Reise blog von Travellerspoint

Los Angeles - Sun, Fun and Nothing to Do

Hollywood, Malibu, Santa Monica: viel Stadt, viel Sonne, viel Beach und ein bisschen Glamour


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Hinweis zu den Fotos: diese lassen sich in grösserem Format betrachten - einfach draufklicken. (Mit der rechten Maustaste bekommt man sie in ein separates Fenster). Ausserdem lassen sich die Fotos auch in der Fotogalerie separat anzeigen, wo man auch Kommentare anbringen kann. Viel Spass!

Von San Francisco reise ich nach einem kurzen Bustransfer wieder einmal per Zug nach Los Angeles. Und ich kann nur sagen: sobald man einmal den Zug bestiegen hat, ist das eine wunderbae Art, in den USA zu reisen. Das Schöne ist auch: die Strecke verläuft ein ganzes Stück direkt an der Küste und es eröffnen sich schöne Ausblicke auf den Pazifik. Hier gibt es übrigens auch eine ganze Serie von Bohrinseln, die vom Festland aus auch zu sehen sind. Hoffentlich sind die sicher!

Um 21:00 komme ich an der Union Station an und werde hier von Laurel abgeholt. Sie ist die Tochter von Ruedi und Ann und war vor langer Zeit für etwas mehr als ein Jahr in der Schweiz, damals frisch aus der High School. Die Fahrt zu ihrem Haus in Hollywood erscheint mir sehr kurz. Darauf angesprochen meint sie: “It’s all abtut traffic.”

Laurel ist auch Künstlerin, aber sie verdient sich ihren Lebensunterhalt als Hundehüterin. Ein “Big Business” in Hollywood, meint sie. Ich kann bei ihr für drei Nächte bleiben, nachher ist das kleine "Gästezimmer" schon wieder mit den nächsten Gästen belegt. Aber es gibt in Los Angeles auch Hotels.

Ja, und hier mache ich mal erst einen Spaziergang, um die Umgebung etwas zu erkunden. In den nahen Hügeln sehe ich erst mal eines der Wahrzeichen von Hollywood..

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Hier gibt es auch unzählige nette Einfamilienhäuser. Allerdings sind zum Teil ziemlich gewagt gebaut, wie mir scheint. Ob dieses Haus wirklich auf solidem Fundament steht, mag ich bezweifeln. Laurel erzählt mir dazu, dass es auch Probleme mit Rutschungen geben soll. Aus dem Innern des Hauses tönt Gitarrenmusik - offenbar nehmen es die Bewohner easy, man muss sich ja nicht über alles aufregen.

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Um etwas flexibler zu sein, miete ich mir für zwei Tage ein Auto. Damit mache ich auf zum Strand. Tja, und jetzt hat es Verkehr, und es scheint eine Ewigkeit zu dauern, bis ich in Santa Monica die Pazifik Road erreiche. Überhaupt ist die Autofahrerei in Los Angeles kein Zuckerschlecken. Anders als etwa in den Wüstenstaaten sind hier die Fahrer eher ungeduldig und wenig zuvorkommend. In diesem Moloch schaut halt jeder selber zu, dass er sein Ziel erreicht. Und die Distanzen sind beträchtlich.

Von Santa Monica fahre ich noch etwas weiter nach Westen bis nach Malibu, wo ich einen schönen Strand finde, um mir die Füsse von den doch etwas kühlen Wellen umspülen zu lassen. Ich mache einen ausgiebigen Strandspaziergang und geniesse Sonne, Sand und Wasser. Das hat schon was von “Easy Live”, wie es zu Kalifornien passt, aber bis man mal da ist...

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Für den Besuch des Filmzentrums von Hollywood kann ich mich dann wieder locker zu Fuss aufmachen. Es heisst ja auch “Walk of Fame”, nicht “Drive of Fame”. Die Sterne des Walk auf Fame pflastern ein ganzes Strassenviertel. Nachdem ich so die ersten Hundert Sterne abgelaufen bin, hat sich die Begeisterung relativiert, denn erstens mal sind sie in unregelmässiger Sortierung mal auf die eine, mal auf die andere Seite ausgerichtet, und ausserdem kenne ich doch viele der Namen nicht. Irgendwann beschliesse ich, dass diese Steren vor allem für die gut sind, die einen da gewidmet bekommen haben. Und ausserdem garantieren sie ein erstklassiges Pflaster der Fussgängerzone.

Hier findet sich auch das berühmte “Chinese Theater” (kannte ich vorher auch nicht...). Das ist insofern cool, weil man hier von einigen Filmgrössen Pflastersteine findet, in die meistens Hand- und Fussabdrücke des jeweiligen Schauspielers eingedrückt sind. Wer also in die Fussstapfen eines Filmstars treten will, braucht wirklich nur kurz nach Hollywood zu reisen!

