ohne Wolken

Am Fuss des höchsten Bergs von Ozeanien mache ich dann eine kleine Wanderung und erhasche ein Paar schöne Blicke auf den schneebedeckten Gipfel. Da waren doch noch am Morgen noch viel weniger Wolken, das kenne ich doch von irgendwoher! Aber ich darf nicht klagen, die Sicht wird auf dem Rückweg immer schlechter, und die Wanderer, die mir entgegenkommen, werden wohl ausser Nebel nicht mehr viel gesehen haben. Ich verzichte auf eine zweite Wanderung und ziehe mir stattdessen im Mount Cook Village - surprise, surprise - einen 'Caffee Latte' rein. Hebt nun mal einfach die Stimmung. Nach einem kurzen Check der örtlichen Übernachtungsmöglichkeiten ziehe ich weiter in die etwa 80 Kilometer entfernte Retortenstadt 'Twizel'.

Der Ort wurde in den Siebzigern gebaut, um die Bauarbeiter zu beherbergen, welche das ausladende Dammsystem in der Gegend gebaut haben. Eigentlich sollte der Ort nachher wieder dem Erdboden gleichgemacht werden, aber einige der Arbeiter wollten hier bleiben, und so hat sich eine etwas zu konstruierte, aber bestens positionierte Ansiedlung etabliert. Und hier wurde eine der Schlüsselszenen aus dem letzten Teil der 'LOTR' Trilogie ('LOTR' ist das gängige Kürzel für 'Lord of the Rings'...) gedreht, die Schlacht auf den Feldern von Pelenor. Auch dieser Drehort befindet sich auf privatem Grund und kann nur im Rahmen einer Führung besucht werden. Viel zu teuer eigentlich, und wir werden auch noch zu albernen Verkleidungen genötigt. Aber ich erhalte ein paar Einblicke in die Machart des Films. Denn obwohl die Szenerie wirklich eindrücklich ist, und vom Drehort selber bis auf eine Stromleitung keine Spur von Zivilisation zu sehen ist, wurden für die Schlachtszene stellenweise Bilder von 4 verschiedenen Orten am Computer zusammengefügt, um die finale Version zu erzeugen. Mount Cook wurde zum Beispiel in die Kulisse hineinmontiert, quasi aus 80 Kilometer virtuell hierher verpflanzt. Nicht der einzige Grund, warum die Trilogie auf Produktionskosten von 400 Millionen Dollar gekommen ist - und dann ein Vielfaches davon eingespielt hat! Gedreht wurde ja auch über mehr als 3 Jahre, mit zwei Drehteams gleichzeitig.

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LOTR Drehort bei Twizel (Schlacht auf den Pelenor Fields)

Am Alpensüdrand reise ich weiter Richtung Westen und mache im unbedeutenden 'Geraldine' halt. Es ist mein Ausgangspunkt für eine Rafting-Tour auf dem 'Rangitata' am nächsten Morgen. Es wird zu einem wilden Ritt durch schäumende Wellen in einer schönen Schlucht, angereichert mit einem kleinen Bad im beissend kalten Fluss und einem Sprung von der Klippe. Klasse 5 heisst es, aber mit einem Schlauchboot kommt das weniger wild daher als allein in einem Kajak. Zum Glück habe ich mich in die Frontreihe gesetzt, so dass ich auch zu meinen Adrenalinschüben komme. Um diese noch etwas anzureichern, leert der Bootsführer beim Surfen in einer Stromschnelle (so eine Art Tanz auf einer stehenden Welle) die halbe Bootsbesatzung aus - mich eingeschlossen.

Am Abend fahre ich nach Mt Somers. Von hier geht es am nächsten Morgen nochmals auf eine lange Schotterstrasse in Richtung Berge, der letzte Besucht eines 'LOTR' Drehorts. Ich habe mir extra noch Ausschnitte aus der Filmmusik auf den iPod geladen, um in Stimmung zu kommen. Im Prinzip vollkommen überflüssig, die Landschaft ist auch ohne musikalische Untermalung der Hammer. Der eigentliche Drehort, 'Mt Sunday' - im Film Rohans Hauptstadt 'Edoras' - ist nur ein unscheinbarer Moränenhügel, aber er liegt inmitten einer urtümlichen weiten Ebene vor der Kulisse der Hauptkette der Südalpen.

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Mount Sunday, ein weiterer LOTR Drehort (Edoras)

Landschaftlich schlicht der Höhepunkt meiner vierwöchigen Fahrt, eine Szenerie, die Ötzi wohl auch in den europäischen Alpen vorgefunden hat, bevor man die Flüsse bis zur Unkenntlichkeit gezähmt hat!

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Blick in die Südalpen, in der Mitte rechts der unscheinbare Mount Sunday

Dann geht es zu meiner letzten Station vor Christchurch, zur 'Bank Peninsula', die - wie so vieles in Neuseeland, durch einen Vulkan gebildet worden ist. Da auch meine zweite Luftmatratze mittlerweile beträchtlich Luft verliert (das Modell ist für den Müll, an mir wird's ja wohl nicht liegen...), übernachte ich in einem Backpackers. Am nächsten Morgen fahre ich früh zum Hafen: Schwimmen mit Delfinen ist angesagt.

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Blick in den Krater der 'Banks Peninsula'

Eingekleidet in 5-Milimeter-Neonanzüge fahren wir hinaus in die Bucht. Als ein paar der kleinen Hektor-Delfine ums Boot schwimmen, werden wir ins Wasser beordert. Wir sollen uns für die Delfine interessant machen, sagt man uns. Wir scheinen auf die Tierchen nicht besonders spannend zu sein, schwimmt doch nur sporadisch einer der kleinen Hektor-Delfine zwischen uns durch. So habe ich mir das eigentlich nicht vorgestellt. Sehen können uns die Tiere im trüben Wasser kaum. Also muss akustisch was abgehen. Ich veranstalte in meinen Schnorchel singend eine Art Unterwasserkakophonie, für menschliche Ohren zugegebenermassen wenig erquicklich. Aber sieht so aus, als hätte ich den Ton den 'Top Ten Dolphin Charts' getroffen und ich werde zum Magneten für die niedlichen Meeressäuger, die mich nun neugierig umschwimmen. So nahe, dass ich sie berühren könnte, wenn ich den Arm rechtzeitig ausstrecken würde. Soll man aber nicht, legt man uns vor dem Bad ans Herz. Bis zu 8 Delfine umrunden unsere Gruppe, und nach harzigem Beginn bin ich von der Schwimmerei ganz begeistert. Nur schweren Herzens steige ich wieder ins Boot, nicht ohne ein 'Tschüss' ins Wasser getutet zu haben. Der Führer ist völlig weg ob meiner Performance - war schon fast versucht, ihm die Noten zu geben...

Ein schönes Erlebnis, dessen Erinnerung mich noch den restlichen Morgen erfüllt und sich auf der Fahrt nach Christchurch mit leiser Wehmut mischt - nun ist diese phantastische 4-wöchige Fahrt zu Ende. Es war eine phantastische Zeit, und ich nehme weitere wunderbare Erinnerungen mit, die ich nicht mehr missen will.

In Christchurch mache ich am Sonntag noch einen Stadtrundgang und besuche ein Museum. Hier ist unter anderem ein Schneemobil ausgestellt, mit welchem in einer historischen Expedition im zwanzigsten Jahrhundert die Antarktis durchquert wurde. Am meisten faszinieren mich die ausgestellten Maori-Holzschnitzereien mit den räumlich ineinander verstrickten Mustern.

