Reise blog von Travellerspoint

Oaxaca

Zwei Wochen Spanischunterricht & ...


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Die Fahrt nach Oaxaca bringt mich vorerst nach DF (Deffe, für ‘Districto Federal, die gängige Bezeichnung für Mexiko City) wo ich den Bus wechseln muss. In Queretaro werden zum ersten mal die Buspassagiere und das Handgepäck vor dem Einsteigen von Sicherheitspersonal geprüft. Auch werden sämtliche Passagiere fotografiert, zweimal sogar. Mexiko City hat grosse Probleme mit Kriminalität, aber ich muss ja nur umsteigen - kein Problem.

Die Fahrt verläuft auch problemlos, sieht man von einem Erdrutsch ab, der in den Berge vor Oaxaca die Strasse blockiert hat. Ein kleiner Umweg über einen Feldweg löst das Problem - für uns.

In Oaxaca lasse ich mich per Taxi zu meinem vorübergehenden Heim fahren: ich bin bei Vicky Zarate einquartiert, einer zierlichen Mexikanerin, die in ihrem Haus Gäste aus aller Welt beherbergt, nachdem ihre längst erwachsenen Töchter ausgeflogen sind. Sie ist mehr oder weniger den ganzen Tag zu Hause und kümmert sich ihre Gäste. Dabei wird sie noch von der netten Senora Donada unterstützt.

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Am Sonntag zeigt mir Senora Vicky erst mal den Schulweg, dann lädt sie mich in der Innenstadt aus, wo ich mich zum ‘Zocalo’ aufmache. Ein ‘Zocalo’ ist der zentrale Platz, den es eigentlich in jeder mexikanischen Stadt gibt. Hier trifft sich Kreti und Pleti, ganze Familien, Jugendliche, auch Liebespärchen, die sich einigermassen ungeniert gerne haben. Man erklärt mir später, dass es noch ein paar andere Zutaten geben soll: zum Beispiel “Spitzel” der Regierung, die sich umhören, äusserst diskrete Prostitution und dann die ‘Zocaleros’, Einheimische, die auf ausländische Frauen aus sind, oft mit dem Hintergedanken, ihre Opfer nach einer gewissen Zeit um ein paar Wertsachen zu erleichtern. Nichts von alldem kann ich bestätigen oder dementieren, auch wenn ich mich mal etwa eine halbe Stunde einfach hingesetzt und gekuckt habe.

An diesem Sonntag ist es ziemlich ruhig auf dem Zocalo. Unter einem riesigen Baum spielt ein Blasorchester. Sie sind gleich besetzt wie in der Schweiz, haben auch Oboen, Waldhörner und Fagotte. Ich höre sogar ein Stück, das ich vor langer Zeit auch gespielt habe mit dem Zürcher Blasorchester. Welch friedlicher erster Eindruck von dieser Stadt! Bald verlasse ich den Platz und mache mich zu Bar ’Txalaparta’ auf, wo ich Aline und Yasmin treffe, um den WM-Final zu kucken.

Aline ist die Tochter meines Cousins, die ich schon in Santa Fé getroffen habe. Sie ist für sechs Wochen in Oaxaca, um Yasmin zu assistieren, welche am Berkley College dissertiert und hier eine wisschenschaftliche Studie über Strassenkinder durchführt. Zu den Resultaten der Studie kann ich derzeit natürlich noch nix sagen. Aber, ein Resultat - falls ihr’s noch nicht wusstet: Spanien gewinnt gegen Holland 1:0...

Im Schlepptau von Rodrigo, dem Besitzer des Txalaparta, geht es anschliessend an einen Kindergeburtstag, irgendwo in einem Dorf im Osten von Oaxaca. Wir bringen ausser uns nix, aber wir werden herzlich aufgenommen und bewirtet. Die Kinder machen ein paar Spiele, tanzen, die Erwachsenen sitzen drum rum, plaudern, trinken und essen, in einer Ecke wird Poker gespielt. Die Gastfreundschaft der um Oaxaca wohnhaften Zapoteken hat eine lange Tradition - sicher ein Grund, warum sich Besucher hier schnell wohl fühlen.

Sprachunterricht

Für zwei Wochen will ich in Oaxaca Spansich lernen, um für meinen weiteren Weg nach Südamerika besser gewappnet zu sein. Am nächsten Tag mache ich also brav zur Schule auf. Da ich mich schon einigermassen mit Spanisch durchschlagen kann, komme ich in den Gruppenunterricht mit mittlerem Niveau. Im Einzelunterricht steige ich allerdings ziemlich bei den Anfängen ein: Konjugationen.

Die Unterricht ist intensiv und anregend. Durch die Tatsache, dass ich das Spanisch ja tagtäglich echt brauche, hat alles einen sehr praktischen Bezug. Ich finde, ich bin doch ein ziemlich fleissiger Schüler, und auch wenn ich nicht so weit komme, wie ich mir erhofft habe, lerne ich doch viel und bin zum Schluss sehr zufrieden, dass ich diese zwei Wochen eingeschoben habe. Nach einer Woche ist es doch möglich, eine etwa einstündige Konversation mit einer Mitbewohnerin auf Spanisch zu haben - natürlich auf einfachem Niveau und dank der Geduld meiner Gesprächspartnerin. ‘S’ ich all daa’ hät’s Müüsli gseit, wo’s is Meer inebislet hät...’ Sie erklärt mir übrigens auch, dass sie unsere Schlummermutter per Sie anredet, obwohl sie selber geduzt wird. Nachdem ich eine Nacht drüber geschlafen habe, folge ich ihrem Beispiel. Würde mir in der Schweiz nicht im Traum einfallen, erhlich! Hier gehört es zur Kultur.

Auch im Unterricht erfahre ich einiges über die mexikanische Kultur, nebenbei, aber auch als Teil des Sprachunterrichts. So lernen wir, wie man auf höfliche, nette Art um etwas bittet, was zum Teil stark von meinem kleinen Sprachführer abweicht, der doch eigentlich auf Mexiko zugeschnitten sein sollte.

Wochenendeaktivitäten

Unter der Woche schön brav in die Schule gehen, da muss am Wochenende was anderes her!
Am Samstagmorgen ist dann allerdings mal nix mit Ausschlafen angesagt. Ich nehme teil an einem von Solexico organisierten Auflug in die Berge. Die Gruppe der Teilnehmer ist bunt gemischt, die Mehrzahl ist wohl um die 20, aus Deutschland, Österreich und den USA, dazu kommen zwei Lehrerinnen etwas älteren Jahrgangs, aus Frankreich und Belgien..

Eine Naturstrasse führt uns auf eine Höhe von fast 3000 Metern. Gewandert wird nicht besonders viel; ein etwas einstündiger Spaziergang führt uns dann auf einen Gipfel, wo in diesem Klima noch immer Bäume wachsen. Hier kann man einen kleinen Aussichtsturm mit luftiger “Leetärä” (“Leiter“) besteigen, von wo man eine wunderschöne Aussicht geniesst. Das Wetter ist zwar wechselhaft, und teilweise fällt auch ein bisschen Regen, aber das macht die Ausblicke auch abwechslungsreicher - man sieht mal da, mal dort wieder etwas von der Umgebung...

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Der Höhepunkt sind dann aber drei Fahrten an einem Drahtseil über die Baumwipfel. Den Spass lässt sich niemand nehmen, obwohl es unter uns doch ziemlich weit nach unten geht.

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Fast mehr Mut braucht es dann aber, um auch noch die Hängebrücke zu überqueren, welches sich ebenfalls über einen Abgrund spannt. So stabil scheint mir das Ganze nicht: Als ich mit einiger Vorschicht die Brücke überquere, beginnen hinter mir die Jungen, wie irr auf dem Ding rumzutanzen, sogar zu rennen, und es beginnt gewaltig zu schaukeln. Und das waren nicht etwas die lümmligen Jungs, sondern die ’Crazy Girls’, und ich stelle wieder mal fest, dass die Jugend nicht mehr ist, was sie einmal war.

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Als wir wieder bei Solexico abgeladen werden, kündigt sich auf der Avenida Juarez ein Umzug durch die Innenstadt an. Ich stelle mich also mit Maria und Claudine (die zwei Lehrerinnen) an den Strassenrand, um dem Spektakel zuzusehen. Wenig überraschend für mich wird es ziemlich laut zu. Unzählige Blasorchester, Gruppen von irgendwelchen Fantasiegestalten, Tanzgruppen und einmal sogar ein Delegation auf Stelzen ziehen vorbei.

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Am nächsten Morgen stehe ich wieder früh auf, diesmal, um Aline und Yasmin bei einem Supermarkt bei mir in der Nähe zu treffen. Hier sollen wir von Freunden abgeholt werden, mit denen wir dann weiter nach Tlacoluala fahren wollen, wo jeden Sonntag ein grosser Markt veranstaltet wird.

Die zwei Mädels erscheinen etwas später als verabredet, die Freunde dann gar nicht, oder sie waren schon früher da, oder erst später, jedenfalls sind wir dann wieder mit Bus zurückgefahren und nachdem wir die kränkelnde Yasmin in der Nähe ihrer Wohnung zurückgelassen haben, trösten sich Aline und ich erst mal mit einem kräftigen Frühstück auf einem kleinen Markt und anschliessendem Shopping (Früchte und Gemüse, aber man hätte hier fast alles gekriegt....).