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Am Freitagabend mache ich mich zum LACMA (Los Angeles County Museum of Arts) auf: hier gibt es gratis Live-Jazz zu hören, ausserdem kann man sich für wenig Geld verpflegen. Leider bin ich etwas spät und das Konzert hört dann bald auf. Aber kein Grund zur Sorge, das Museum ist noch offen und zu dieser Zeit kann man bezahlen, was man will. Ich zahle nix, Schande über mich, aber es war auch nur noch für etwas eine halbe Stunde. Gesehen habe ich eine riesige geschwungene Holzwand von vermutlich etwa 8 Meter Höhe, Michael Jackson mit einem kleinen Äffchen, einen riesigen Quasi-Luftballon-Hund und sonst noch einiges an Pop-Art und Werkchen aus der Flux-Bewegung.

Als ich dann schon wieder kein Auto mehr habe, nimmt mich Laurel zu einer Freundin mit, wo selbstgemachte Donuts kreiert werden. Da in der Küche kein Platz auch noch für mich ist, gehe ich erstmal Zeitung lesen. Später kriege ich den Job, die fertiggebackenen Teigringe mit der Glasur zu versehen. Kaum drei Stunden später setzen wir uns dann zu Tisch und kosten die Kreationen. Ziemlich süss, nichts für alle Tage würde ich mal meinen.

Am Nachmittag muss Laurel nach Venice: Dreck schaufeln, wie sie sagt. Ihre Nachbarin hat einen kleinen Transporter gemietet, damit sie für ihre Gärten Erde herantransportieren können, welche es da in einem Gartengeschäft gratis abzuholen gibt. Ich bekomme dadurch eine Mitfahrgelegenheit nach Venice Beach, wenn auch nur hinten im Laderaum. Dafür muss ich dann kein schlechtes Gewissen haben, als ich mich Verabschiede, sobald wir den Dreckhaufen erreicht haben.

Hier gibt es nochmals viel Sonne, Sand, Wasser und einen Haufen Leute und schön regelmässig angeordnete Strandwächterhäuschen, solche kennt man ja aus Baywatch.

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Auch hier ein bisschen Hollywood - ich latsche unter der Santa Monica Pier durch und ich meine, diese Sicht auch schon mal in einem Film gesehen zu haben. Bei Nacht natürlich, aber es war eine unglaublich spannende Szene, jawohl.

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Zurück fahre ich nun mit dem Bus, und das sind dann so ungefähr anderthalb Stunden Fahrt, bis ich wieder bei Laurel vorbeikomme, die dann allerdings mittlerweile mit ihrem nächsten Besuch unterwegs war. Kein Problem, ich finde im elektronisch kopierten Busnetz eine Linie, die mich bis fast vors Hotel bringt. Dieses befindet sich in der “Korea Town”, und so beschliesse ich meinen letzten Abend in den USA mit einer koreanischen Barbecue.

Ja, und am nächsten Morgen bringt mich ein Taxi zur Greyhound-Station. Ziel: Mexiko.

Eingestellt von greoj 17:14 Archiviert in Vereinigte Staaten von Amerika Kommentare (1)

San Francisco - die Wolkenstadt

Wiedersehen nach 23 Jahren

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Für ein Wochenende komme ich bei meiner Cousine Marion und ihrer Familie unter. Sie wohnen in Redwood City, welches sich etwas südlich von San Francisco befindet. Auch sie sind Künstler; Marion stellt Schmuck her und betreibt daneben eine Internetseite, auf welcher sie Materialien für die Schmuckherstellung vertreibt. Ihr Mann Nicolaj ist Maler und hat in der Umgebung viele Wände in Restaurants und Geschäften gestaltet. Ein riesiges Wandgemälde von ihm ist auf der Strecke nach San Francisco aus dem Zug zu sehen.

Am Samstag gibt es Barbecue, zu der einige Freunde und ich eingeladen sind. Das läuft hier in Amerika ziemlich unkompliziert ab: jeder bringt etwas mit und dann wird zusammen gegessen und viel geredet; die Kinder spielen irgendwo Verstecken oder machen sonst irgendwelchen Unfug, von dem wir aber nichts wissen.

San Francisco habe ich ja schon bei meiner Ankunft am Pazifik auf dem Freeway durchquert, zwar nicht die optimale Art der Stadtbesichtigung, aber es kamen wieder Erinnerungen hoch von meiner ersten USA-Reise 1987. Am Sonntag mache ich mich per Zug auf in die Stadt, um zu Fuss etwas mehr mitzukriegen.

Hier muss ich erst einmal die Brücke “dokumentieren“, auf der ich herangebraust gekommen bin.. Diese präsentiert sich ziemlich so, wie ich sie in Erinnerung hatte und umgibt sich auch mit blauem Himmel, wie sich das so gehört.

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Auf dem Signal Hill stellt sich dann heraus, dass die Golden Gate Brücke plötzlich ohne Pfeiler da steht. Auch an diesem Tag drücken die Wolken von der Pazifikseite her und nebeln das Wahrzeichen der Stadt bis auf die Fahrbahn ein. Schande, aber man kann einfach nicht alles haben, auch nicht auf einer Weltreise.

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Vom Telegraph Hill kann man auch prima die Skyline von San Francisco mit dem berühmten pyramidenförmigen Wolkenkratzer sehen, der ja besonders erdbebensicher sein soll. Er steht jedenfalls noch....