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Faszinierende Maori-Schnitzereien im XXX Muesum in Christchurch

Und dann fahre ich zum Flughafen, gebe ein paar Postkarten auf (die Ersten... :-( ... :-)) ...!!!), und dann fliege ich einfach weg. Adieu, Neuseeland, Du Land am anderen Ende der Welt. Eine Art realer Mythos, der mir ab jetzt unvergesslich bleiben wird - mit Sicherheit eines der ganz grossen Highlights meiner Reise.

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Nordinsel: Abendstimmung am Vulkan Ngauruhoe im Tongariro Nationalpark

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Südinsel: Abel Tasman Nationalpark

Eingestellt von greoj 15:21 Archiviert in Neuseeland Kommentare (2)

Neuseeland - Nordinsel

Angekommen am anderen Ende der Welt


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Sydney, 29. November 2010

Neuseeland stand nicht von Anfang an auf meiner Liste der möglichen Destinationen und hat sich dann erst so langsam eingeschlichen, erst wollte ich drei Wochen dahin, zum Schluss wurde es dann ein voller Monat. Ich würde es nicht bereuen, um es gleich mal vorwegzunehmen.

Die Landung war schon fast ein Kulturschock, nach den vielen Wochen in Lateinamerika, nach Rapa Nui und Tahiti. Schon aus der Luft sieht alles so piekfein aus. Ist es irgendwie auch, zumeist bestens organisiert, sauber, gute Infrastruktur, höfliche Bewohner. Ja, das Ganze kommt ein bisschen bieder daher. Aber was stört das mich als Schweizer, wenn es dazu ausgezeichneten Kaffee, internationale Küche und vor allem diese wahnsinnigen Landschaften gibt?

Dass am Flughafen kontrolliert wird, ob ich meine Wanderschuhe auch schön sauber geputzt habe, passt allerdings nur vordergründig ins Bild (ein Test, den ich notabene mit Bravour bestanden habe - die Wanderschuhe reisen ja auch in unmittelbarer Nähe meines Necessaires mit, da ist allzu viel Schlamm einfach störend...). Bei der Kontrolle geht es in der Tat um etwas anderes, es soll nämlich verhindert werden, dass unkontrolliert fremde Spezies eingeschleppt werden. Neuseelands Fauna und Flora hat sich über Jahrtausende isoliert entwickelt und hat sich dann als äusserst empfindlich gegenüber von Kolonialisten eingeführten Tieren und Pflanzen erwiesen. Säugetiere hatten ein leichtes Spiel, und heute päppelt man Arten wie den Laufvogel Kiwi - falls es irgendwer noch nicht gewusst haben sollte, ein Nationalsymbol der Neuseeländer - mit aufwändigen Massnahmen wieder auf.

In Auckland verbringe ich 3 Tage, in erster Linie, um meine Reise durch Neuseeland zu organisieren. Ich brauche einen Mietwagen und eine einfache Campingausrüstung. Daneben geniesse ich das wunderbare Essen und den herausragenden Kaffee, auf den ich in Südamerika weitgehend verzichtet habe. Die "Large Latte" werden fast schon zur Sucht, und ich plane ein, wann ich den nächsten Latte trinken kann, ohne meinen Magen zu überstrapazieren und ohne meinen nächtlichen Schlaf zu gefährden.

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Auckland: Blick vom 'Sky Tower' auf den Hauraki Golf

Natürlich ein Muss ist der Besuch des Skytowers, des Fernsehturms mit Aussichtplattform. Daneben schlendere ich nach Kochrezept aus dem 'Lonely Planet' durch Strasse und Pärke. Nicht fehlen darf der Viaduct Harbor, der Heimathafen des fantastischen Americas Cup Abenteuers der Alinghi im Jahr 2003.

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Auckland: Viaduct Harbor - Stätte America's Cup 2000 und 2003 (Alinghi!)

Da man in Neuseeland mindestens einmal mit einem Segelschiff unterwegs gewesen sein muss, mache ich ein paar Tage später (auf der Durchreise in den Süden) sogar einen zweistündigen Törn mit einer ehemaligen Americas Cup Yacht. Dabei schiessen wir auch mit ordentlich Schlagseite durch die Wellen des Hauraki-Golfs.

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Auckland: mit einer ehemaligen America's Cup auf dem Hauraki Golf

Das macht mir als Angehöriger einer (ehemaligen) Seglernation natürlich wenig aus.

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Auckland: Segeln auf dem Hauraki Golf

Und ja, auch ich bin jetzt ehemaliger temporärer Steuermann einer Americas Cup Yacht. Unserem Kapitän kann ich allerdings nicht gross imponieren - als ich erwähne, dass ich Schweizer bin, zuckt er nur bedauernd die Schultern, weil Alinghi den Cup so sang und klanglos wieder verloren hat. Kein Wort von unserem gloriosen 'zu Null' Sieg in 2003". Damals, als wir eben noch eine Seglernation waren.

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Auckland: Abendlicht im Viaduct Harbor

Mein Gefährt für die nächsten 4 Wochen ist ein weisser Nissan Sunny, offenbar ein bewährtes Modell für Neuseeland, denn ich sehe mein Auto öfters irgendwo parken oder um eine Ecke biegen. Zum Glück kann ich mir schnell meine eigene Nummer merken. Die ersten Kilometer führen mich in den Norden, zur malerischen 'Bay of Islands' im Norden von Auckland. Wie alles in Neuseeland macht die Landschaft einen unheimlich wohlsortierten Eindruck. Die Wiesen strahlen in saftigstem Grün (es ist ja quasi Mai hier), und auf den Weiden wächst das Gras so regelmässig, dass ich schon fast glaube, dass hier die Weiden gemäht werden, bevor die Schafe drauf losgelassen werden. Im geschichtsträchtigen Russel (erste permanente europäische Siedlung auf Neuseeland) stelle ich zum ersten mal auf einem piekfeinen Campingplatz mein Zelt auf, buche aber auch gleich mal eine Übernacht-Ausfahrt. In einer umgebauten Autofähre, die wie eine umfunktionierte Zündholzschachtel aussieht geht es am folgenden Nachmittag in die schöne Buchtenwelt. An Bord befindet sich - Besatzung eingeschlossen - nur gerade ein Neuseeländer. Die Gäste sich allesamt nicht von hier. Amerikaner, Spanier, Israeli, Australier. Nachts machen wir eine kleine Ausfahrt mit Kayaks. Im Schatten des aufgehenden Mondes können wir phosphoreszierende Algen sehen. Taucht man das Paddel ins Wasser, beginnt es rundherum geheimnisvoll zu leuchten. Wunderschön. Am nächsten Morgen besuchen wir noch eine der unzähligen Inseln mit obligatem Sandstrand und geniessen die Aussicht von einer kleinen Anhöhe.

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Bay of Islands

Auf dem Weg in den Süden mache ich - wie schon erwähnt - nochmals bei Auckland Halt. Am Abend gehe ich zum allerersten mal auf dieser Reise ins Kino: 'The Town', muss man nicht gesehen haben.

Bei der Weiterfahrt mache ich zum ersten mal wirkliche Bekanntschaft mit den Weiten der Landschaft.