Später werden Aline und ich (Yasmin krank zu Hause) von Rodrigo, abgeholt - es soll zu einer Mezcal-Brennerei gehen. ‘Am Sonntag?’, denke ich für mich, aber was soll‘s. Wir kurven in der Stadt rum, und das Auto füllt sich mit weiteren Leuten aus Argentinien und Italien. Aber erst muss was gegessen werden, also fährt man - nach Tlacolula zum Markt. Hier verköstigen wir uns an einem Marktstand improvisiert: Tortillas aus blauem Mais, gleich beim Stand gegrilltes Rindfleisch und Gemüse, regionaler Käse, einer Gemüsemischung mit Nopales (gekochter Kaktus) und Chapulines. Wer Spanisch kann, weiss, dass Chapulines Heuschrecken sind, und solche werden hier, mit viel Gewürzen versetzt, überall auf den Märkten angeboten. Unsere Heuschrecken sind eher klein, und ja, ich habe auch zugelangt. Wir machen ein Verdauungsspaziergängchen bei den Ruinen von Yaqui, wo wir eine wunderbare Aussicht geniessen.

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Nachdem noch zwei weitere Freunde (Italien und Brasilien) aufgegabelt haben, geht es dann zur Mezcal-Produktion. Nach kurzen erklärenden Worten setzen wir uns da um einen runden Tisch, dann werden verschiedene Flaschen der regionalen Schnaps-Spezialität aufgestellt, Reste des Mittagessens und eine Gitarre ausgepackt. Es wird viel gelacht, etwas gesungen, geschunkelt und natürlich viel Mezcal ausgeschenkt. Es wird nur Spanisch gesprochen, und weil man mir die Anstrengung offenbar ansieht, etwas mitzubekommen, werde ich zum Aufmuntern kräftig mit Feuerwasser versorgt.

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Der Rest des Abends ist dann einfach erzählt - erst müssen wir natürlich noch an die Mezacal-Messe im Zentrum Oaxacas, wo wir zum Glück in erster Linie die Tanzbeine schwingen, dann geht es noch in ein Bar, wo auch erst mal ein Gläschen der farblosen Flüssigkeit gereicht wird und noch etwas getanzt und Tischfussball gespielt wird. Nach einem abschliessenden kleinen Bierchen verabschiede ich mich und mache mich per Taxi auf den Heimweg. Allzu fit bin ich dann zwar am nächsten Morgen nicht, aber von einem eigentlichen Kater keine Spur.. Da ich kaum trinkfester geworden bin, habe ich es offenbar doch ziemlich erfolgreich geschafft, die Schwemme an lokalem Wässerchen abzuwehren.

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Am zweiten Wochenende besuche ich dann am Samstag eine weitere Sehenswürdigkeit, Monte Alban, eine längst verlassene Stadt der Zapoteken, welche zuoberst auf einem der umliegenden Hügel errichtet worden ist. Hier haben nur die Mehrbesseren gelebt; wie man uns erklärt. Da insbesondere die Wasserversorgung auf einem Berg ziemlich mühsam ist, lebte das gemeine Volk in den darunterliegenden Ebenen.

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Hier ist auch Maria wieder von der Partie, einer in Belgien wohnhaften Holländerin, welche netterweise ein Föteli von mir macht.

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Am Sonntag ist dann endlich wieder einmal nix tun angesagt...

Tags darauf, an meinem letzten Tag hier in Oaxaca, gehe ich an die Guelaguetza. Bei der ‘Guelaguetza’ handelt es sich eigentlich um eine zapotekische Tradition, sich mit Gaben oder auch durch Mitarbeit gegenseitig zu helfen, insbesondere wenn jemand aus irgendeinem Anlass viele Gäste einlädt. Aus dieser Idee ist dann ein Folklorefestival auf die Beine gestellt worden, zu dem jedes Jahr Delegationen aus den neun Regionen des Bundeslands Oaxaca in die Stadt eingeladen werden, wo sie in traditionellen Kostümen Tänze vorführen. Im Sinne der eigentlichen Guelaguetza, welche ja Geben bedeutet, werden im Anschluss als Geschenke Produkte aus der Heimat der Vorführenden ins Publikum geworfen. Mein Platz ist etwas weiter hinten, und so riskiere ich kaum, plötzlich von einer sich schnell nähernden Ananas KO geschlagen zu werden.

Die Kostüme sind zuweilen sehr farbenfroh, die Tänze drehen sich natürlich oft ums Balzen, was zum Teil sehr charmant und witzig dargestellt wird, und die Musik ist natürlich laut, meist nicht besonders perfekt, aber mit Freude dargeboten. Nur einmal bin ich etwas verzweifelt, als ein Basstubist konsequent immer einen Ton zu hoch spielt. Muss irgendwie ein Ventil verklemmt gewesen sein...

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Am Abend lade ich die Mädels zum Abendessen ein, und ich esse nochmals die mexikanische Spezialität Mole, eine dickliche Sauce, die in der dunklen Ausfertigung unter anderem Schokolade enthält. Wenn es gut gemacht ist durchaus lecker.

Am nächsten Morgen heisst es Abschied nehmen - ich packe wieder einmal all meinen Kram zusammen, der durch die Schulunterlagen wieder ein bisschen mehr geworden ist. Es war schön, wieder einmal für mehr als nur ein paar Tage an einem Ort Halt zu machen und so etwas wie ein Zuhause zu haben. Ich nehme mir vor, auch anderswo einfach wieder einmal für eine Woche oder zwei zu bleiben.

Hier noch ein paar Impressionen von der Stadt:

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Dann geht es mit dem Bus zurück nach Mexiko City, wo ich mich unmittelbar neben dem Flughafen einquartiere. Am nächsten Morgen mache ich mich dann zeitig zum Flughafen auf. Zum Glück, denn beim Check in erklärt mir die Dame, sie könne mir leider keinen Platz im Flieger geben, da ich kein Rückreiseticket hätte.

Mist! Ich weiss, dass sie eigentlich Recht hat, das hatte ich irgendwo gelesen, aber fleissig ignoriert. Das ist in Mexiko genau so, aber reist man per Bus ein, interessiert das an der Grenze kein Schwein. Aber die Fluggesellschaften sehen das anders, denn sie müssten mich auf eigene Kosten wieder aus dem Land schaffen, wenn es denn an der Grenze ein Problem gäbe. Dass sie mir das Ticket locker ohne jeden Hinweis verkauft haben, findet die Dame dann weniger wichtig, DAS wäre schliesslich mein Problem.

Nun, es bleibt mir nix übrig als auf die Schnelle ein Ticket aus Costa Rica raus zu kaufen, und da Mexicana nicht nach Südamerika fliegt, empfiehlt man mir, ein etwas teureres Ticket zu kaufen, welches mir dann bis auf 100 Dollar rückvergütet würde. Dummerweise ist offenbar gerade meine Kreditkarte gesperrt, und ich muss mit allem Gepäck zu einem Bancomaten spurten, Tausende von Pesos rauskitzeln und dann das Ticket bezahlen. Die Tatsache, dass ich in Pesos bezahlt habe, wird mir dann prompt zum Verhängnis: in diesem Fall muss die Vergütung in Mexiko City beantragt werden. Bis heute habe ich noch keinen Cent zurückgekriegt...

Aber zum Schluss kriege ich dann doch noch meinen Platz im Flieger, sogar den besten in meiner Kategorie und der Flug ist eigentlich auch ganz schön.

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Allerdings - auf dem Landweg sieht man halt schon mehr. Muss die Planung der Fliegerei nochmals genauer unter die Lupe nehmen. Aber über den Pazifik paddeln möchte ich mit Sicherheit nicht!

Arenal (Costa Rica), 8. August 2010

Eingestellt von greoj 18:03 Archiviert in Mexiko Kommentare (3)

Durch Stadt und Land: Guanajuato und Queretaro

Einmal drunter und drüber - einmal wohlsortiert


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Ohne grossen Abschiedsschmerz verlasse ich Guadalajara. Das wird mir auch leicht gemacht, denn ich reise in einem sehr komfortablen Bus der Linie ETN. ‘Executive Class’ habe ich das im Internet beschrieben gesehen: breitere Sitze, komfortable Beinstützen, Kopfhörer für das Fernsehen (was allerdings nur den Vorteil bringt, dass der Video-Ton nicht unkontrollierbar laut aus den Lautsprechern dröhnt, auf dem Videokanal höre ich nur Rauschen), und der Raum für die Fahrgäste ist durch eine Tür vom Fahrer abgetrennt - das bringt aus meiner Sicht zwar keinen Extra-Komfort, aber so ist es nun mal. Und bald schon nähere ich mich meinem nächsten Ziel: Guanajuato.

Guanajuato

Im Busbahnhof werde ich sofort von einem “netten” Herrn in Beschlag genommen, der mir nur ein paar “Informationen” geben will. Er will mir natürlich ein Hotel vermitteln. Wenigstens verrät er mir, dass das Stadtzentrum ca. 7 km entfernt ist und dass man mit einem Bus dahingelangen kann. Den mitgeschickten Begleiter versehe ich mit einem kleinen Trinkgeld und steige allein in den Bus ein.

Erst mal fahren wir durch ein grünes Tal - dann nach den ersten Häusern gleich in einen Tunnel. Super, jetzt habe ich natürlich keine Ahnung, wo ich bin. Aber ein netter Herr hilft und ich steige wie geplant bei der Markthalle aus.

Hier in der Nähe soll also das empfohlene Hotel sein, aber ich mache mich erst mal in die Gegenrichtung ins Zentrum auf. Die Preise hier sind allerdings ziemlich happig, ich habe einfach keine Lust, 100 CHF für ein Hotelzimmer auszugeben. Netterweise gibt mir aber ein Rezeptionist die Adresse eines günstigeren Hauses. Dieses liegt ein Stück den Berg hoch, aber die ‘Casa Azul‘ ist nicht nur billig, sondern auch gemütlich. Zudem habe ich von der Dachterrasse einen schönen Blick in den Stadtkern.