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Berühmt ist ja auch die China Town von San Francisco und so sind in einige Strassen nur chinesische Schriftzüge mit angefügten englischen Übersetzungen und viele asiatische Gesichter zu sehen.

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Auch sonst gibt es einige ganz nette Ecken zu finden, und manchmal kehrt in dieser so traditionsreichen Stadt auch etwas Nostalgie ein.

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Die Pyramide gilt zwar als Wolkenkratzer, durch ihre Form fungiert sie offenbar gelegentlich als Wolkenschneider.

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Am nächsten Tag ziehe ich dann definitiv in die Stadt, nachdem ich mich von meiner Cousine und Familie verabschiedet habe. Als ich am frühen Nachmittag im Hotel angekommen bin, macht sich Müdigkeit breit und so beschränkt sich meine produktive Leistung des restlichen Tages darauf, dass ich mein Ticket für die Bahnfahrt nach Los Angeles abhole und dann in einem traditionsreichen Restaurant diniere. Das Essen (Meeresfrüchte) ist ausgezeichnet und ich habe nette Gesellschaft. Rick hatte ich ja schon in New York kurz getroffen - er ist nun derjenige, der mich vor und nach meiner Amerikadurchquerung auf dem Landweg gesehen hat.

Am nächsten Morgen bringt mich ein Bus aufs “Festland” zum Bahnhof von Oakland, und schon bin ich wieder unterwegs, nach Süden zur Metropolis Los Angeles.

Eingestellt von greoj 16:23 Archiviert in Vereinigte Staaten von Amerika Kommentare (0)

Nationalparkfieber - Grand Canyon, Zion, Brice und mehr...

Per Auto von Albuquerque nach San Francisco - Petrified Forest, Glenn Canyon, Grand Canyon, Zion, Brice, Death Valley, Sonora Pass


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Nach langem hin und her entscheide ich mich dazu, die Reise nach San Francisco - genau gesagt nach Redwood City - per Mietwagen zu machen. Das gibt mir die Möglichkeit, unterwegs ein paar Nationalparks zu besuchen.

Ruedi und Ann bringen mich netterweise zum Flughafen Albuquerque, wo mich ein niegelnagel neuer Wagen erwartet. Geade mal 267 Meilen sind auf dem Tacho registriert. Das wirklich Gute an der Sache: ich habe Satellitenradio, komplett frei von Werbung.

Erstmal geht es westwärts, auf der ehemaligen Route 66, heute die 40. Ich gewöhne mich relativ schnell an den Verkehr auf dem Freeway. Da ich nun weiss, dass man sich ungefähr 5 Meilen höher als die jeweilige Höchstgeschwindigkeit erlauben kann, werde ich auch nicht immer von den grossen Trucks überholt.

Petrified Forest / Painted Desert

Der Nationalpark bietet, wie man aus dem Namen leicht erraten kann, zwei Attraktionen. Die Formen und Zeichnungen des Sandsteins rühren von den Ablagerungen des Colorado Rivers. Die sogenannte Painted Desert erstreckt sich über grosse Gebiete in Arizona und Utah. Hier sind einfach ein paar besonders schöne Formationen zu finden.

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Ebenso eindrücklich sind die versteinerten Baumstämme, die auf den ersten Blick wie normales Holz aussehen. Fast man sie dann etwas an, sind sie aber hart wie Stein.. Da die Bäume in Lehmschichten eingeschlossen nicht verrottet sind, wurde das organische Material in einem langsamen Prozess durch Silizium (Quarz) ersetzt. Da das Ganze nun kaum mehr elastisch war, sind die Stämme dann in kleinere Teile zerbrochen, deren Bruchstellen oft in den unterschiedlichsten Farben schillern.
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Anschliessend fahre ich nordwärts auf einer ziemlich einsamen Strasse, durch weite, spärlich bewachsene Ebenen. Gegen Abend erscheinen bei Kanab die ersten roten Felsen.

Die Strasse wird Grasbüscheln, die von gelben Blumen durchsetzt sind und im schräg einfallenden Abendlicht hellgrün aufleuchten. Vor einem makellos blauen Himmel erheben sich darüber tiefrote Felsen, die rauchig-blaue Schatten werfen, da und dort durchzogen vom dunklen Grün. Mit etwa 70 Meilen lasse ich mich durch diese wunderbare Landschaft tragen, sanft geschaukelt von den Wellen in der Strasse. Es ist so schön, dass es schon fast weh tut....

Ich habe versucht, das in Bildern zu fassen, leider ist das nur ein Abklatsch davon, wie es wirklich war.

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Gerade bei Sonnenuntergang finde ich im Glenn Canyon einen Zeltplatz. Der Boden widersetzt sich zwar meinen Bemühungen, die Häringe einzurammen, aber das kleine Zelt steht auch so bestens. Etwas fehlen tun mir schalldichte Türen, aber das soll auch bei weit grösseren Ausführungen unbefriedigend sein. Das Tageslicht treibt mich schon früh aus dem Zelt, und da es einfach einzupacken ist, bin ich schon weg, als die meisten Camper aus ihren Behausungen blinzeln.