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Westlich der Bay of Plenty: Ausblick

Gegen Abend komme ich zum 'McLaren Falls' Park. Hier soll man nachts Glühwürmchen beobachten können. Eigentlich wollte ich hier ein Tour buchen, aber hier ist keine Menschenseele mehr. Im Park ist offenbar Camping erlaubt, also warum nicht einfach hier bleiben und die Glühwürmchen selber suchen.

Ich fahre ein bisschen im hügeligen Park rum und stelle dann mein auf eine grosse einsame Wiese. Erst habe ich den Eindruck, ich wäre der einzige Gast hier, aber beim Dämmerungsspaziergang begegne ich am See im Park einer jungen Deutschen, die allerdings gerade mit ihren Liebsten telefoniert, weshalb wir nicht ins Gespräch kommen. Nachts mache ich mich dann bewaffnet mit meiner Stirnlampe in ein dunkles Tälchen auf. So sehe ich natürlichAls ich neben meinem Lichtkegel etwas ganz leise aufleuchten sehe, schalte ich die Lampe aus, und dann umgeben mich die leuchtenden Glühwürmchen wie eine Milchstrasse, die sich über die Böschungen wölbt. Wunderschön, und ganz für mich allein. Beim Rückweg zu meinem Zelt begegne ich dann noch einem Parkwächter, aber sonst hat sich heute offenbar niemand herbemüht.

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McLaren Falls Park: genug Platz für mein Zelt

Am nächsten Morgen mache ich mich nach Rotorua auf, einem der ganz bekannten Tourismusmagneten im Land. Hier gibt es warme Quellen, einen schönen See und ausserdem ist es eine Hochburg der Begegnung mit der Kultur der Maoris, der neuseeländischen Ureinwohner. Also buche ich einen Besuch eines Maori-Dorfes, der mit einem trafditionellen Festschmaus gefeiert werden soll. Das Ganze kommt dann sehr touristisch daher. Aber was erwartet man denn, die Maori haben sich längst schon der modernen Zeit angeschlossen. Die Vorführung von Tänzen und kleinen Kunststücken gibt wohl dennoch einen ungefähren Eindruck der Ureinwohner, die ja polynesischer Abstammung sind. Früher provozierten sie ihre Gegner noch mit herausgestreckter Zunge, um zu zeigen, wie gross ihre Lust war, ihren Widersacher nicht nur niederzumetzeln, sondern dann auch gleich zu verspeisen. 'Früher hätten sie uns Gäste vielleicht noch gekocht', wird uns erklärt, aber das brauchen sie heute dank McDonalds nicht mehr.

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Rotorua: am See

Nach einem Spaziergang an den Gestaden des Sees fahre ich etwa 30 Kilometer südlich zu heissen Quellen, wo ich mich bei wunderbarer Aussicht weichkochen lasse (ohne von Maoris gegessen zu werden). Das Bad wird tatsächlich von einem fast kochendheissen Fluss gespeist, der sich ab der Quelle noch etwa 3 Kilometer unter Dampf durch die Landschaft schlängelt, bevor er von einem anderen Flüsslein gekühlt wird.

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Heisse Quellen südlich von Rotorua

Weiter südliche gelange ich nach Taupo, am Nordende des gleichnamigen Sees gelegen. Hier sehe ich zum ersten mal in Neuseeland Schneeberge: am anderen Ende des Sees liegt der Tongariro- Nationalpark mit seinen drei beeindruckenden Vulkanen, die auch als Kulisse in der Filmtrilogie 'Herr der Ringe' gedient haben. Die Berge rufen, und nachdem ich mich mit einem herrlich mundenden Bagel mit Lachs und Kapern gestärkt habe, fiebere ich dem Park entgegen. Das Wetter ist auch zu schön!

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Taupo: Blick über den See auf den Tongariro National Park

Ich übernachte auf einem Camping in Whakapapa, auf der Westseite der Vulkane gelegen. Zum ersten mal kämpfe ich echt mit der Kälte, befinde ich mich hier doch auf etwa 1000 Metern über Meer. Dass meine Luftmatratze leckt, ist dabei auch nicht gerade hilfreich. Zwei Tage später kann ich sie dann umtauschen und bekomme eine, die scheinbar dicht ist, dafür ein verformtes Ventil hat.

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Tongariro National Park: Blick auf den Ruapehu

Am nächsten Morgen stehe ich früh auf, um den Shuttle zu erwischen, der mich an den Anfang des 'Tongario Alpine Crossings' bringt. Auch heute sieht das Wetter vielversprechend aus, nur um die Vulkane herum kleben etwas hartnäckig einige Wolken. Die Wanderung bringt mich auf einem ausgezeichneten Pfad allmählich in grössere Höhen. Leider damit auch hinein in die Wolken. Bald kommen mir winzige Schneeflöcklein entgegen und mit zunehmender Höhe wird es immer windiger. Beim Hauptkrater des Tongaririo angekommen ist es schon fast bissig kalt - zum Glück bin ich darauf vorbereitet. Von den beiden anderen Vulkanen ist nichts mehr zu sehen. Ich mache mich auch daran, den Gipfel des Tongariro zu erwandern, gebe aber nach dem zweiten Vorgipfel leicht genervt auf. Erstens ist kaum etwas zu sehen und zweitens wird der Wind immer heftiger und beeinträchtigt die Trittsicherheit auf dem sowieso sehr lockeren Untergrund.

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Tongariro Alpine Crossing: wenig Aussicht im Krater des Tongariro

Zurück auf der Hauptroute treffe ich auf weitere Wanderer, die sich mit mir auf den Abstieg begeben. Auf einem kleinen Grat luftet es so stark, dass sich einige Mitstreiter fast kriechend den Berg hinunter kämpfen. Später erfahre ich, dass uns die Shuttle-Unternehmung wegen der starken Winde telefonisch zurückrufen wollte. Die Sonne lacht dann erst wieder, als ich schon in Zielnähe durch die weiten Wälder wandere, die die Berge umgeben. 'Four seasons a day', das konnte man heute wahrlich sagen.

Am nächsten Tag lacht mir ein weiterer wunderbarer Berg aus der Ferne entgegen: der Vulkan Mount Taranaki steht einsam an der Westküste der Nordinsel.

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Tongariro National Park: Blick auf den fernen Mt Taranaki

Auf dem Weg dahin fahre ich über den 'Forgotten World Highway' durch eine wunderbar liebliche Landschaft. Wäre mir hier 'Frodo' aus 'Herr der Ringe' über den Weg gelaufen, ich hätte mich möglicherweise gar nicht gross gewundert, so sehr erinnert mich die Landschaf ans Auenland.

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Unterwegs auf dem Forgotten World Highway

Der Mount Taranaki zieht sich allerdings gegen Abend ebenfalls eine wolkige Mütze an. Am nächsten Morgen fahre ich zusammen mit zwei jungen Wanderlustigen aus Europa zum Besuchszentrum im Norden des Gipfels. Die zwei wollen den Berg auf einer fünftägigen Wanderung umrunden. Ich plane nur eine etwa vierstündige Wanderung in die Flanken des Vulkans - eine Gipfelbesteigung soll nur mit Führer möglich sein. Die Wolkenmütze ist zwar auch schon jetzt da, aber sie liegt nicht ganz "press", so dass man den Gipfel jetzt noch sehen kann.