Nachdem es wieder mal einen nachmittäglichen Regenguss gegeben hat, mache ich dann zur Ortsbesichtigung auf. Und ich muss sagen, ich bin schlicht begeistert. Guanajuato liegt mitten in einem ziemlich engen Tal, und zuunterst, in ein trockengelegten Flussbett, schlängelt sich die Hauptverkehrsader quasi um untersten Stock unter der Stadt durch. Die Strasse führt über weite Strecken durch Tunnels, andernorts reckt man den Hals, um von unten an die Rückseiten der Häuser zu starren. Geschäfte gibt es hier unten keine, aber Busstationen schon; auch werden hier am Strassenrand ganz noraml Autos geparkt.

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Darüber, im ersten Stock quasi, befindet sich der eigentliche Strassenlevel. Hier ist alles wunderbar verwinkelt, es gibt kleine Gässchen, Plätze, Kirchen, Theater, eine Universität, unzählige Restaurants, Museen und nochmals so eine Art Hauptgasse, durch den sich geduldig ein nie versiegender Strom von Fahrzeugen durchschlängelt, immer bedrängt von all den Leuten, die nicht immer auf den engen Trottoirs Platz finden.

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Überall gibt es Verbindungen zur unten liegenden Hauptstrasse, mal für Autos, mal für Fussgänger, dazu finden sich auch ausserhalb immer wieder Tunneleinfahrten.

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Hier scheint irgendwie der ganze Berg durchlöchert worden sein, um die verwinkelte Stadt befahrbar zum machen Ich habe keine Ahnung, wie man sich hier mit dem Auto zurecht finden kann, aber irgendwie scheint das alles zu funktionieren.

Im Stadtkern werden die Strassen von schmucken Häusern aus der Kolonialzeit gesäumt. Von da hat sich die Stadt über die umliegenden Talseiten den Berg hoch entwickelt, und hier gibt es überall die bunten mexikanischen Häuser der neueren Zeit. Dieses Kunterbunt fasziniert mich einfach immer wieder. Manchmal kann ich mir das Schmunzeln nicht ganz verkneifen - farbig um jeden Preis.

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Da es rund um die Stadt doch einige Erhebungen gibt, frage ich bei der Tourismus-Information nach, ob man den hier auch eine Wanderung auf einen der Berge machen kann. Die Antwort ist “si”, aber die Beschreibung eher vage. Ich lerne dann erst mal quasi den dritten Stock der Stadt kennen, die ‘Carreterra Panoramica’, die auf den umliegenden Hügeln rund um die Stadt verläuft. Und ich muss lernen, wie geschickt mein kleiner Plan perspektivisch verzerrt wurde. Jedenfalls zieht sich die Strasse unendlich hin, und nach drei Stunden bin habe ich erst die Hälfte der Strecke geschafft. Dabei wollte ich doch hier nur ein bisschen Anlauf holen.

Es kündigt sich dann wieder einmal ein Wolkenbruch an, und ich kann gerade noch in einen Bus hüpfen, schon wieder nässt es, was das Zeug hält. Nachdem ich mich im Stadtzentrum gestärkt habe, nehme ich direkter Kurs auf mein Wanderziel. Nachdem mir eine Mexikanerin so gut es geht den Weg erklärt und mir versichert hat, dass sie und ihr Mann nicht mehr als eine Stunde bis zum Gipfel brauchen, bin ich auch um 16:30 nicht mehr zu halten und mache mich auf zu ‘Los Picachos’.

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Und tatsächlich, etwas mehr als eine Stunde später stehe ich wieder einmal auf einem Gipfel. Es ist hier eigentlich fast ein wenig wie zu Hause, nur gibt es in den Alpen nicht überall Kakteen. Und bei uns werden einem die Wege auch meistens nicht auf Spanisch erklärt.

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Am Morgen meiner Weiterreise mache ich nach dem Frühstück schon bald wieder in einem gemütlichen Kaffe halt, genehmige mir zu einem Capuccino noch ein Stückchen Limonenkuchen, blinzle in die Sonne und bin einfach rundum zufrieden. Echt, wäre dieses Guanajuato nicht mal ein paar tausend Kilometer von zu Hause weg, ich würde vorschlagen, dass wir doch öfters mal einen Ausflug hierher machen!

Querretaro

Die nächste Station auf meinem Weg Richtung Süden ist Querretaro, eine wachsende Stadt mit derzeit etwa einer Million Einwohnern. Der Busbahnhof ist wieder einmal ausserhalb der Stadt gelegen. Hier scheint man aber gut organisiert zu sein - fürs Taxi werden zentral Gutscheine verkauft, deren Preise sich nach anzufahrenden Zonen richten. Draussen warten dann auch Heerscharen von Taxis, die ich allerdings links liegen lasse und den Bus nehme. Im Stadtzentrum muss ich dann noch ein bisschen zu Fuss marschieren, aber es ist ziemlich friedlich hier. Dass der Statdkern teilweise autofrei ist, nützt allerdings nur bedingt, denn stattdessen darf ich mich dann an Markständen und herumstehenden Leuten vorbeizwängen.

Das gewünschte Hotel (Reiseführer...) sieht mit seinem grossen Innenhof doch sehr ansprechend aus und es hat auch Platz - und Internet. Das Letztere allerdings nur im Patio, wo es leider auch Mücken gibt, welche meine jeweiligen Sessions etwas abgekürzt haben.

Wahrzeichen von Querretaro ist ein langer Viadukt, der sich über die Ostseite der Stadt spannt auch heute noch Wasser ins Zentrum führt. Unmittelbar unmittelbar neben dem Viadukt rauscht der Verkehr in Richtung Osten der Stadt.

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Auf dem Weg zurück in die Stadtmitte entdecke ich ein Restaurant mit einem netten Innenhof, welches sich dann als libanesisch erweist. Hier tafle ich in wunderschönem Ambiente. Der Kellner will dann auch noch ein Foto von mir und Schischa machen, was ich ihm im Hinblick auf den Blog nicht abschlagen kann.

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Dummerweise lasse ich mich dann auch zu einem türkischen Kaffee hinreissen, und zum Dank kann ich dann schlecht schlafen. Ja, hätte ich doch wissen können....

Deshalb ist am nächsten Tag neben Ticketverkauf nicht viel los. Erst gegen Abend mache ich mich ins nahe Zentrum auf, um hier dann an einem schönen Platz nochmals zu tafeln. Das ganze Zentrum ist durchaus sehenswert, sehr gut erhalten und teilweise für den Verkehr gesperrt. Natürlich stehen auch hier Kirchen im Zentrum des architektonischen Geschehens. Daneben gibt es prachtvolle Fassaden, belebte Plätze und natürlich auch überall fliegende Händler, die einem meistens etwas Ess- oder Trinkbares anbieten.

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Am nächsten Morgen geht es früh los, der Bus nach ‘Duffe’ (D.F, = ‘Distrito Federal’ = Mexiko City) fährt schon um 6 Uhr morgens. Noch etwas schläfrig finde ich ein Taxi, der mich erst für 50 Pesos zum Busbahnhof bringen will. Da ich etwas säuerlich reagiere, ist er dann kulant und macht es für die - wie ich argumentiere - doch “normalen” 40 Pesos. Wir kommen ein bisschen ins Gespräch, und als er rauskriegt, dass ich wie er ‘Jorge’ heisse, ist er richtig begeistert.

Hier erlebe ich das erste mal eine einigermassen sorgfältige Sicherheitskontrolle. Das Handgepäck wird durchsucht, eine Dame tastet die Fahrgäste nach auffälligen Gegenständen ab, und zudem wird jeder zweimal fotografiert, erst mal draussen vom Hallendach aus und dann nochmals im Car. Mexiko City gilt halt doch als eine der gefährlichsten Städte in der Welt, aber ich mache mir darob wenig Sorgen, da ich ja nur in einem Busbahnhof umsteigen muss.

Der Busbahnhof ‘Mexico Notrte’ ist dann ziemlich gross, und zum Einsteigen gibt es hier wie auf einem Flughafen Gates und wieder einmal muss ich ein bisschen rumfragen, bis ich rauskriege, wo ich denn hin muss. Aber zum Glück habe ich genug Einsteigezeit eingeplant.

Die Fahrt führt von da an einigen der grössten vulkanischen Berge Mexikos vorbei, wobei ich leider nicht rauskriege, welcher denn jetzt welcher ist. Später fahre wir dann wir wieder zwischen wunderschön von Bäumen gesäumten Bergen hindurch Richtung Süden. Gut eine Stunde vor Ankunft kommt die Fahrt dann ins Stocken. Schliesslich holpern wir in Schritttempo etwas unterhalb der Strasse in Kolonne über einen Schotterweg. Eine ziemlich aufwändige Art, die meist dösenden Gäste ein bisschen aufzurütteln. Als wir in Zeitlupe wieder auf die Strasse zurückochsen, sehe ich dann den Grund für den kleinen Ausflug. Wenige Meter weit weg hat ein Erdrutsch die Strasse unter sich begraben. Wie ich den Hang hoch schaue, kommt gleich wieder eine Ladung runter, aber ein kleines Staubwölkchen ist alles, was dabei rausschaut.

Schliesslich tuckern wir ohne weitere Vorkommnisse nach Oaxaca. Aber davon erzähle ich Euch später...