Und sofort gibt es neben eindrücklichen Felswänden etwas zu bewundern:

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Dieser Brocken stammt aus härteren Schichten und sind nach dem Abbrechen auf weicheren Lagen liegengeblieben und haben ihren Sitzplatz vor der Erosion geschützt.

Grand Canyon (North Rim)

Wie ich so weiter durch die Landschaft flitze, beschliesse ich, den Grand Canyon nicht links liegen zu lassen, sondern diesen von der Nordseite her zu besuchen. Das bedeutet letztlich über 100 Meilen zusätzliche Strecke, trotzdem ist man versucht, es nur als kleinen Abstecher hinzustellen. Aber es hat super Spass gemacht, der Grand Canyon bleibt einfach eindrücklich. Seht selbst:

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Zion National Park

Am späteren Nachmittag fahre ich dann weiter in Richtung Zion National Park, den ich zuerst im warmen Abendlicht durchquere. Es kommt Hochstimmung auf, denn es präsentieren sich mir imposante Felsformationen.

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Ich habe mir vorgenommen, in Zion mindestens einen Tag wandern zu gehen. Deshalb suche ich in XXX erst mal einen Zeltplatz und werde wenig ausserhalb der Parkgrenze fündig.

Am nächsten Morgen mache ich mich ohne Auto auf den Weg in den Park. Hier ist ein effizienter Shuttlebetrieb eingerichtet worden, der einen ins Visitor Center und nach Umsteigen von da ins Haupttal des Parks führt. Man kann ein- und aussteigen, wo es einem gerade passt.

Ich habe mir die längste der beschriebenen Wanderrouten ausgesucht, welche erst mal im Zickzack aus einem Talkessel hinausführt. Hier wurde viel Aufwand getrieben und die Wege sind über weite Strecken gepflastert, auch wenn sie durch Felsen führen. Da ist mit Sprengstoff und Bohrmaschinen kräftig nachgeholfen worden.

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Als ich das Ziel - keinen Gipfel, sondern den etwas schnörkellos ‘Observation Point’ benannten Punkte erreicht habe, bietet sich ein wunderbarer Überblick über das Tal.

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Wunderschön sind auch die vielen Blüten, die den Weg säumen.

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Da ich zeitig wieder im Tal ankomme, will ich mich gleich noch an einer etwas kürzeren, dafür offenbar spektakuläreren Wanderung auf die ‘Angels Landing’ versuchen. In der Beschreibung heisst es, dass es nichts für Leute mit Höhenangst sei. Am Abend wusste ich noch nicht so genau, ob das auch ernst zu nehmen sei, aber nachdem schon bei der ersten Wanderung einige Tiefen überwunden werden mussten, war mir klar, dass da was dran ist.

Durch die doch etwa 800 überwundenen Höhenmeter bin ich nicht mehr ganz so spritzig im Aufstieg. Aber als ich nach gut einer Stunde vor dem abschliessenden Gipfelgrat stehe, werden mir die Knie etwas weich. Da geht es links und rechts gnadenlos senkrecht runter. Ein junges amerikanisches Pärchen erscheint. Er sagt: “That’s pretty”, sie antwortet trocken: “Yeah, pretty straight down”.

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Der Aufstieg ist an den heiklen Stellen mit Ketten versehen, so dass man sich immer irgendwie festhalten kann. Und um diese bin ich ganz froh, als es an der engsten Stelle über eine schräggestellte Steinplatte geht und man links und rechts nur gähnende Leere sieht.

Aber zum Schluss erreiche ich auch noch diesen Gipfel. Ich bin auch durchaus nicht der Einzige, der hier hochgekraxelt ist, ganze Familien haben sich mit mehr oder weniger Geschrei und Gestöhn hierher geschleppt.

Am Abend fühle ich mich nach den zwei tollen Wanderungen doch etwas abgespannt. Im stolzen Übernachtungspreis sind gerade mal sechs Minuten warme Dusche inbegriffen. Dafür gibt es einen Swimmingpool, den ich nun etwas schadenfreudig benutze. Ich hätte sogar ein leicht schlechtes Gewissen dabei gehabt, wenn nicht das Wasser sowieso schon leicht trüb gewesen wäre.

Am nächsten Morgen mache ich noch eine kleine Abschiedstour, bevor ich weiterfahre.

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Bryce Cayon

Nach etwa zweieinhalb Stunden Fahrt erreiche ich den Bryce Canyon National Park. Es handelt sich hierbei um den flächenmässig kleinsten Nationalpark der USA. Er ist der höchste Teil der sogenannten ‘Grand Escalade’: die höchsten Schichten sind die tiefsten in Zion, und dessen höchste Lagen sind wiederum die tiefsten im Bryce. Ich arbeite mich also gewissermassen von alt nach neu vor.

Auch hier gibt es einen Shuttle Service in den Park und ich beschliesse, erst mein Zelt aufzuschlagen und mich dann per Bus in den Park aufzumachen. Die Auwahl an Parzellen für Zelte auf dem Camping ist gross; ich bin der einzige, der hier zwischen Stoffwänden hausen will. Dafür gibt es jede Menge Wohnmobile mit teilweise gigantischen Ausmassen: die grössten sind umgebaute Reisecars, wobei sich dann noch Teile seitwärts ausfahren lassen. Da drin dürfte es ziemlich luxuriös aussehen, nur viel von Campingromantik ist da kaum übrig.