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Mount Taranki: Gipfel

Als ich aber weiter in die ersten Schneefelder komme, wird die Wolkendecke dichter und die Aussicht zunehmend weisser. Also auch hier: je näher ich dem Berg komme, desto mehr ziert er sich, ein bisschen wie der Scheinriese aus "Jim Knopf". Gegen schlechtes Wetter kann man nicht viel machen. Schwamm drüber, auf zum nächsten Kaffee und dann weiter Richtung Whanganui, einem malerischen Flusstal an der Südküste der Nordinsel.

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Whanganui River

Dank Lonely Planet finde ich am Flusslauf einen einsamen Camping mit frischem Wasser und einer Toilette als einzigem Komfort, aber mitten im Grünen und drei netten Finninnen als einzigen Nachbarinnen, die mir ihre elektrische Pumpe leihen und auch Tips für die Südinsel bereit haben.

Am nächsten Tag erreiche ich dann schon Wellington, meine letzte Destination auf der Nordinsel. Ich bin etwas zu spät dran, um mich wirklich in der Stadt umzusehen. Und am nächsten Morgen muss ich schon früh los, um mit Auto auf der Fähre einzuschiffen, die mich auf die Südinsel bringt.

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Ausfahrt aus Wellington

Eingestellt von greoj 21:43 Archiviert in Neuseeland Kommentare (2)

Französisch Polynesien - ganz nah am Paradies

Von der Schweirigkeit, nix zu tun


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Russel (Neuseeland), 26. Oktober 2010

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In Rapa Nui verlasse ich jetzt auch Chile. Der Flieger legt um etwa 21:00 ab, früher als gemäss Flugplan vorgesehen. Der Flug dauert etwas weniger als 6 Stunden dennoch ist es noch nicht 11 Uhr abends, als wir in Tahiti landen, dank 4 Stunden Zeitverschiebung. Ich finde glücklicherweise gleich beim Flughafen eine günstige Pension. Ich werde von einer jungen Polynesierin empfangen, die in Europa bei Adoptiveltern aufgewachsen ist und jetzt hier ihre Wurzeln kennenlernen will. Die Pension bietet nicht gerade viel - das Bett ist in einem erbärmlichen Zustand und die Schallisolation nicht existent, dafür kann ich im gemeinschaftlich genutzten Bad warm duschen. Am nächsten Morgen mache ich mich sofort zu einem Reisebüro auf, um einen Flug nach Maupiti zu buchen, was einfach ist, und ebenda eine Unterkunft, was dann doch eine ganze Latte an Telefonaten benötigt, bis ich fündig werde.

Mit dem Ortsbus habe ich mich am Nachmittag nach Papeete aufgemacht, um mich ein bisschen umzusehen und auch, um ein bisschen im Internet zu surfen.Auch Papeete ist nicht so wirklich der Knaller und Internet ist nicht gerade weit gestreut. Aber nach einem Mittagessen in einem elsässischen Restaurant (Flammkuchen...) kann ich dann inmitten der computerspielenden Jugend übers Internet in Kontakt mit der Aussenwelt treten.

Am Freitagmorgen mache ich mich dann auf nach Maupiti, der östlichsten der Gesellschaftsinseln, zu denen auch Tahiti gehört. Maupiti ist so eine Art Geheimtip, nicht unbekannt eigentlich, aber touristisch wenig entwickelt, da die Einwohner ihre Insel lieber für sich haben wollen, als sich Tourismustempel vor die Nase bauen zu lassen. Die Pensionen, die zur Verfügung stehen, werden oft in einem sehr familiären Rahmen geführt.

Maupiti

Ich stehe wieder einmal frühmorgens auf, denn der Flug geht bereits um 06:30 und ich muss 1 Stunde früher da sein. Ich bin eigentlich auf der Warteliste, aber ich komme problemlos unter. Nummerierte Sitze gibt es keine. Der Flug geht zuerst nach Raiatea und dann erst nach Maupiti, was Aussichten aus verschiedenen Blickwinkeln auf die Inseln garantiert. Maupiti wird erst mal umrundet, bevor wir landen. Im Zentrum befindet sich wie bei vielen anderen Inseln auch eine Hauptinsel mit einem erloschenen Vulkan im Zentrum. Darum herum gibt es eine seichte Lagune, die gegen das Meer von einem Riff begrenzt wird. Auf der Innenseite des Riffs gibt es einen Kranz von flachen, dicht mit Palmen bewachsenen Inseln, die hier 'Motus' genannt werden.

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Die Flugpiste befindet sich ebenfalls auf einem Motu. Daneben gibt es ein kleines Abfertigungsgebäude und fertig ist der Flugplatz. Viele Fluggäste werden hier von ihren Gastgebern mit Blumenkränzen erwartet, die sie dann auf eines der Motus bringen. Ich habe eine Pension auf der zentralen Inseln und muss erst noch mit einem Shuttle über die Lagune, um meinen Gastgeber zu treffen. Das Paradies beginnt aber auch schon auf dem Flugplatz, denn schon von hier bietet sich bereits ein bilderbuchmässiger Blick.

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Ui, mein Gastgeber für die nächsten Tage, fährt mich mit einem Bus zu seiner Pension, welche in Tat und Wahrheit einfach sein Haus ist. Es ist nicht luxuriös hier, aber ich habe ein eigenes Zimmer mit guter Matratze, der Strand ist in Spazierdistanz, und ich kann auch ein Velo benutzen, um mich auf der Insel zu bewegen. Ui ist zu Beginn nicht besonders mitteilsam, abgesehen von seiner Theorie, dass die Polynesier die direkten Nachkommen, der Israeliter seien, der ich, da zu skeptisch - lieber ausweiche. Aber mit der Zeit scheint er immer mehr Spass an meiner Anwesenheit zu haben und erklärt mir das traditionelle Fischen in den umliegenden Gewässern und auch, dass immer die Franzosen Schuld sind, wenn in Polynesien etwas schief läuft.

Der Plan für meinen Aufenthalt auf Tahiti: möglichst nichts tun und viel Fisch essen. Den zweiten Wunsch erfüllt mir Ui, der mir jeden Abend einen anderen Fisch auftischt. Einmal gibt es sogar Languste, als Bonus, dass ich als Langzeitgast letztlich sechs Nächte bei ihm verbringe, bis ich aufgrund anderer Besetzung das Feld räumen muss. Nichts tun relativiert sich aber auf Maupiti. Zwar nehme ich es tatsächlich eher ruhig, aber immerhin mache ich dann doch zweimal einen Ausflug auf ein Motus, zu welchem man gelangen kann, indem man etwa 600 Meter durch die seichte Lagune watet, beobachtet von Rochen, die im sandigen Untergrund ruhig ihre Kreise ziehen.

Nachdem ich die Lagune zum ersten mal watend durchquert habe, möchte ich drüben natürlich einfach nix tun, was mir gleich ganz gut gelingt, als ich mich mal in den wunderbar feinen, fast schneeweissen Sand lege, durch die Palmenkronen in die Sonne blinzle und bald eindöse.