Eingestellt von greoj 22:21 Archiviert in Mexiko Kommentare (1)

Auf nach Guadalajara

Pazifik (Mazatlan), Westrand der Sierra Madre, Zacatecas, Guadalajara

Nach dem Besuch des Kupfercanyons, den ich mir schon in der Schweiz vorgenommen habe, ist das nächste fixe Ziel Oaxaca. Dieses befindet sich hunderte von Kilometern weg, jenseits von Mexiko City schon ziemlich im Süden des Landes. Also bahne ich mir die nächsten Tage (es werden schliesslich fast zwei Wochen sein) durch dieses riesige Land. Erst einmal folge ich von El Fuerte der Pazifikküste bis nach Mazatlan, einem beliebten Badeort, wo der Tourismus aber noch nicht die Ausmasse etwas von Puerto Vallarta oder Cancun erreicht hat.

Mazatlan: ein bisschen Pazifiktourismus

In Mazatlan folge ich der Empfehlung eines Freundes von Ruedi und Ann und residiere im ‘Siesta Hotel’, welches sich in unmittelbarer Nähe der ‘Olas Altas’, einem kleinen Strand in der Nähe des Stadtzentrums liegt. Vom Pazifik trennt mich da nur eine Strasse. Diese ist heute kaum befahren (eigentlich gar nicht...) - es ist eine Wahlveranstaltung angesagt. Kein Grund zur Sorge, das dauert nur von 6 bis 9 Uhr abends, sagen sie mir im Hotel, die Nachtruhe wird dadurch keinesfalls gestört.

Stimmt, allerdings bin ich dann ab 18:00 Uhr im Hotel ‘gefangen’, denn draussen herrscht ein derartiges Gedränge, dass mir jegliche Lust auf einen Strandspaziergang vergeht. Aber im Restaurant des Hotels gibt es ‘Shrimp Bucket’, also Crevetten - zwar nicht auf besonders mexikanische Art, aber die frittierten Meeresfrüchte sind frisch und schmecken auch ohne Chili lecker. In meinem Zimmer kann ich dann wenigstens einen Teil des Geschehens überblicken. Auf der Tonspur kriege ich aber so ziemlich volle Kanne. Zu diesen Wahlveranstaltungen gehören offenbar immer auch musikalische Darbietungen, und am besten gleich zwei gleichzeitig. Die eine klingt wieder wie eine Art Talentwettbewerb, wenn auch möglicherweise etwas unfreiwillig. Die andere - ein Sänger mit Begleitmusik, aus welcher so eine Mischung aus Schalmei und Klarinette hervorsticht. Und die lassen es nun Krachen was das Zeug hält, mit viel Verve muss man sagen, aber so falsch und laut, dass es gewollt sein muss. Die Kakophonie ist jedenfalls unbeschreiblich und ich amüsiere mich während des Blog-Schreibens köstlich. Schon vor Neun ist der ganze Spuk vorbei und ich schlafe ungestört.

In Mazatlan ist es heiss, sehr heiss, und anderswo nur leicht schweisstreibende Aktivitäten führen hier zu wahren Sturzbächen. Das weiss ich schon, und es wird sich auch trotz meiner Planung ein weiteres mal bestätigen. Am Morgen werde ich den Hügel mit dem Leuchtturm besteigen, dann eine Siesta mit WM-Viertelfinal machen und gegen Abend noch zum Stadtzentrum spazieren. Der morgendliche Spaziergang führt mich entlang der Küste, vorbei an einer wunderschön über dem Meer gelegenen Schule.

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Für den Aufstieg zum Leuchtturm brauche ich dann nur 15 anstelle der angegebenen 25 Minuten, allerdings macht der anschliessende Schweissausbruch mit Ruhepause am Schatten die gewonnene Zeit locker wieder zunichte.

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Der abendliche Spaziergang ins Stadtzentrum ist nicht ganz so prickelnd, aber ich nehme den Rückweg über den sogenannten ‘Icecube Hill’. Da oben gibt es ein paar durchaus bewohnenswerte Villen, die aber offenbar nicht grad zu Verkauf stehen. Und man hat einen schönen Überblick über die ‘Olas Altas’.

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Hier geniesse ich den Sonnenuntergang. Und, um es mal vorwegzunehmen, es wird der letzte bleiben für ein Weilchen, so dass ich Euch dazu ein Föteli posten muss.

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Abenteuer Ticketkauf

Das Bussystem in Mexiko ist sehr gut ausgebaut und so ein komfortables Fortbewegungsmittel für einen Backpacker. Allerdings gibt es unzählige Busunternehmungen mit unterschiedlichen Destinationen, und es kann durchaus herausfordernd werden, für eine bestimmte Strecke den richtigen Carrier zu finden.

Für die Einreise nach Mexiko über Tijuana habe ich schon Stunden verbracht, um rauszukriegen, welches Busunternehmen mich denn ab Tijuana planbar und so schnell als möglich weiter südlich bringt. Wie man ja dieser Tage wiederholt den Zeitungen entnehmen kann, ist der Norden ein ziemlich unsicheres Pflaster, weshalb es ratsam ist, die Grenzstädte so rasch als möglich hinter sich zu lassen. Das hat dann aber über Internet wunderbar geklappt, das Ticket habe ich am Schalter im Busterminal ohne grosse Umstände ausgehändigt bekommen.

Nach der Fahrt durch den Kupfercanyon komme ich in Los Mochis allerdings ohne Buchung für die Weiterfahrt ein, und bei der Ankunft werde ich erst mal zu einem anderen Busbahnhof geschickt. Dort stellt sich dann heraus, dass hier niemand die Destination Mazatlan im Angebot führt. Ich werde von Schalter zu Schalter weitergereicht, erfolglos. Zum Glück kenne ich ein Busunternehmen, das diese Strecke bedient. Deren Terminal ist dann aber wieder einige Blocks entfernt, in etwa dahin zurück, wo ich hergekommen bin. Verlangt mir angesichts der Hitze (und vielleicht ob des nicht gaz bescheidenen Gewichts meines Gepäcks...?) doch noch einige Schweisstropfen ab.. Aber was soll’s, ein bisschen Sport ist genau das Richtige für mich. Und ab da gab’s dann auch wirklich einen Bus.

Normalerweise versuche ich erst mal über das Internet geeignete Verbindungen zu suchen, was selten auf Anhieb klappt. Aufgrund des Tips von Stefan möchte ich von Mazatlan nach Durango, unter anderem, weil die Busfahrt dahin in die Sierra del Madre führt und sehr schön sein soll. Die Tourismusseite von Durango verweist auf zwei Carrier. Der eine führt die Strecke dann doch nicht und der zweite fährt nur in der Nacht fährt. Supa!

Auf einem Blog (!) finde ich dann doch einen brauchbaren Link, wo eine Fahrt um 14:00 mit Ankunft um 22:00 angeboten wird. Ich hoffe, dass die schönsten Abschnitten nicht gerade auf den letzten Kilometern liegen und möchte nun auch übers Internet buchen. Dabei geht aber etwas schief und ich erhalte eine Meldung, dass meine Kreditkarte nicht akzeptiert werden könne. Drei weitere Versuche schlagen fehl. Der von mir von mir gewünschte Platz ist allerdings nach dem ersten Versuch vergeben.

Also gehe ich am nächsten Morgen rechtzeitig zum Busbahnhof.. Am Schalter wird nicht wirklich Englisch gesprochen, also muss mein leider immer noch etwas dünnes Spanisch weiterhelfen. Es scheint da tatsächlich an meinem gewünschten Platz ein Ticket zu geben, allerdings ohne Angabe eines Namens. Man bittet mich, den Ticketservice unter einer Gratisnummer anzurufen.

Heureka, das kenne ich von Polen. Telefonieren geht in einer Fremdsprache ja immer ganz besonders gut. Die Operatorin spricht leider kein Englisch. Ich radebreche was das Zeug hält. Ich muss ja nur erklären, dass ich über das Internet ein Ticket zu buchen versucht habe, aber keine Bestätigung erhalten habe, es auf dem gewünschten Platz ein elektronisches Ticket ohne Namensangabe gibt, welches auch zur Zeit meines Versuchs gebucht worden ist und ich deshalb gerne den Bestätigungscode hätte, damit man mir am Schalter meinen Fahrschein aushändigen kann. Mit Hilfe einer anderen Operatorin wird mir dann auf Englisch klar gemacht, dass ich nur am Schalter meine ID zeigen müsse, das Ticket sei gebucht, kein Problem. Klar doch, hätte ich auch nie erwartet...

Am Schalter hat dann wieder der Angestellte ein Problem, und nicht ganz unerwartet ruft er seinerseits die Zentrale an. Hätten wir ja eigentlich auch gleich so machen können, so fürs nächste mal. Nachdem ich auch die Kreditkarte zwei mal vorweise, bekomme ich dann prompt auch mein Ticket ausgehändigt. Geht ja...

Mazatlan - Durango: Fahrt in den (Wolken-) Himmel

Nach dem abenteuerlichen Ticketkauf geht es dann ohne weitere Schwierigkeiten los Richtung Berge. Bis zu den ersten Steigungen machte ich erst einmal ein Nickerchen. Als es dann langsam aufwärts geht, zeichnet sich auch schon ein Klimawechsel ab. Über den Bergen wölbt sich eine breite Wolkenfront. Vegetationsmässig erlebe ich ähnliches wie mit dem ‘Chepe’: erst weitgehend dürres Laubholz, das etwas grüner wird, dann mischen sich wieder Pinien ein und es wird richtig grün.

Ansonsten ist so eine Busfahrt in den Bergen im Vergleich zum Chepe einiges lebendiger. Kurve reiht sich an Kurve, Perspektivenwechsel im Sekundentakt sind garantiert. Obwohl die Strasse dazu auch noch recht eng ist, fahren hier auch die ganz grossen Brummies. In vielen Kurven beanspruchen die dann auch grad die ganze Strassenbreite, und quälen sich fast in Zeitlupentempo den Berg hoch. Wer entgegenkommt, muss halt warten.