Was soll’s ich fahre in den Park mit dem Ziel, das ‘Bryce Amphitheater’ zu durchwandern. Das ulkige ist, dass die Wanderung erst mal nach unten geht. Schicht um Schicht steige ich in die Erdgeschichte ab, dabei un wechselnder Farbkulisse. Nebst den Farben spielen bei Bryce aber vor allem die Formen die Hauptrolle, und man kommt aus dem Staunen nicht raus.

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Ich verbringe eine eher einsame Nacht in sicherer Entfernung von den Brummies. Am Morgen bin ich auch schon wieder früh auf den Beinen und mache mich nochmals auf zum Park, um noch die entferntesten Ecken anzufahren. Die Blicke von oben sind auch nicht zu verachten.

Dann habe ich dann aber mal genug von Farbe und Form und starte die grosse Fahrt nach San Francisco.

Unterwegs

Nach ein paar Stunden Fahrt durch weite Waldlandschaften erreiche ich den Freeway und da geht es dann flott voran. Ich erreiche Las Vegas am frühen Nachmittag, tuckere kurz durch die Stadtmitte, wo es auch ohne all die Lichter ziemlich verrückt aussieht, tanke und kaufe mir zwei Gallonen Wasser. Nächstes Ziel: Death Valley.

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Ziemlich tot ist es erstmal beim Parkeingang, es ist ein unbemannter Eingang mit Ticketautomaten. Allerdings sind die Broschüren zum Park sämtliche vergriffen, so dass ich mit ziemlich null Ahnung ins sagenumwobene Tal einfahre. Auch das Visitor Center ist ausgestorben. Die sind schon um fünf Uhr abends nach Hause. Das müssen ziemliche Hitzejunkies sein, die nur hier sein wollen, wenn es richtig runterbrennt. Auch jetzt, um 19:00 herrscht eine ordentliche Hitze. Parkplätze im Schatten: Fehlanzeige.

Trotzdem habe ich Euch noch ein paar Bilder von der faszinierenden Szenerie machen wollen.

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Dann aber geschliesse ich, einfach durchzufahren ohne weitere fotografische Dokumentation. Es ist unglaublich: erst noch fahre ich auf dunstige Hügelketten zu, dann verschwindet sie Sonne und ich winde mich über Höhen und Tiefen. Als ich schliesslich aus dem Park herausfahre, sehe ich vor dem rötlich angehauchten Himmel die dunkle Silhouette einer zackige Bergkette: die Sierra Nevada.

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Dann fahre ich durch die Nacht, Meilen vor mir die roten Rücklichter des nächsten Autos, rund um mich die schattigen Konturen der unbekannten Berge, bis ich schliesslich in Lone Pine ein Nachtlager finde.

Bis zum letzten Tropfen

Entlang der schneebedeckten Züge der Sierra Nevada fahre ich nach Norden in Richtung ‘Yosemite National Park’. Diesen will ich über einen Pass erreichen, der fast 10’000 Fuss hoch liegt. Als ich an dessen Fuss ankomme, kündigen dichte Wolken und Niederschläge in Richtung Westen an, dass hier nichts zu wollen ist: der Pass ist gesperrt.

Wenigstens gibt es hier den wunderschönen Lake Mono zu bewundern, der aus einem erloschenen Vulkan entstanden ist.

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Ich genehmige mir einen Kaffee, verweigere dem Auto aber eine Nachfüllung, da hier das Benzin ausserordentlich teuer ist, wenigstens für amerikanische Verhältnisse. Der Tank ist ja schliesslich noch ein Viertel voll.
Meine neue Route: Sonora Pass. Als ich die Abzweigung erreiche, habe ich zweifellos die letzte Tankstelle bis zum Kulminationspunkt hinter mir. Anzeige: ein Achtel.
Die Strasse ist verwinkelt, voller kleiner Kuppen, enger Kurven. Hätte ich doch bloss nochmals getankt, auch nur zwei kleine Gallönchen, im Anbetracht der Anzeige: höchstens ein Sechzehntel.
Nach scheinbar ewigen Kurven, zuletzt zwischen Schneemauern, erreiche ich die Passhöhe. Anzeige: Null.
Bei der Abfahrt schalte ich sämtliche elektronischen Komponenten aus, nachdem das Radio Aussetzer bekommen hat. Schliesslich schaffe ich es nach Dardanelle, die Ortschaft, die ich im Rand McNally ausgemacht habe. Sieht allerdings eher wie ne Lodge aus, aber ganz zuhinterst entdecke ich im letzten Moment eine Tanksäule. Gerettet!

Als ich aus den Wäldern der Berge in die tieferen Regionen gelange, leuchten lange Grashalme wie Goldfäden, durchsetzt mit tiefgrünen Farbtupfern von geduckten Pinien. Hier sieht es wirklich aus wie in einem gelobten Land.