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Aber frisch ausgeruht will ich mich dann doch mal noch kurz auf dem Motu umsehen, was sich zu einem nachmittagfüllenden Unternehmen mausert. Nachdem ich die Insel erst einmal südlich umrundet habe, komme ich an die Aussenseite, wo das Riff nur noch wenige Meter entfernt ist. Hier gibt es dann nicht mehr diesen wunderbaren feinen Sand, man geht hier tatsächlich auf grob zertrümmerten Korallenskeletten, was das Vorwärtskommen schwierig macht. Dennoch folge ich dem nahen Riff hartnäckig nach Norden, in gleissender Mittagssonne. Ich kann nicht davon ablassen, bis ans nördliche Ende des Motus zu gelangen, wozu ich mich dann wieder an die Innenseite durchschlage, um besser voranzukommen. Der vegetationsfreie Streifen ist hier wesentlich schmaler und bald muss ich ins Innere des Motus ausweichen, um weiter vorwärts zu kommen. Hier raschelt es überall verdächtig im Palmenlaub, und bald entdecke ich die erste Krabbe, die sich hastig unter dem Laub von Palmen vor mir verstecken will. Sieht irgendwie drollig aus, wie sie da wegstiebt, als hätte sie irgendetwas ausgefressen und dann reglos unter dem vertrockneten Palmwedel hervorguckt.

Schliesslich erreiche ich das Ende des Motus, um zu sehen, dass es hier eigentlich nichts Neues gibt, ausser einem ziemlich langen Rückweg. Mit nix tun wird es heute erst mal nichts mehr, denn es ist schon fortgeschrittener Nachmittag. Ich muss ja erst den ganze Weg zurück, um dann die Lagune noch bei Tageslicht überqueren zu können. Durch die Äquatornähe sind hier die Tage immer etwa gleich lang und so um 18 Uhr streicht die Sonne die Segel.

Auch auf dem Rückweg gibt es wieder dutzende Krabben, die sich vom Strand lustigerweise nie ins Wasser, sondern immer ins Motuinnere flüchten. Ich gebe Acht, auf keinen der kleinen Vielbeiner zu treten, was mir doch eine sehr unangenehme Vorstellung ist, auch wenn die kleinen Biesterchen wesentlich mehr Respekt vor mir zu haben scheinen als ich vor ihnen.

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Später sind es dann Hunde, die zwar weniger an der Zahl sind, aber überhaupt nicht wegrennen, sondern mich im Gegenteil wütend anbellen. Schliesslich schaffe ich es dann aller Widrigkeiten zum Trotz wieder zur seichten Stelle an der Südseite des Motus und wate noch rechtzeitig zurück zur Hauptinsel.

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Als Schweizer muss ich natürlich auch den zentralen Vulkan ersteigen, der doch immerhin fast 400 Meter hoch ist. So komme ich in der Mittagshitze doch ganz schön ins Schwitzen, was dann aber durch eine wunderschöne Aussicht belohnt wird.

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Mit dem Velo bin ich ziemlich fleissig unterwegs, zum Beispiel weil es im Dorf auf der anderen Seite der Insel bei der 'Mairie' Internet gibt. Oft fahre ich am späteren Nachmittag zum nahen Strand, um in der fast unreal türkisblauen Lagune baden und gelegentlich den Sonnenuntergang abzuwarten.

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Letztlich werde ich aus dem kleinen Paradies vertrieben, Ui erwartet neue Gäste. Mit dem Schiff lasse ich mich eines Abends ins benachbarte Bora Bora bringen, eine Überfahrt, die es in sich hat, denn das eher kleine Schiff wird von den Wellen des offenen Pazifiks ziemlich durchgeschüttelt. Meine Magennerven spannen sich sichtlich an, aber es passiert zum Glück nichts Dramatisches.

Bora Bora

Bora Bora ist von der Erscheinung her Maupiti ganz ähnlich, ist aber um einiges grösser. Auch gibt es hier viel mehr Touristen, zahlreiche Luxusresorts mit aufs Wasser gebauten Bungalodörfern, Jachten, Kreuzfahrtschiffe und dementsprechend auch höhere Preise. Für alles, auch für meine Unterkunft, die mehr kostet, aber statt Halbpension einfach eine Küche bietet, auch keine Fahrräder. Dafür ist die Pension 'Chez Rosine Mason' sehr geschmackvoll eingerichtet, unmittelbar hinter der Pension gibt es einen ansehnlichen Strand und nach der Zweisamkeit mit dem zeitweilig etwas knorrigen Ui gibt es hier auch andere Gäste, mit denen es zu Essenszeiten einen netten Austausch gibt.

Alles in allem esse ich in Bora Bora viel weniger Fisch, dafür gelingt es mir viel besser, einfach nichts zu tun. Zusammen mit Davide aus Italien, mit dem ich mich auf Englisch verständige (er war gerade 11 Monate in Australien), mache ich per Velo einen Tour rund um die Insel, bei der wir amerikanische Kanonen aus dem zweiten Weltkrieg entdecken und auch zu einem Aussichtspunkt hochkraxeln (der mächtige zentrale Vulkan darf nur mit Führer bestiegen werden). Man kann 'Bora Bora' als überteuertes Ghetto für Luxustouristen verschreien, aber schön ist es hier alle mal.

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Nach fünf Tagen geht dann auch meine zweite Scheibe Paradiesauftenthalt dem Ende entgegen; ich fliege am Abend zurück zum Flughafen von Tahiti und am nächsten Morgen früh weiter nach Westen, ins Land, das am weitesten von der trauten Schweiz entfernt ist: Neuseeland.

Aber davon im nächsten Eintrag....

Eingestellt von greoj 02:31 Archiviert in Französische Polinesien Kommentare (3)

Rapa Nui - Eiland in den Weiten des Pazifiks


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Rapa Nui - auf Deutsch die Osterinsel - liegt einsam im weiten Pazifik, etwa 4000 Meter vor der chilenischen Küste. Der nächste bewohnte Flecken Erde ist Pitcairn, eine ebenfalls einsame Insel, auf die sich 9 der Meuterer der Bounty geflüchtet haben und sich so der Justiz entziehen konnten. Umso erstaunlicher ist, dass Rapa Nui seit Jahrhunderten von den Polynesiern bewohnt ist, die allerdings dann hier ein ziemlich einsames Dasein gefristet haben.

Der Flug über den Pazifik führt über viel Wasser und ist nicht ganz überraschend wenig spektakulär - Meer, Wolken und ein mehr oder weniger blauer Himmel. Aber dann überfliegt unsere Maschine die von Vulkanen gebildete Insel, bevor wir auf der Piste aufsetzen. Das Land ist karg, nur wenige Bäume sind aus der Luft zu erkennen. Gerade mal 20 Kilometer misst der aufgrund der geheimnisvollenen Moais weltberühmte Landstrich.

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Auf dem Flughafen, der im Westen der Insel in unmittelbarer Nàhe des einzigen Orts - Hanga Roa - liegt, kann ich meine Übernachtung organisieren und werde dann gleich zur kleinen Pension gefahren. Die Besitzerin vermietet mir auch gleich ein Fahrrad, und so bin ich schon bald nach der Ankunft unterwegs Der Südküste entlang fahre ich Richtung Osten und halte Ausschau nach Moais, den berühmten Statuen aus Vulkangestein. Die einzelnen Exemplare, die ich hier finde, sind allerdings alle umgestürzt und sehen so nicht besonders beeindruckend aus. Viel mehr Archäologisches finde ich nicht. Aber das Radeln in dieser herben Landschaft, bei sonnigem Wetter und einer schon steifen Brise, ist schon sehr besonders. Es ist sicher eine der ausgefallensten Radtouren, die ich ein meinem Leben unternommen habe. Vor mir breitet sich die steinige Südküste des Eilands aus, an der sich riesige Wellen brechen, die ihren Ursprung in Tausenden Kilometern Wasser haben.

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Ich geniesse die Radtour, ohne mich allzu sehr auf die Archäologie zu konzentrieren, diese werde ich am nächsten Tag bei einer geführte Tour über die Insel besser kennen lernen.