Wir erreichen den höchsten Punkt der Strecke (1900 Meter über Meer) und ich denke, das war’s dann und es geht jetzt einfach wieder hinten runter. Aber stattdessen breitet sich vor und unter mir eine weite Landschaft mit Bergen und Tälern aus. Zu meinem Erstaunen geht es nur kurz runter, dann bleiben wir mehr oder weniger auf derselben Höhe und die Fahrt führt irgendwie in alle Himmelsrichtungen. Durch dieses Labyrinth von Bergrücken hätte ich niemals eine Route gefunden. Die Ausblicke sind phantastisch: alles ist bewaldet und unter steil abfallenden Felswänden gleitet mein Bick über unzählige Täler und Kuppen, mal vor dem Hintergrund rötlich leuchtender Wolkenformationen, mal fahren wir durch tief hängende Wolken, so dass ich nur einige Baumreihen weit sehe. Weiter unten klebt auch ab und zu ein Dorf am Berghang, aber es ist, als wäre die Strasse direkt unter den Himmel gebaut worden, auf einem nie mehr endenden Bergrücken.

Gegen Abend gibt es dann eine unendlich lange Militärkontrolle. Nur kurz wirf ein Soldat einen Blick in den Passagierraum, dafür interessieren sie sich umso mehr fürs Gepäck. Durch die geöffneten Türen des Laderaums ist uns der Blick nach unten versperrt. Was treiben diese Jungs bloss da unten. Am Abend untersuche ich meinen Rucksack, vermisse aber nichts. Glück gehabt?

Nach der Kontrolle ist die Landschaft dann weniger spektakulär und bald nachtet es ein. Dann beginnt es zu regnen, und als wir in Durango am Busbahnhof ankommen, rette ich erst mal meine Sachen unter Dach. Auch hier wieder einmal ein Überraschung in Sachen Zeitzone: es ist wieder einmal bereits eine Stunde früher. Diese Zeitzonengrenze finde ich auf meiner Karte nirgendwo vermerkt.

Der Busbahnhof befindet sich weit ausserhalb des Zentrums - zum Glück gibt es ganz in der Nähe Hotels, und ich stapfe nur ein paar Minuten durch den Regen, irgendwie über eine grössere Strasse, ein paar Bahngleise und einen feuchtnassen Wiesen- oder Dreckstreifen, dann bin ich glücklich bei einem zweckmässigen Hotel angelangt.

Nach kurzen Recherchen im Internet lasse ich Durango links liegen und nehme am nächsten Tag den Bus nach Zacatecas. Diese Fahrt führt über eine Hochebene; die weiten rostroten Felder vor dem Hintergrund ferner Bergketten und wolkigem Himmel werden mir von da in Erinnerung bleiben.

Zacatecas - mediterranes Flair in Mexiko

In Zacatecas finde ich beim zweiten Versuch im Stadtkern ein gemütliches Hotel. Der Abendspaziergang zeigt mir ein Städtchen wie ich es in Mexiko noch nicht angetroffen habe. Zacatecas liegt zwischen flachen Hügeln (notabene auf 2500 Metern über Meer), wodurch kein strenges Schachbrettmuster angelegt worden ist und sich so überall versteckte Winkel finden. Und die vornehmen Fassaden der Häuser verbreiten ein fast mediterranes Flair, etwas weniger bunt als anderswo, warme Pastelltöne herrschen im Zentrum vor.

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Und mittendrin eine Kathedrale mit einer wunderbar reich verzierten Fassade.

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Am nächsten Tag regnet es in Strömen. Das ist erst mal nicht so schlimm - ich besuche die Mine ‘El Eden’, da bleibt man ja trocken - wenn man es denn auch schafft, nicht schon völlig durchnässt da anzukommen. Aber dafür habe ich Glück und bekomme eine junge, charmante Führerin zugeteilt, die auch noch prima Englisch spricht.

So kriege ich ganz gut mit, um was es hier geht. Zacatecas verdankt seinen Reichtum zu einem guten Teil den Silbervorkommen, welche von den Spaniern gnadenlos ausgebeutet worden sind. Die Hauptarbeit im Stollen verrichteten die indigenen Bewohner, die bis zu 16 Stunden am Stunden in diesem dunklen Loch Steine pickeln. Die silberhaltigen Brocken werden dann in Körben gesammelt und bei einem Gewicht von rund 40 Kilogramm auf dem Rücken, an mickrigen Seilen kletternd, an die Oberfläche befördert, wo sie dann von den Spaniern in Empfang genommen werden. Wenn man durch die stillgelegten, auch mit Beleuchtung noch dunklen Gänge schreitet, kann man sich ein bisschen vorstellen, was das für ein Drecksleben gewesen sein muss. Netterweise war die Entlöhnung so mies, dass dann auch noch die Kinder mithelfen mussten. Diese tauchten in den tiefer liegenden Stollen der Mine, die mit Wasser gefüllt waren, nach Felsbrocken, die heruntergefallen waren. Jetzt müsste ich halt schon sagen: das bisschen Regen da oben...

Aber auch nach dem Besuch der Mine finde ich die Strassen noch schön, unverändert finde ich wenig Gefallen am Regen, der immer noch anhält. Dummerweise komme ich auf die Idee, dass ich an diesem Tag ja trotzdem auf den ‘Cerro de la Bufa’ hochgehen kann und dabei die Regentauglichkeit meiner Ausrüstung auf die Probe stellen kann. Das Fazit ist leicht ernüchternd: die Windjacke hat weitgehend gehalten, die Hose (meine Bergtourenhose) hat’s nicht verkraftet und ist total durchnässt, in den Schuhen hat sich ein kleiner See gebildet. Also, ich bin nicht gegen jedes Wetter gefeit. Punkt.

Oben auf dem ‘Cerro della Bufa’ angekommen breitet sich unter mir das wunderbare Zacatecas aus, nur sehe ich es leider durch die Wolkenschleier kaum. Wenigstens muss ich mich nicht nach dem Weg nach unten erkundigen: einfach den Bach runter, der fliesst praktischerweise direkt auf dem Weg Richtung Stadt.

Als am nächsten Morgen kein Regen mehr auszumachen ist, beschliesse ich, noch einen Tag länger zu bleiben. Ich wiederhole sogar nochmals die Wanderung und kann mich nun auch über die Aussicht freuen.

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Und ein bisschen Fussball-WM kommt auch noch dazu. Dank dessen gibt es überhaupt Fotos von der Stadt für Euch.

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Guadalajara

Ich beschliesse, anstelle von Mexico City die Stadt Guadalajara zu besuchen, die zweitgrösste Stadt in Mexiko. Von da hört man nicht so haarsträubende Geschichten in Sachen Kriminalität wie von der Hauptstadt, und Stefan meldet per Mail, es hätte ihm auch besser gefallen. So also Entwarnung nach Hause, ich versuche durchaus Gefahren aus dem Weg zu gehen... (meine Mutter rief letzten Sonntag fast ein wenig besorgt an, nach meiner Schilderung der Fahrt nach Batopilas).

Die Fahrt in den Süden führt in eine fast unvorstellbar üppige Gegend. Alles spriesst, Felder, Weiden, Hügel. Und auch der kleinste Flecken strotzt vor schon fast unwirklich sattem Grün. Mir kommt eine Formulierung aus Homo Faber von Max Frisch in den Sinn: “wo man hinspuckt keimt es”.

Ich sehe viele Weiden mit Rindern, aber viel weniger Felder als ich erwartet hätte. Dann sehe ich die runden Felsbrocken, welche wohl zusammen mit kleineren Steinen die Feldarbeit zur Tortur machen und wohl dafür verantwortlich sind, dass hier nicht mehr Ackerbau getrieben wird.

Der Bus hält halt wieder mal ziemlich weit vom Stadtzentrum und ich leiste mir ein Taxi, das mich zu meinem bereits gebuchten Hotel führt. Hier bin ich dann aber wirklich mitten im Kuchen - zum Zentrum mit der Kathedrale sind es nur ein paar Schritte.

Am meisten interessiert mich hier aber der ‘Mercado de Libertad’, einer der grössten Märkte in Mexiko. Es ist kein touristisch aufgemachter Hochglanzjahrmarkt, hier gehen die Leute aus der Stadt einkaufen.

Der Markt befindet sich in einer riesigen mehrstöckigen Halle. Die Gänge zwischen den unzähligen Marktständen sind eng, und man muss sich oft zwischen Kaufenden und entgegenkommenden Besuchern durchzwängen. So ein gemütliches Shopping gibt es hier nicht. Aber man kann hier einfach alles kriegen, was in einen Stand passt: Schuhe, Kleider, elektronische Geräte, Computerspiele, Fleisch, Fisch, Gemüse, Gewürze und so weiter und so fort.

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Die Fleischgegend ist ein kleiner Härtetest für den Magen, wird doch das meiste ungekühlt dargeboten, und nebst riesigen Kutteln sind es dann Schweinefüsse und -köpfe und aufgehängte Innereien, die für mein Empfinden nicht immer ganz appetitlich daherkommen.

Umso schöner dann die Gemüsestände, wo es wunderbar duftet und das Angebotene kunstvoll aufgetürmt wird. Zum Beweis, dass die Ware auch gute Qualität ist, werden einige Früchte kurzerhand aufgeschnitten ausgestellt.