Der Verkehr ist hier allerdings nervöser als ich es von Strassen durch die weiten Wüstenlandschaften gewohnt bin, auf dem Highway gibt es alle paar Hundert Meter eine Kreuzung und auf dem Freeway wird auf den vielen Fahrspuren kreuz und quer überholt, die Fahrbahn ist in einem bedenklichen Zustand, übersäht mit Löchern und Spalten. Aber es geht vorwärts. Als ich die Bay Bridge nach San Francisco überquere, kribbelt es mich überall. Bevor ich nach Redwook City fahre, muss ich noch den Pazifik sehen.

Hinter San Francisco verschwindet die Strasse im Nebel - die Wolken, die vom Pazifik her kommen, stauen sich an den Erhebungen rund um die Andreasfalte. Der Strand ist in grau gehüllt und es ist windig und kühl hier. Das stört die Windsurfer offenbar überhaupt nicht. Und auch ich stapfte unbeeindruckt über den Strand ans Meer. Als die erste Welle meine Füsse umspült, habe ich es geschafft: ich habe die USA auf dem Landweg komplett durchquert! Ab hier endet der Weg nach Westen erst einmal.

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Eingestellt von greoj 08:14 Archiviert in Vereinigte Staaten von Amerika Kommentare (2)

Santa Fe - Faszination der Wüste

Zu Besuch bei meinem Cousin Ruedi Hunziker und seiner Frau Ann


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Mit dreieinhalb Stunden Verspätung bin ich also in Lany angekommen worden. Ich werde dann erstmals auch nicht nach Santa Fe gebracht, sondern ins etwa 20 Meilen entfernte Cerillos, wo sich Ruedi und Ann eine neue Residenz gebaut haben, nachdem sie über 20 Jahre in der Stadt gewohnt hatten. Es ist ein wunderbares Haus, mit Wänden aus traditionellen Adobe-Ziegeln, voller Charme. Bis zu meiner Abreise entdecke ich jeden Tag wieder neue Details. An diesem Haus haben auch Hunzikers aus der Schweiz mitgebaut. Mein Bruder und meine Mutter nämlich.

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Kaum habe ich mich ein wenig eingelebt, geht es auf Entdeckungsreise: eine 4-tätige Campingtour auf den Spuren der Pueblo-Indianer.

Acoma
Als erstes besuchen wir Acoma, ein Pueblo, das auf einem hohen Felsplateau, einer sogenannten ‘Mesa’, gebaut ist.

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Hier leben noch heute Navajo, die neuerdings politisch korrekt ‘Dine’ genannt werden sollen. Nebst dem beschaulichen Dörfchen gibt es rundum viel Landschaft zu bewundern. Die perfekte Kulisse für einen spannenden Western.

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El Morro

Noch am gleichen Tag machen wir uns nach El Morro auf, wo wir einen netten Campingplatz finden. Da Ruedi und Ann beide pensioniert sind, gibt es 50 Prozent Rabatt. Wir bezahlen also 2 Dollar 50 für die Übernachtung - für alle notabene... Der abendlich Ausblick auf den Felsen von El Morro ist für mich geheimnisvoll - ich weiss nämlich noch nicht, um was es hier geht.

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Das Geheimnis wird erst am nächsten Morgen gelüftet: in El Morro gibt es immer frisches Quellwasser, und so haben hier viele Durchreisende Zwischenstation gemacht. Nach dem Zähneputzen haben sie sich dann den Abend mit Kritzeleien in den ziemlich weichen Felsen verkürzt. Und so findet man hier Zeugnis von Vorbeireisenden über 2 Jahrhunderte, manche eher einfach, andere mit druckreifer Schrift und wortreichen Erklärungen.

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Dann besteigen wir die Felsen und geniessen auch hier wunderbare Ausblicke. Auch gibt es hier Ruinen einer Pueblo-Siedlung. Davon sehen wir aber am nächsten Tag noch viel mehr...

Mesa Verde

Nach einer längeren Fahrt durch Hochwüstenlandschaften erreichen wir den Nationalpark ‘Mesa Verde’ im Bundesstaat Utah. Wir erheben uns aus der Ebene und in der Ferne werden mehrere Bergketten sichtbar, auf denen teilweise noch Schnee liegt.

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Hier finden wir erst einmal ein Hochplateau, welches von kleinen Canyons durchzogen ist.

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Der eigentlich Clou liegt aber unter dem Plateau: hier haben sich die Indianer ca. im 12. Jahrhundert ihre Siedlungen gebaut, nachdem sie erst oben auf dem Plateau gelebt haben, wo auch ihr Weideland war. Vermutlich sind sie unter die Felsdecke umgezogen, weil sie hier einfach ans Quellwasser herankamen, welches sich unter den Alkoven auf natürliche Art sammelte.

So lebten die Indios allerdings weniger als ein Jahrhundert, dann verschwanden sie aus der Gegend. Eine mögliche Erklärung wäre eine fast ein Vierteljahrhundert andauernde Dürre.

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Spannend, sich vorzustellen, wie anno dazumal das “Dorfleben” aussah. Einen wichtigen Bestandteil des Alltags machten die sogenannten Kivas aus, eine Mischung aus Gemeinschaftsraum und Sakralstätte.