Mein Führer Patricio kommt vom chilenischen Festland, wohnt aber seit fast dreissig Jahren auf der Insel. Er meint, es wäre in Kindheitstraum von ihm gewesen, auf dieser wilden Insel zu leben. Ich bin heute sein einziger Gast, aber das hindert ihn nicht daran, mir während der ganzen Fahrt die Geschichte der Insel und der Moais zu erklären.

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Er meint zu Beginn auch, es lohne sich auf jeden Fall, die Insel mit einem ortskundigen Person zu besuchen. Wo der Unkundige nur Steine sieht, handelt es sich oft um eine Kultstätte der Ureinwohner. Und genau das bestätigt sich, als wir zu Beginn praktisch dieselbe Route befahren, die ich auch beradelt habe. Die Insel und vorallem der Küstenstreifen ist geradezu gepackt mit Kultstätten. Fünfzehn Sippen haben auf der Insel gelebt, und jede hat für ihre verstorbenen Häuptlinge Moais aufgestellt. Die Moais schauen immer ins Landesinnere, überwachen quasi ihre Sippe auch nach ihrem Tod.

Jede Sippe hatte offenbar ihre speziellen Fähigkeiten: die einen waren gute Fischer, andere stellten vielleicht gute Werkzeuge her. Und eine Sippe war darauf spezialisiert, die Moais herzustellen. Diese wurden nur an einem Ort auf der Insel aus dem Felsen gehauen. Und sie wurden auf Vorrat gemacht, so ein bisschen wie Obelix einen Hinkelstein nach dem anderen gehauen hat. Noch bevor ein Häuptling verstarb, suchte er sich auf dem Produktsgelände eine Statue aussuchen, die dann über die Insel zu ihrem Bestimmungsort transportiert wurde. Man kann noch immer angefangene Statuen sehen, und auch solche, die verkaufsfertig waren, aber dann nicht mehr verwendet worden sind.

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Diese Moais bekamen erst an ihrem Bestimmungsort ihren letzten Schliff. Insbesondere haben sie in der "Verkaufsausstellung" noch keine Augen. Diese wurde aus Korallen hergestellt und erst angebracht, wenn der Moai an seinem finalen Platz stand. Da wurde ihnen auch eine Art Hut aus rötlichem Vulkangestein aufgesetzt, welcher die Haarpracht der Chefs darstellt, die diese über dem Kopf aufsteckten und rot färbten, was ein Ausdruck von Macht ist.

In der Nähe des Vulkans, wo die Moais produziert wurden, steht eine Serie von fünfzehn Moais, die von einem japanischen Team wieder aufgestellt worden sind. Praktisch alle Moais waren im zwanzigsten Jahrhundert umgestürzt,. Grund war auf der einen Seite ein Krieg der Ureinwohner zwischen den herrschenden "Langohren" und deren Untergebenen, den "Kurzohren". Die Bezeichnung kommt von daher, dass die Langohren einen Ohrenschmuck getragen haben, der ihre Ohren länger aussehen liess. Während dieses Kriegs wurden die meisten Moais umgestürzt. Was noch übrig blieb, erledigten die Missionare.

Eine japanische Firma liess nun fünfzehn Moais wieder aufstellen. Dies nicht nur aus Nettigkeit, sondern auch für Werbung in eigener Sache, handelte es sich doch um eine Firma, die Krane herstellt. Aber das Resultat ist eindrücklich und vermittelt einen Eindruck, wie es hier vor den Unruhen ausgesehen haben könnte.

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Einem der Moais wurde auch die Kopfbedeckung aufgesetzt, welche ursprünglich alle Moais aufgehabt haben.

Patricio bringt mich auch nach Anakena, welches sich an der Nordküste befindet und wo die Könige der Insel gehaust haben. Hier findet sich der einzige Sandstrand von Rapa Nui, welcher bei den Touristen, die etwas länger als ich auf der Insel hausen, auch beliebt ist. Die Wassertemperatur ist allerdings ziemlich frisch.

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Um 18 Uhr bin ich wieder in Hanga Roa, rechtzeitig, um noch meinen Flieger zu erwischen, welcher mich noch an diesem Abend nach Tahiti bringen wird. Es war ein sehr kurzer Besuch auf Rapa Nui, aber ich bin froh, habe ich diesen Zwischenhalt eingebaut, um kann eindrückliche Erinnerungen mit auf meine weitere noch lange Reise nehmen.

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Eingestellt von greoj 00:37 Archiviert in Chile Kommentare (4)

Chile - Abschied von Südamerika


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Die Strasse, die vom bolivianischen Grenzposten weiter nach Chile führt, ist ungeteert wie die Wüstenpiste, die mich hierher gebracht hat, und ich stelle mich darauf ein, dass der Bus nun eine Stunde lang ins nahe San Pedro de Atacama holpert. Aber schon nach wenigen hundert Metern geht es auf eine tadellos asphaltierte Strasse, mit säuberlich gestrichenen Leitplanken. Bezeichnenderweise führt diese Strasse in östlicher Richtung ins benachbarte Argentinien. Richtung Westen geht es mehr als tausend Meter hinunter, nach San Pedro de Atacama.

Der Empfang an der chilenischen Grenze ist nicht gerade euphorisch, zudem müssen alle Reisenden das Gepäck untersuchen lassen. Ansonsten verläuft auch dieser Grenzübertritt ohne Probleme. San Pedro ist ein einigermassen kleiner Ort in der Wüste, der voll auf den Tourismus ausgerichtet ist. Im Ortskern finden sich dicht an dicht Souvenirläden, Restaurants und Reisebüros. Das Preisniveau ist dementsprechend hoch - etwas gewöhnungsbedürftig nach dem günstigen Bolivien - aber ich finde ein zahlbares Hostel und ein anständigem Bett.

Nachdem ich mich am ersten Tag von der frühen Tagwache erhole, buche ich am nächsten Tag zwei Touren.

Valle de Luna

Zuerst geht es ins beliebte 'Valle de Luna' (Tal des Mondes), das gern mit einer Mondlandschaft verglichen wird. Geologisch interessant ist, dass es hier salzhaltiges Gestein gibt, welches nur aufgrund der grossen Trockenheit Bestand hat. Bei Regen würde ja das Kochsalz schnell aus dem Felsen ausgewaschen. Die skurrilen Salzgesteinsformation 'Las tres Marias' sind ein beliebtes Fotosujet. Wenig beachtet wird der nicht weniger fotogene 'T-Rex' gleich nebenan (hm, von mir so benannt, aber passt doch, nicht).

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Auch die Ausblicke ins 'Valle de la Muerte' (englisch: 'Death Valley' - da war ich doch schon mal!!!) sind durchaus lohnenswert.

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Zum Höhepunkt des Ausflugs wird der Sonnenuntergang, bei dem wir eine wunderschöne Aussicht über das ins Abendlicht getauchte Tal haben. Und dann werden auch die Anden mit dem formschönen Vulkan 'Licancabur' in ein Zartrosa getaucht.

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Geisires de Tatio

Am nächsten Morgen geht es schon wieder frühmorgens los, diesmal werde ich um 04:00 vor dem Hotel erwartet. Eine etwa zweistündige ziemlich holprige Busfahrt bringt uns nordwärts zurück aufs Hochplateau und - ein weiteres deja vue - es wird empfindlich kalt: die Innenseiten der Busfenster sind bei der Ankunft verreist. Schon drinnen ziehe ich deshalb alles an, was ich dabei habe. Ziel sind wieder Geysire, diesmal echte, wie ich mir habe sagen lassen, denn offenbar gehört bei einem Geysir nicht nur Dampf, sondern auch strodelndes Wasser dazu.