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Im mittleren Stock wird praktisch nur gegessen. Hier reiht sich ein Imbissstand an den anderen, ganze Familien futtern hier Speisen aus aller Welt. Aber ich will weder Sushi noch Chinesischen Wok. Stattdessen genehmige ich mir einen Licuado mit Mango. Die Frucht wird vor meinen Augen frisch aufgeschnitten und dann der Drink unter Beigabe von Milch, Eis und Zucker in einem Mixer zusammengemischt. Mit zwei Gläsern des herrlich erfrischenden Getränks bin ich dann auch wohlgenährt für den Nachmittag.

Dummerweise habe ich auf dem Weg nach Guadalajara in irgendeinem Hotel mein Ladegerät für die Batterien des Fotoapparats liegen lassen, und so mache ich mich im ’Mercado’ auf die Suche nach Ersatz. Ich frage mich zu einem Stand durch, wo es tatsächlich Ladegeräte gibt. Allerdings hat der Verkäufer nichts für eine Nikon zur Hand, verspricht mir aber, das Passende innerhalb von zehn Minuten zu organisieren. Es kostet zwar ein Vermögen (380 Pesos, etwa 35 Franken), aber ich will mir das Vergnügen nicht nehmen lassen, hier auch etwas gekauft zu haben.

Nachher stapfe ich durch den Regen, vermeintlich in Richtung des ‘Palacio del Gobierno’. Bald merke ich, dass ich wohl vom Weg abgekommen bin. Aber diesmal habe ich den Kompass dabei, und schnell bin ich wieder auf richtigen Pfaden.

Der ‘Palacio’ ist in traditionellem kolonialistischen Stil gebaut. Diese Bauten sind normalerweise zweistöckig, mit zwei Patios, wobei der Vordere mit Arkaden umrandet ist und den repräsentativen Teil ausmacht, während die Räume rund um den hinteren Innenhof fürs Dienstpersonal vorgesehen ist.

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Der Palacio ist an und für sich schon ein schönes Gebäude, aber der Grund, weshalb hier viele Besucher herkommen, ist das Wandgemälde im Treppenaufgang in den zweiten Stock. Es wurde von José Clemento Orozco, einem der drei grossen Muralisten Mexikos (Murals = Wandmalerei), geschaffen, und soll die Rolle von Pater Miguel Hidalgo im Befreiungskampf gegen die Spanier, aber auch für die weitere Entwicklung Mexikos illustrieren.

Das Gemälde ist riesig - ca 4000 Quadratmeter - und erstreckt sich nicht nur über die Seitenwände, sondern auch über die ganze Decke, wo ein riesiger Hidalgo Fahnen schwenkend über allem steht. Was mir besonders gefällt sind die witzigen, durch Figuren symbolisierten Darstellungen all der Mächte, die sich irgendwie in Mexiko einzumischen versucht haben, um sich einen Teil des Kuchens schnappen zu können. Hier finden sich Hakenkreuze, Hammer und Sichel, Sterne, die China und auch die USA darstellen und auch ein französischer Hut - alles in einem wilden Knäuel von Figuren. Einfach köstlich!

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Beim Herumschlendern im Stadtzentrum finde ich dann auch noch eine Gruppe witziger Bronzeskulpturen. Es scheint bei den Mexikanern echt nicht immer todernst zuzugehen...

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Am nächsten Morgen mache ich mich dann ohne grossen Abschiedsschmerz wieder auf den Weg zum Busbahnhof. Ich muss zugestehen, dass mir der viele Regen doch langsam aufs Gemüt schlägt. Vielleicht ist es dann bei meinem nächsten Halt besser.

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Eingestellt von greoj 21:34 Archiviert in Mexiko Kommentare (3)

El Chepe - DAS Zugabenteuer in Mexiko

Zur berühmten 'Barranca del Cobre'

Da liege ich nun in einem Hotelzimmer. Draussen regnet es in Strömen, Donnerschläge sind zu hören. Es ist heiss, schwül. Das Zimmer ist wunderschön, wie eine Oase, Es hat zwei grosse, gemütliche Betten, der Boden ist blau gekachelt, die Wände mit Verzierungen bemalt, die Türen und Türrahmen in freundlichem Rot. Und es ist kühler als draussen. Es gibt auch eine Klimaanlage, aber die lasse ich aus, um mich nicht zu erkälten.

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Ich befinde mich in Batopilas, einem weit abgelegenen Ort in der Sierra Tarahumara. Nur eine schmale Naturstrasse verbindet dieses Örtchen mit der Aussenwelt.

Hergeführt hat mich erst mal der berühmte ‘Chepe’, einer der wenigen Bahnlinien in Mexiko. Sie führt von Chihuahua über die Sierra de Tarahumara fast bis zum Pazifik (deshalb eben 'Chepe', steht für “Chihuahua - Pacifico). Den Chepe habe ich in Los Mochis bestiegen. Das nach einigen Anläufen, ein Ticket zu erstehen. Das Problem war nicht, dass es keine gegeben hätte, sondern dass man diese nur am Bahnhof von Los Mochis kaufen kann, und der liegt ziemlich abgelegen ausserhalb der Stadt. Erstmal versuchte ich es zu Fuss und verirrte mich dummerweise in der doch ziemlich grossen Provinzstadt, dann war der Schalter schon zu. Im dritten Anlauf dann klappte alles problemlos, der Billetkauf dauerte ganze fünf Minuten.

Wie konnte ich mich nur in Los Mochis verlaufen? Die Stadt ist mehr oder weniger strikt Schachbrettartig angelegt, da sollte es doch nicht so schwierig sein... Allerdings suche ich auf Google Maps nach einer Karte, kann aber da dummerweise die Strasse nicht recht bestimmen, in der das Hotel liegt. Ohne es zu merken, versteht sich. Vor dem Hotel stehend orentiere ich mich kurz nach der Sonne und trabe dann los. Als ich dann in Sachen Richtungsbestimmung Zweifel bekomme, ist es zu spät - die Sonne steht im Zenit und damit senkrecht über mir. Nachdem ich genug weit weg vom Bahnhof weg bin (!) und ich mir auf Anfrage habe sagen lassen, dass ich echt weit vom Schuss bin, steige ich auf den Bus um. Und ich kann schon fast sagen, der Ärger ist die Sache wert, denn sonst hätte ich das Bussystem einer mexikanischen Kleindstadt wohl nicht kennen gelernt.

Der Fahrer lädt mich erst mal an einem zentralen Busknotenpunkt ab. Da stehen dann etliche Busse eng aneinandergereiht. Von den Linien habe ich natürlich keine Ahnung. Also frage ich den erstbesten Busfahrer. ‘Castro’ sagt er und zeigt auf die Windschutzscheibe. Die “Stationen” sind per Hand auf die Frontseiten gepinselt. Hastig suche ich nach dem passenden Gefährt, aber das ist nicht so einfach, denn auf dem schmalen Gehsteig sind genau vor den Bussen unzählige Marktstände aufgebaut.

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Endlich finde ich den richtigen Bus. Der Fahrpreis beträgt 6 Pesos, umgerechnet etwa 60 Rappen. Ich versichere mich beim Fahrer, dass er auch wirklich zur Bahnstation fährt. Dann geht es los, mit krachender Kupplung. Der Bus ist nicht nur alt, sondern auch nicht ausgelegt für Körpergrössen über 1 Meter 60 oder so. Meine Beine passen kaum in die kleinen Sitzreihen. Angehalten wird auf ein paar wenige Station nur auf Verlangen, dafür mehr oder weniger überall da, wo es dem Fahrgast passt. Und warten musste ich bei all meinen Trips zum Bahnhof höchstens zehn Minuten, und das war an einem Sonntag.

Aber schliesslich bin ich dann doch im Chepe unterwegs, nachem ich um 04:15 aufgestanden bin, da der Zug bereits um 06:00 losfährt, wie schon erwähnt einige Kilometer ausserhalb des Stadtzentrums, und aus irgendwelchen Gründen sollte man auch eine halbe Stunde früher da sein.

Die Fahrt wird erst nach El Fuerte interessant, wo es langsam aber sicher in die Berge geht. Der Fluss ‘El Fuerte’ wird überquert, und nach er Durchfahrt des längsten Tunnels ist man im Bundesstaat Chihuahua, und bald kommt man zu einem doch recht fotogenen Stausee.

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Dann zwängt sich die Bahnlinie in ein enges Tal, in dem wir dann stetig steigen. Insgesamt sind es etwa 2200 Meter Höhendifferenz bis nach Creel. In Temoris erlebe ich das “Wassen” des Chepe: hier hievt sich die Strecke in einem weiten S das Tal hoch und man kann so drei verschiedene Niveaus der Gleise auf einen Blick sehen. Wahrscheinlich sieht man auch denselben Holzschuppen aus drei verschiedenen Perspektiven, aber das verkauft sich halt nicht so gut wie ein ‘Chileli’.

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Während der Fahrt wechselt auch die Vegetation sichtbar. In der Ebene von Los Mochis gibt es viele ausgedörrte Sträucher; später finden sich doch vereinzelt auch grüne Bäumchen und immer wieder ist ein Kaktus zu sehen. Weiter steigend mischen sich Nadelhölzer ein, der Mischwald ist durchgehend grün. Ist man oben in der Hochebene angekommen, gibt es dann überall nur noch Pinienwälder.

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In Divisadero hält der Zug für eine Viertelstunde und man kann aussteigen, eigentlich um am nahen Abgrund der ‘Barranca del Cobre’ ein paar Erinnerungsföteli zu schiessen, aber das sehen die Händler hier anders, und so muss man sich erst mal durch ein Gewirr von Markständen drängen, um den begehrten Ausblick zu erreichen.