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Diese sehen wir zwar heute offen, man muss sie sich aber überdacht vorstellen, so dass von oben nur die Einstiegsluken sichtbar waren. Damit gab sich ganz natürlich eine Art Dorfplatz.

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Tent Rock
Anlässlich des neunzigsten Geburtstags (ja, richtig, des 90sten....!) von Dorothy, der Mutter von Ann, machen wir einen Ausflug nach Tent Rock. Von weitem sah das Ganze noch einigermassen unspektakulär aus, mal abgesehen von dieser Alarmlampe auf dem Gipfel.

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Dann kommen wir in einen Canyon, der immer enger wird. Und hier sieht man sie dann, die zeltförmigen Felsen, oben meistens abgeschlossen mit einem Stein, der verhindert, dass das Gestein darunter wegerodiert wurde.

Und Dorothy kletterte tapfer über alle Hindernisse - sie ist, wie mir gesagt wurde, hart im Nehmen und hat es dabei sehr genossen. Mein Respekt...

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Dann öffnet sich das Tal in einen Kessel, wo man die Klippen hochsteigen kann, um den Rundblick zu geniessen (keine Sorge, hier durfte das Geburtstagskind dann pausieren).

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Chimney Rock

Der letzte Ausflug geht in den Norden von New Mexico, zum Chimney Rock. In dieser Gegend hat notabene die berühmte Malerin Georgia O’Keefffe gewaltet (berühmt vor allem in den USA...).

Den Chimney Rock sehen wir praktisch während des ganzen Aufstiegs. Da er nett anzusehen ist, mache ich unentwegt Bildli, um auch ja eine guten Ansicht nach Hause schicken zu können. Entscheidet selbst (1000 weitere Ansichten könnt Ihr nach meiner Heimkehr bewundern).

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Der Clou an der Wanderung ist, dass man von hinten über eine Art Rampe von hinten an den Chimney Rock herankommt. Hier gibt es viel Wind und eine wunderbare Aussicht.

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Auch die Pflanzenwelt hat einiges zu bieten, zum Beispiel knorrige Wachholder, die kaum verrotten. Oder so ein Auswuchs eines Kaktus.

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Hübsch, nicht?

Die Stadt Santa Fe

In Santa Fe bin ich natürlich auch gewesen - vor allem anlässlich der beruflichen Aktivitäten von Ann (sehr teilzeitweise, für eine Stiftung) und Ruedi (ehrenamtlich, Kochen für eine Gassenküche).

Santa Fe ist aus meiner Sicht mal für 3 Dinge bekannt:
- die Santa Fe Eisenbahn (die nicht mehr hier hält, dafür aber eine Regionalverbindung nach Albuquerque)
- die Lehmziegelhäuser (Adobe)
- die Kunst (Schmelztiegel der Kulturen: indianisch, hispanisch, neu-amerikanisch)

Während also Ann und Ruedi anderswo schuften, arbeite ich mich mangels Arbeitserlaubnis derweilen einfach durch ein paar Museen und ein paar Schnappschüsse von der Stadt. Lohnenswert ist insbesondere das Museum of Indian Arts and History, und da im speziellen die Töpferarbeiten. Da ich in Museen nur in speziellen Fällen Fotos mache, kann ich Euch nur versichern: wahnsinnig schön und extrem vielseitig. Einfach mal hingehen.... Von aussen gibt es immerhin einen Indianer zu bewundern, den ich dann knipse.

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Der Rückweg in die Stadt führt mich durch die Canyon Road, wo ungefähr 99% der Galerien angesiedelt sind - wobei man wohl nicht alle ernst zu nehmen braucht...

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Im Stadtkern von Santa Fe gibt es keinerlei Skyline, dafür aber dank rigider Bauvorschriften ausschliesslich Adobe-Häuser. Sehr schmuck, allerdings keines so schön wie das Haus von Ruedi (das ich irgendwie von aussen abzulichten verpasst habe).

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Und irgendwann ruft dann die Ferne. Beziehungsweise meine Cousine Marion in San Francisco. Aber davon später...

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Zugfahrt Chicago - Lany (NM)

27 Stunden unterwegs mit Amtrak


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Bis Santa Fe habe ich drei Strecken mit dem, Zug zurückgelegt:
- von New York nach Washington DC (30. April)
- von Washington DC nach Chicago (9. / 10. Mai)
- von Chicago nach Lany (New Mexico), die Station von Santa Fe (12./13. Mai)
Die Preise bei AMTRAK sind durchaus zahlbar, pro Strecke je zwischen 110 und 150 Dollar, wobei die kürzeste Fahrt von New York nach Washington interessanterweise die teuerste war.

Die letzte Fahrt von Chicago nach Lany möchte ich hier ein wenig beschreiben.

Nähert man sich dem Zug, so beeindrucken erst einmal die mächtigen, doppelstöckigen Wagen; ermöglicht durch die breite Spurweite und die fehlende Begrenzung der Höhe durch Fahrleitungen. Im vorderen Teil des Zugs gibt es Wagen mit Schlafabteilen, anschliessend folgt ein Speisewagen, dann ein Wagen mit Aussichtsdeck und einem Snackverkauf im unteren Stock; dann folgen die Wagen mit den “normalen” Sitzplätzen, wo auch ich mitreise.