Bei den 'Geisires de Tatio' handelt es sich um das weltgrösste Geysirrfeld, und wir sehen es in der Dämmerung schon von weitem her überall aus dem Boden herausdampfen. Die brodelnden Schlunde haben verschiedenste Formen und auch Farben, was allerdings durch den dichten Austritt von Dampf ziemlich vernebelt wird.

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Das sieht soweit auch alles ganz nett aus, noch ein bisschen schmucker als in Bolivien. Als aber die Sonne hinter dem nahen Bergrücken hervortritt, sind alle Müdigkeit und Kälte vergessen. Die Szenerie verwandelt sich in ein traumhaftes Miteinander von Licht und Wolken und Bergen, wie ich es noch nie gesehen habe.

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Es gibt ein kleines Frühstück und dann geht es auch hier zu heissen Quellen, die ich aber diesmal verschmähe (nur 30 Grad warm...), um in der Nähe noch ein paar weitere Geysire zu besuchen.

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Auf dem Rückweg besuchen wir das kleine Dorf 'Machuca', dessen Bewohner noch immer in Häusern traditioneller Bauart leben, wenn auch diese neu errichtet worden sind. So haben sie jetzt auch Strom, der ökologisch vorbildlich mit Solarzellen produziert wird. Auch die öffentlichen Verkehrsmittel im Ort schonen die Engergiereserven auf effektive Art und Weise.

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Zur Mittagszeit zurück in San Pedro, verpflege ich mich erst mal und nehme dann einen Nachmittagsbus nach 'Calama'.

Calama

Touristisch gesehen ist in Calama nicht viel los. Und wenn es etwas gibt, dann habe ich es nicht gesehen, denn mein Hotel befindet sich in der Nähe des Busterminals, einige Kilometer ausserhalb des Stadtkerns. Grund meines Stopps hier ist eine Mine im nahen Ort Chuquicamata.

Die Minenbetreiberin 'Codelco' organisiert gratis Besuche, und ich habe Glück, denn ich bekomme den letzten Platz im Kontingent des Tourismusbüros. Das erzählt mir Sachiko, eine Japanerin, die mit mir zusammen im Collectivo zum Treffpunkt fährt. Sie ist mir aufgefallen, weil sie im Tourismusbüro trotz unchilenischem Aussehens fliessend Spanisch gesprochen hat. Tatsächlich lebt sie für zwei Jahre in Chile und arbeitet als eine Art Marketing-Entwicklungshelferin für einheimische Bauern.

Zuerst geht es in die frühere Minenstadt von Chuquicamata, die aus ökologischen Gründen aufgegeben worden ist, und seither - hermetisch abgeriegelt - ein Dasein als Geiserstadt fristet. Es sieht hier so aus, als könnte das Leben hier jederzeit wie früher weitergehen. Wir sehen, Banken, Läden, Spielplätze, Unterkünfte für Familien und Singles und sogar ein Theater. Aber die Stadt ist zu nah an der Mine, was aufgrund neuer Vorschriften zur Staubbelastung nicht mehr zulässig ist.

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Dann fahren wir zur Mine. Es ist die grösste Kupfermine der Welt, die ausserdem im Tagbau betrieben wird. Deutsch gesagt ein Riesenloch, etwa 4 Kilometer lang und fast ein Kilometer tief!.

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Die Laster, die das gebrochene Gestein aus der Grube fahren, sind riesig und können 400 Tonnen und mehr Gestein transportieren. In 8 Stunden verbrauchen sie so viel Kraftstoff wie ein durchschnittlicher PKW in einem Jahr. Und sie sind gross wie Häuser. Als wir mit dem Bus an einem der hausgrossen Monster vorbeifahren, überragen die Räder den Bus beinahe! Da ich keins dieser Dinger wirkungsvoll vor die Linse gekriegt habe, erlaube ich mir, ein Bild aus dem Internet einzubauen.

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La Serena

Am nächsten Tag fahre ich südwärts nach La Serena. Solange es hell ist, führt die Fahrt durch die Wüste. Lange Zeit ist überhaupt nichts Pflanzliches zu entdecken, nicht ein ausgetrockneter Grashalm. Die Atacama-Wüste gilt als eine der trockensten Gebiete der Welt. Aber bei aller Lebensfeindlichkeit sind die Ausblicke in die Wüste oft wunderschön.

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Erst gegen Abend gibt es in Küstennähe vereinzelt grüne Pölsterchen zu sehen. In La Serena komme ich kurz vor Mitternacht an - deshalb habe ich das Hotel bereits über Internet gebucht und lasse mich mit dem Taxi dahinfahren. Ein gutes Gefühl, zu dieser Zeit einfach zum gemachten Nest fahren zu können. Zur Feier des Abends genehmige ich mir ein Bier aus der Minibar (nein, das war kein billiger Schuppen) und schaue fern. Warum auch nicht, oder?

Am nächsten Tag ziehe ich allerdings nach Abgrasen des Frühstücksbuffets (sic!) in eine günstigere Bleibe um. Aber auch da gibt es WiFi. Ich verbringe den Nachmittag damit, eine vernünftige Route über den Pazifik zusammen zu suchen. Und ich werde fündig, nachdem mich Dutzende von Angeboten irgendwo über Toronto und Los Angeles oder über Neuseeland und zurück nach Tahiti befördern wollten. Meine Route führt nun ohne grosse Haken und Umwege über den Pazifik und zudem kann ich noch einen kurzen Zwischenhalt auf der Osterinsel einbauen! Ich verfalle etwas dem Pazifikfieber - alles, was ich noch hier Chile mache, scheint heute nur noch eine Zugabe - die Ferne ruft! Nichtsdestotrotz buche ich für den nächsten Tag eine Tour ins 'Valle Elqi' und für abends einen Besuch des Mamalluca Observatoriums. Die Gegend ist nämlich prädestiniert für Sternbeobachtungen durch die alljährlich herrschende Trockenheit. Auch die USA betreiben hier auf zwei Bergspitzen Sternwarten, die aus Nordamerika gesteuert werden.

Inmitten des immer noch sehr trockenen Umlands von La Serena ist das Valle Elqi eine echte Oase. Hier konnten die Spanier so ziemlich alles anpflanzen, was sie aus der Heimat mitgebracht haben, dazu noch exotische Früchte. Wohl deshalb ist La Serena nach Santiago die zweitälteste Stadt kolonialistischer Herkunft.

Wir sehen uns eine Plantage mit Papayas und Chirimoyos an. Papayas kommen ursprünglich aus der Karibik, werden aber in ganz Lateinamerika angebaut und gegessen. Mit Chirimoyoi wird in Chile nicht nur die Frucht benannt, es ist auch ein Ausdruck für einen ungedeckten Check. Das kommt daher, dass Chirimoyos in privaten Gärten kaum Früchte tragen. Nicht nur sind sie getrenntgeschlechtlich, das heisst, dass ein Strauch entweder nur weibliche oder nur männliche Blüten trägt, die Blüten sind zudem auch noch völlig unscheinbar, so dass eine Befruchtung praktisch unmöglich ist. Ein Landwirt muss deshalb die Blüten von Hand einzeln befruchten.