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Hier wird man dann noch von Kindern bedrängt, welche mit dünnen Stimmchen, aber doch bestimmt zu kaufen fordern: ‘Compra!’. Es sind wohl Raramuri (vom restlichen Mexiko meist Taramuhara genannt). Raramuri sind die Ureinwohner dieser Gegend, die sich auch heute noch der “normalen” Zivilisation zu entziehen versuchen. Aber ohne Tourismus geht das wohl nicht. Ihre herausragende Eigenschaft soll ein fast unerschöpfliches Laufvermögen sein. Daneben fallen vor allem die meist auffällig rundlichen Frauen durch sehr bunte Kleidung auf.

Etwa eineinhalb Stunden später erreichen wir Creel (das Doppel-e wird als langes ‘i’ ausgesprochen), wo ich aussteige und mich sofort in einer Traube von jungen Leuten befinde, die mir offenbar alle ein Hotel andrehen wollen. Ich frage einen, wo sich denn die ’Casa Real de Minas de Acanasaina’ befinde. Pech gehabt, das Hotel findet sich gar nicht in Creel, sondern in Batopilas, eine kleine Weltreise entfernt. Er bietet mir als “Ersatz” ein Zimmer in seiner ‘Casa Real de las Ich-han-doch-kei-ahnig-meh’ an. Preis: 150 Pesos (weniger als 15 CHF), absolut unschlagbar, und ich bin dementsprechend skeptisch. Tatsächlich ist das Zimmer einfach, aber doch gemütlich eingerichtet. Bad und WC gibt es auch und sogar WiFi. Nun ja, fliessendes (dafür dann auch richtig heisses) Wasser gibt es nur auf Anfrage und das WiFi funktioniert nur vor, aber nicht im Zimmer. Aber was soll’s, solche Bleiben werden ich wohl noch ein paar mal antreffen, ich habe ein Bett und ein Dach über dem Kopf!

Und Creel ist ein richtig netter Ort, ein ehemaliges Holzfällerdorf auf rund 2300 Metern über Meer, und man sieht viele Männer mit immer demselben hellen Modell von Cowboyhut und ab und zu auch noch einen Reiter. Der Ort hat sich eindeutig für den Tourismus eingerichtet, was aber vor allem in einer fein herausgeputzten Hauptstrasse mit bunten Fassaden Ausdruck findet. Hotelbunker sind hier Fehlanzeige.

Am nächsten Tag wäre eigentlich eine Fahrt mit kleiner Wanderung zu heissen Quellen gewesen, organisiert von meinem Hotelier, aber irgendweshalb werden die Pläne geändert, und so entschliesse ich mich, stattdessen ein Fahrrad zu mieten. Dazu gibt es gleich auch noch eine Karte mit der “Standardtour”, wobei es mehr eine Skizze ist.

Die Fahrt führt durch die weite Hochebene, wo sich zwischen den Pinienwäldern weite, fein säuberlich eingezäunte Felder finden. Diese sehen alle sehr gepflegt aus, auch wenn sich die Farmer (Raramuris) sich mit sehr bescheidenen Ackergeräten begnügen.

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Im Valle des los Monjes (Affental) finde ich wieder einmal skurrile Felsformationen.

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Als ich dann schon ein wenig müde werde, komme ich am schönen Lago de Ararenka vorbei.

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Ich komme allerdings nicht zum Schwimmen, denn es zieht ein Gewitter auf und ich radle einigermassen schnell wieder zurück nach Creel.

Am nächsten Morgen dann geht es los, für einmal zu einer normalen Zeit (09:30): ich besteige mit Sack und Pack den Bus nach Bartopilas. Erst geht es wieder durch die Hochebene, dann führt die Strasse immer tiefer in die Taleinschnitte des Schluchtensystems des Rio Urique. Ein Höhepunkt ist die Durchquerung der ‘Barrancha del Cobre’. Nach etwa zwei Stunden biegen wir ab, und schon bald fahren wir auf einer Naturstrasse, die immer enger und unruhiger wird. unruhiger. Eine junge Mexikanerin wiegt schon auf der ganzen Fahrt ihr Baby im Arm, aber das Gerüttle wird dem kleinen Kind jetzt zu viel und es beginnt laut zu schreien. Kaum zu hören allerdings, da Motoren- und Fahrgeräusche nun einen wesentlich höheren Pegel erreichen. Und dann öffnet sich vor uns eine tiefe Schlucht und an deren Hängen windet sich dieser Feldweg in langen Serpentinen direkt nach unten. Die Fahrt ist halsbrecherisch - oft fehlt ein halber Meter, und wir würden in den Abgrund stürzen!

Aber der Busfahrer kann das, das ist sein Job, der hat das schon vorgestern und gestern gemacht und will das auch noch morgen und übermorgen. So freue ich mich über das Spektakel und die faszinierende Landschaft, die noch imposanter wird, desto tiefer wir uns zum Talgrund vorkämpfen. Fast eine Stunde quält sich der Bus in die Tiefe, dann geht es über eine kleine Brücke. Weitere zwei Stunden holpern wir talabwärts, immer auf diesem unbefestigten, engen Strässchen. Schliesslich erreichen wir eben Batopilas. Es ist eine ehemalige Minenstadt. Und hier ist dann auch das Hotel, in dem ich mich einquartiere will, die ‘Casa Real de Minas de Acanasaina’. Kein Problem, ein Zimmer zu kriegen; so wie ich das sehe, bin ich der einzige Gast. Der Übernachtungspreis: 300 Pesos, das sind weniger als 30 Franken. Nur einen Fernseher gibts keinen. Und für einmal auch kein WiFi und keinen Handy-Empfang. Ich bin quasi von der Aussenwelt abgeschlossen

War ich schon in Creel der einzige Weisse, so bin ich hier definitiv ein Fremdkörper. Nur wenige Leute grüssen, einige schauen sogar weg, aber die meisten tun so, als ob ich gar nicht da wäre. Ein kleiner Junge sagt zu mir, was wohl viele denken: 'Gringo'. Ich bin zu überrascht, um den Bengel darüber aufzuklären, dass ich keineswegs ein Gringo (Amerikaner) sondern ‘Suizo’ bin. Der hätte ja was von gestaunt, nämlich...

Der Ort ist erstaunlich gross, wenn man bedenkt, dass alles über diese Schotterstrasse hergekarrt werden muss. Bis vor etwa dreissig Jahren wurde hier Silber abgebaut - im Museum des Orts kriege ich einen Steinbrocken zu sehen, durch den eine deutliche Silberader läuft. Aber heute? Etwa 60 Prozent Tourismus. Der Rest: na, wohl noch ein bisschen Landwirtschaft, nach all den Tierchen, die hier durch die Strassen spazieren (Kühe Esel, Schweine, Pferde...). Und? Gerüchteweise wird in der Gegend ziemlich intensiv Marihuana angebaut, und tatsächlich rieche ich hier im Ort den Duft von “Gras”.

Meine Wandertätigkeit beschränkt sich auf einen Spaziergang am nächsten Morgen etwas in die Höhe und dann noch gegen Abend, um die Mittagszeit ist WM angesagt.

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Am nächsten Morgen geht es dann früh los, der Bus fährt schon um 05:00 morgens. Den Schlüssel lasse ich im Zimmer liegen und torkle noch etwas schlaftrunken in die schwach beleuchtet Hauptgasse. Da draussen sitzt doch tatsächlich die Besitzerin und fragt mich so ganz nebenbei nach dem Schlüssel.

Die Fahrt zurück ist wieder superschön, mit dem Vorteil, dass man jetzt gleich zu Anfang durchgerüttelt wird und nachher die glatten Strassen folgen. Durch die kurze Nacht gelingt es mir sogar, im engen Bus etwas zu dösen.

Heute quartiere ich mich im teueren “Best Western” ein, ist schliesslich mein Geburtstag. Hier gibt es einen riesigen Flachbildschirm, und mir bietet sich die Möglichkeit, zum ersten mal an dieser WM die Schweizer spielen zu sehen. War dann aber nix, gezeigt wurde Spanien - Chile und da die Schweizer kein einziges Tor zustande brachten, blieben sie im mexikanischen Fernsehen unsichtbar. Dafür bekomme ich in der Pause einen Anruf von zu Hause, das macht schon Stimmung!

Am nächsten Tag nehme ich dann den Chepe zurück Richtung Pazifik, steige aber schon in El Fuerte aus. Hier ist die Bahnstation noch viel weiter weg vom Ortskern als in Los Mochis und ich lasse mich dazu überreden, in einem einigermassen teuren Hotel unterzukommen, dafür aber gleich auch dahingefahren zu werden.

Der Ortskern von El Fuerte ist klein, aber sehr schmuck, im alten Kolonialstil und typisch mexikanisch mit wunderbar farbigen Fassaden.

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Auf dem zentralen Platz (der hier irgendweshalb nicht ‘Zocalo’ genannt wird) gibt es am Abend zwei musikalische Events. Dass sie akustisch nicht aneinander vorbeikommen, scheint irgendwie nicht zu stören. Ein ziemlich lauter ‘Ich bin auch ein Singstar’-Event und ein noch lauteres, politisch gesponsertes Rockkonzert machen sich Konkurrenz. An diesem Abend hätte ich noch von akustischer Zumutung gesprochen, aber das relatiert sich am nächsten Tag. Auf dem Föteli von der Sonnenuntergangsstimmung ist davon ohnehin nix zu hören...

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Eingestellt von greoj 21:35 Archiviert in Mexiko Kommentare (2)

Baja California - angekommen in Mexiko

Auf dem Bus durch die Halbinsel


View Eimal ume auf greoj's Reise-Karte.