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Die Sitzplätze sind zum Grossteil im Oberdeck untergebracht und grosszügig bemessen. Die Rückenlehnen lassen sich weit nach hinten klappen, man hat ein ausklappbares Tischchen wie im Flugzeug, dazu eine Fuss- und eine Beinstütze. Auch die Toiletten ähneln denen in einem Flugzeug - sogar die Wasserhähne sind gleich. In jedem Wagen gibt es davon mehrere im unteren Stock, Warten gab’s nicht.

Die Ausfahrt aus Chicago ist pünktlich und wir tuckern einigermassen gemütlich durch die weiten Vororte. Dann wird die Gegend immer mehr von weiten Wäldern bestimmt. Die Überquerung des Mississippi wird vorher angekündigt (“we are crossing the mighty Mississippi“), auch, weil wir über die grösste schwenkbare Brücke Nordamerikas fahren. Kurz darauf halten wir in einem anscheinend verschlafenen Nest namens Fort Madison. Einziger Halt in Iowa, werden wir informiert, und ich realisiere, dass ich keine Ahnung habe, welche Staaten wir eigentlich durchqueren.

Später am Abend wird es gewittrig, es beginnt nicht besonders heftig zu regnen, aber Blitze zucken immer wieder über den Himmel. Schön anzusehen, und ich bringe es nicht über mich, mein Netbook hervorzuklauben und am Blog zu arbeiten.

Der Zug allerdings ist langsam unterwegs, und es wird angekündigt, dass wir bis Kansas City aufgrund von drohenden Überschwemmungen und umgestürzter Bäume mit Verspätungen rechnen müssen. Es wird Nacht, es regnet und gewittert weiter und der Zug schleicht nur noch langsam vor sich hin.

Ich schlafe gar nicht schlecht; da diesmal der Sitz neben mir frei ist, kann ich mich ungehindert drehen und wenden. Am Morgen werden wir informiert, dass wir uns mittlerweile eine Verspätung von 3 Stunden und 20 Minuten eingehandelt haben. Gerade diesmal, wo ich erwartet werde. Ich schaffe es, Ann zu erreichen, als ich wieder einmal Empfang auf meinem Mobile habe.

Die Blicke an diesem Morgen treffen auf eine sehr flache Landschaft, grün, durchsetzt mit riesigen Feldern, viele davon klassisch rund, damit die Bewässerungsanlage im Zentrum fixiert und im Kreis herum gefahren werden kann.

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Dann gehe ich frühstücken, wo ich zwanglos mit den Tischnachbarn ins Gespräch komme, einem pensionierten Pärchen. Sie machen die Fahrt aus Spass am Zugfahren und werden in Los Angeles gleich wieder in den Gegenzug steigen. Sie fahren im Schlafwagen. Von ihnen erfahre ich, dass der Staat Kansas, in dem wir schon seit Stunden unterwegs sind, bis auf ein paar Hügel im Osten komplett flach ist. In den Staaten Colorado und New Mexico würden wir dann aber einen Pass überfahren, der über 7000 Fuss hoch ist. Das erinnert mich daran, dass Santa Fe über 2000 Meter hoch liegt.

Zurück an meinem Platz erwarte ich dann, dass sich irgendwann etwas aus der scheinbaren Ebene erhebt.

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Der Raton Pass wird nicht nur langsam erklommen, auch die Talfahrt geht nicht schneller vor sich. Aber über die weiten Kurven sieht man hinunter nach New Mexico.

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Die Landschaft ist wesentlich karger als in Kansas, aber die Kombinationen der sanften Grüntöne der Wiesen, dem kräftigeren Grün der geduckten Nadelbäume und der ocker- und rotfarbenen Felsen ziehen mich in ihren Bann. Gegen Süden breiten sich weite Ebenen aus, gegen Norden sieht man in der Ferne blau schimmernde Bergketten, auf denen noch da und dort Schnee liegt.

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Die Verspätung wird nicht mehr aufgeholt und wir erreichen mit 3 Stunden und 30 Minuten Lany, New Mexico. Der Ort ist keine Grosstadt, das einzig Wichtige ist hier offenbar die Bahnstation. Wir liegen gut 300 Fuss unter Santa Fe, wohin man die Bahnlinie nicht hochziehen wollte. Es gibt aber hier einen Shuttle nach der Hauptstadt des Staats.

Ich bin nicht ganz der einzige Passagier, der hier aussteigt, und so muss ich aufmerksam die Wartenden mustern, bis mich Ruedi und Ann finden. Ich habe sie seit mehr als 30 Jahren nicht mehr gesehen. Trotzdem eine sehr herzliche Begrüssung, als wären wir schon lange vertraut. Und ich werde sehr gut aufgenommen bei Ihnen. Aber davon später...

PS: der Zug ist übrigens durch die Staaten Illinois, Iowa, Missouri, Kansas, Colorado und New Mexico gefahren - ein bisschen Geografie kann man immer nachholen

Eingestellt von greoj 16:17 Archiviert in Vereinigte Staaten von Amerika Kommentare (3)

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