Im Valle Elqi scheint eine wahre Anbauschlacht im Gange zu sein. Deshalb gibt es hier auch einen ansehnlichen Stausee, der zur Stromerzeugung und als Wasserreservoir genutzt wird. So was kenn ich schon vom Assuan-Staudamm in Ägypten. Weiter oben im Tal, wo an den Berghängen keine natürliche Vegetation mehr zu finden ist, werden Felder einfach die Hänge hochgezogen. Sieht völlig verrückt aus.

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Ganz zuhinterst im Tal besuchen wir ein kleines Museum zu Ehren der Schriftstellerin Gabriela Mistral. Nie gehört, bisher waren mir nur Pablo Neruda und Isabel Allende ein Begriff. Aber Gabriela Mistral ist die allererste Literaturnobelpreisträgerin aus Südamerika, eine echt grosse Nummer also. Sie ist hier im Tal geboren und hat auch einen Grossteil ihres Lebens hier verbracht.

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Nicht fehlen darf auf einer Tour ins Valle Elqi der Besuch eine Pisco-Distillerie. Pisco ist so quasi das Nationalgetränk der Chilenen, ein Weinbrand mit etwa demselben Alkoholgehalt wie Kirsch. Vermischt mit Limonensaft wird er einem als 'Pisco Sour' in den Restaurants zuweilen fast nachgeschmissen. Geht gut runter, wie Sirup... Der pure Pisco ist also eher mit einem Grappa zu vergleichen. Uns wird detailliert erklärt, wie die Trauben gesammelt, zermanscht, gegärt und destilliert werden. Am besten aber gefällt es mir im Raum, wo der Pisco anschliessend in Fässern gealtert wird. Ein wunderbar herber Duft empfängt uns hier.

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Die Degustation bringt mich dann aber wieder auf den Boden der Realität: ich mache mir nicht wirklich viel aus Schnäpsen. Schön, wenn es andere geniessen.

Der anschliessende Besuch in der Sternwarte am Abend rundet den Ausflug wunderbar ab. Schon ohne Teleskope ist der Nachthimmel eindrücklich. Natürlich sieht man schon von Auge viele Konstellationen, die auf der Nordhalbkugel versteckt sind, so zum Beispiel die Magellannebel. Aber wir bekommen auch einige Gestirne vergrössert zu Gesicht, so zum Beispiel den Jupiter mit Ringen und Monden, einen Doppelstern, Sterncluster und Galaxien. Ich wusste vorher nicht, dass nur ein Prozent der Sonnen in unserem Sonnensystem Einzelsterne sind - der Rest sind zur Hälfte Doppelsterne und ganze Cluster von Sternen. Spät nachts komme ich wieder ins Hostal und träume von der letzten Stadt in Südamerika, die ich auf dieser Reise besuche.

Valparaiso

Valparaiso stand irgendwie einfach auf meiner Liste der Orte, die ich in Chile besuchen wollte. Vielleicht auch, weil es nur gerade 2 Stunden von Santiago de Chile liegt, von wo ich den Sprung über den Pazifik in Angriff nehmen will. Aber eigentlich hatte ich nur ein ungefähres Bild von dieser Stadt: klein, ruhig, pittoresk und wohl sortiert.

Hier angekommen merke ich schon bald, dass Valparaiso nicht unbedingt meinen Erwartungen entspricht. Verglichen mit La Serena kommt es chaotisch und auch etwas schmuddelig daher. Hat man Quito gesehen, dann runzelt man schon fast etwas die Stirn angesichts der Tatsache, dass dieser Ort auch zum Weltkulturerbe gezählt wird.

Aber das ist es wohl gerade, was diesen Ort ausmacht. Valparaiso ist eine Stadt der Gegensätze, da stehen vornehm gediegene Kolonialbauten, anderorts ist es verwahrlost und dringend überholungsbedürftig, im kommerziellen Kern topfeben und quadratisch, aber schon wenige hundert Meter dahinter hügelig, verwinkelt, undurchschaubar.

Das macht die Pirsch durch die Stadt auch interessant, besonders wenn man ohne Stadtplan so in Richtung des historischen Kerns (wie gesagt zum UNESCO Weltkulturerbe gehörig), dann gibt es an jeder Ecke Überraschungen.

Sehr gefällig kommen sicher die farbigen Häuserfassaden auf dem 'Cerro Alleger' hoch, der so gewissermassen der sichere Wert für den auswärtigen Stadtbesucher ist.

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Dazwischen entdeckt man überall Mauergemälde oder Grafitis, was sich in Valparaiso nicht ganz klar unterscheiden lässt. Auf dem Cerro Allegre finde ich in einem kleinen Seitengässchen auch ein Restaurant, in dem ich mir ein edles Mittagessen mit Aussicht über das Hafenviertel gönne. Es ist mit Abstand das beste Essen in Chile. Ceviche (mit Limonensaft marinierte rohe Meeresfrüchte), fritierten Fisch und zum Nachtisch drei verschiedene gebrannte Cremes, dazu ein Glas Weisswein und ein Kaffe Melange. Mmmmh...

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Das Angedenken des Essens mache ich dann allerdings am Abend mit einer 'Chorrillana' zunichte. Eine 'Chorrillana' ist im Prinzip ein Berg Pommes Frites, der mit einer Mischungs aus Wurststücken, Fleischstreifen, gedünsteten Zwiebeln und Spuren von Spiegelei überhäuft wird. Dazu gibt es einen Berg Mayonnaise auf einem Extrateller. Um das Ganze abzurunden nicht zu knapp Ketchup. Eine kulinarische Drecklerei und Albtraum für jeden Vegetarier, Nach diesem Essen möchte ich weder einem Gesundheitsfanatiker, einer Waage noch meinem Hausarzt begegnen - aber ab und zu muss man einfach über die Stränge hauen. Sogar zweimal, gelegentlich...

Wie gesagt, in Valparaiso kriegt man so vielerlei zu sehen, und so schiebe ich einfach noch ein paar Eindrücke mehr nach.

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Schliesslich aber kommt der Tag, an dem ich mich nach Santiago aufmache, genauer gesagt zum Flughafen. Dieser liegt westlich der Stadt und ich beschliesse, dass es keinen Sinn macht, vorher noch in die riesige Stadt hinein zu fahren, denn der Flug geht am nächsten Morgen bereits um 08:20. So fahre ich mit einmal Umsteigen per Bus zum Flughafen und niste mich direkt neben dem Terminal im sündhaft teuren 'Holiday Inn' ein. Dafür kann ich mir am späten Nachmittag zu Fuss die Bordkarte holen und finde dann im Flughafen auch noch einen englischsprachigen 'Lonely Planet' von Neuseeland, den ich in Valparaiso und auch im benachbarten 'Vina del Mar' vergeblich gesucht habe. Wow!

Und dann steige ich am nächsten Morgen in den Flieger und um ziemlich genau 10 Uhr Lokalzeit heben wir ab, womit ich den südamerikanischen Kontinent verlasse , welchen ich am 12. August zum ersten mal in meinem Leben betreten habe. Adios, es war eine erlebnisreiche Zeit, die mir unvergesslich bleiben wird.

Und damit verabschiede ich mich wohl für eine Zeit vom Bloggen und ziehe mich auf die Inseln von Tahiti zurück!

Eingestellt von greoj 00:34 Archiviert in Chile Kommentare (2)

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