Hinweis zu den Fotos: diese lassen sich in grösserem Format betrachten - einfach draufklicken. (Mit der rechten Maustaste bekommt man sie in ein separates Fenster). Ausserdem lassen sich die Fotos auch in der Fotogalerie separat anzeigen, wo man auch Kommentare anbringen kann. Viel Spass!

Bei der letzten Gelegenheit buche ich in den USA doch noch einen Bus. Wie sich herausstellt, handelt es dabei allerdings nicht um einen klassischen Greyhound, sondern um einen Crucero - eine Buslinie, die die mexikanische Grenze überquert. Das tut soweit nichts zur Sache, bis wir dann eben in Tijuana an der Grenze sind. Da ich in Mexiko als Europäer eine Touristenkarte lösen muss und dieser Prozess hier nicht besonders zeitoptimiert abläuft, lässt mich der Busfahrer kurzum an der Grenze stehen. Ich sehe ihn dann eben mal abfahren, wie ich mit vollständigen Dokumenten das Zollgebäude verlasse. Zum Glück habe ich alle Habe dabei, da eigentlich eine Gepäckkontrolle angestanden hat. Nun ja, hier gibt es zum Glück haufenweise Taxis und für 10 Dollar werde ich dann zum Busbahnhof gebracht.

Im Internet war zu lesen, dass die Busse in der Baja nicht ganz dem mexikanischen Standard entsprechen.Der Bus ist sieht von aussen besser aus als von innen, aber ich muss mich nicht gross sorgen. Ich passe einigermassen in den Sitz, die Videos, die abgespielt werden, sind nicht zu laut und in der Nacht ist dann sowieso Ruhe.

Am Abend fahren wir immer wieder durch Gegenden mit Landwirtschaft, es scheint hier eine doch noch fruchtbare Gegend zu sein, und die Strecke ist auch abwechslungsreich: mal sind wir an der Pazifikküste, mal fahren wir durch Hügel.

Ich schlafe doch einigermassen gut, zumal mich mein Sitznachbar irgendwo um Mitternacht verlässt. Am nächsten Morgen dann erwartet mich erst einmal eine karge Landschaft, mehrheitlich eben und mit grossen Kaktus durchsetzt. Dann erreichen wir die Sea of Cortez und wir passieren eine lange Bucht, an der es immer wieder Strände mit wunderbar hellem Sand gibt. Das gibt mir auch die Möglichkeit, mich auf der Karte zu orientieren und so zu wissen, wo wir uns befinden. Meine Destination ist Loreto und es ist einfach, sie auszumachen. Allerdings sind wir eine Stunde eher da, als ich erwartet hatte. Ein späterer Blick auf die Karte bestätigt dann: ich bin wieder eine Zeitzone weiter östlich, also wieder nur 8 Stunden Zeitverschiebung zur Schweiz.

In Loreto mache ich dann mit Sack und Pack in Richtung Strand. Die Hotels da gefallen mir etwas weniger, und so entscheide ich mich das Plaza de Loreto nahe am Ortskern. Natürlich mache ich dann mal erst Siesta, um den etwas gestörten Schlaf während der Busfahrt zu kompensieren. Am Abend mache ich mich zur Strandpromenade - dem Malecon - auf. Hier herrscht nicht gerade ein Riesentrubel, so kann ich ungestört die friedliche Dämmerungsstimmung geniessen.

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Am nächsten Tag kann ich eine Fahrt zur nahen Insel Coronado buchen. Da ich der einzige Gast bin, wird es mit etwas über 90 Dollar doch etwas teuer. So fahre ich also mit meinem Privatkapitän auf die kleine Insel zu.

Erst einmal fahren wir zur Rückseite, wo als erstes wunderschöne Felsformationen auffallen:

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Und um die nächste Ecke bekomme ich eine kleine Seelöwenkolonie zu sehen:

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Auch Vogelkolonien gibt es auf den skurrilen Felsen, aber ich kann nicht herausfinden, wie diese Tierchen denn auf Deutsch heissen. Weiter geht es dann zu der Baja de Loreto, einem kleinen, wunderschönen Sandstrand, wo das Boot von Pelikanen begrüsst wird.

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Ich möchte gern auf den höchsten Punkt der Insel, wohin es auch einen Weg geben soll. Aber entweder handelt es sich bei dem Weg mehr um ein Gerücht oder aber ich verliere ihn aus den Augen. Ich versteige mich in endlosen Bergen von Brocken vulkanischen Gesteins. Diese sind porös und die Oberfläche des Gesteins ist somit rauh. Jetzt sehe ich, dass ich mit meinen offenen Sandalen nicht so gut bedient bin, obschon sich diese im gebirgigen Petra bestens bewährt haben, auf Wegen halt. Hätte doch die Wanderschuhe mitnehmen sollen, die ruhen sich jetzt im Hotelzimmer friedlich aus.

Ich turne sicher eine Stunde über die Geröllhalden, dann gebe ich es auf. Kein Gipfel heute, der ‘Capitano’ hat mich schon gewarnt, dass es eher eine mühsame Tour werden könne. Wenigstens sehe ich erstmals diese Kakteen von nahe. Und der Blick zurück auf den Strand lässt in der Hitze doch auch etwas Paradiesstimmung aufkommen.

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So kehre ich zum Strand zurück. Ich habe ja extra eine Schnorchelausrüstung gemietet. So mache ich mich auf ins kühle Nass. Welch herrliche Abwechslung, nachdem ich auf der dürren Insel ordentlich ins Schwitzen gekommen bin. Die Sicht im Wasser ist allerdings wenig berauschend. So irre ich zwischen Pelikanen ein bisschen in der Bucht herum, bis ich auch da aufgebe. Ein paar Fischchen und korallenartige Formen habe ich ja doch erspäht und zum Schluss verfolge ich noch einen Kofferfisch durchs seichte Wasser. So bin ich doch ganz zufrieden mit dem Schnorcheln und zudem herrlich erfrischt. Ich lasse mich dann auch noch für Euch ablichten, so dass Ihr sehen könnt, dass es mich tatsächlich noch gibt.

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Am nächsten Morgen mache ich dann auf zum Bus, der mich in etwa fünf Stunden nach La Paz bringt. Hier finde ich nach etwas Suchen ein Hotel, das sich als Pension (Casa des Huespedes) herausstellt. Das Zimmer ist dementsprechend einfach und von aussen mit einem Vorhängeschloss versehen. Es gibt kein richtiges Fenster, sondern nur eine Art Holzjalousie, die die Luftzirkulation ermöglicht. Die Bettdecke hat Löcher, aber es scheint sonst sauber. Das Zimmer ist klein, aber das freundliche hellblau lässt es dennoch freundlich wirken. Und: auch hier gibt es WiFi. Unglaublich, ich dachte, in Mexiko sei die Zeit der Internetcafes angebrochen, aber dank meines kleinen Netbooks bin ich weiterhin recht gut online.

In La Paz gibt es wiederum einen Malecon, an dem aber einiges mehr los ist als im kleineren Loreto. So trifft man hier bei Sonnenuntergang viele Familien und auch das eine oder andere turtelnde Pärchen, die den Tagesausklang geniessen. Gegen Mittag des nächsten Tages bringt mich dann ein Bus zum Terminal der Fähre, das etwa zwanzig Kilometer ausserhalb der Stadt liegt. Ohne Probleme erhalte ich eine Fahrkarte und so habe ich noch einige Wartezeit, bis ich an Bord des Schiffs kann. Vor dem Gebäude steht ein Fernseher, um den sich mehr und mehr Leute versammeln, denn es spielt Mexiko gegen Frankreich. Eine willkommene Abwechslung und so setze ich mich dazu. Das Bild ist nicht von berauschender Qualität und jedes Mal wenn nebendran ein Laster vorfährt, fängt es an zu flackern. Als ein langer Lastenzug vors Gebäude rollt, ist der Empfang ganz im Eimer. Die Leute protestieren, aber sie lachen dazu und nehmen es ziemlich gelassen. Mexiko schiesst zwei Tore; die Leute brechen zwar in Jubel aus, aber es ist doch eine zurückhaltende Freude. Wahrscheinlich sind hier auch nicht die fanatischen Anhänger versammelt, die hätten sich die Schifffahrt auf einen anderen Termin legen lassen....

Und dann betrete ich für ein paar Stunden wieder ein grösseres Schiff. Natürlich kein Vergleich zur Pona.

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Pünktlich verlassen wir den Hafen und ich kann nochmals in die schöne Bucht von La Paz zurückblicken.

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Ich halte mich oft an Deck auf, denn während langen Teilen der Fahrt sind in der ruhigen Sea of Cortez Landzungen und Inseln zu sehen. Als wir dann mehr oder weniger auf offener See sind, suche ich mir ein ruhiges Plätzchen, was sich allerdings als schwierig herausstellt, denn in der komfortablen Bar mit den Polstersesseln ist ein lautes Karaoke im Gang, welches ich unbedingt nicht hören will. Zur Not mache ich in der Cafeteria ein Nickerchen. Man hätte auch eine Kabine buchen können, aber das hätte den Fahrpreis fast verdoppelt.

Die Sonne ist bereits untergegangen, als wir auf den Hafen von Topolobampo zusteuern.

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Hier kommt sogar ein Lotse an Bord, denn es gibt in der scheinbar weiten Bucht doch einige auch für den Laien erkennbare Untiefen. Als wir anlegen, ist es schon dunkel. Ich sehe die Lichter des nahen Orts. Für einen Fussmarsch sind sie definitv zu weit entfernt. Wie komme ich nun weiter?

Als ich aus dem Hafen komme, löst sich das Problem von selbst, denn es gibt hier einen Shuttlebus nach Los Mochis, wo ich ja eigentlich hin will. Es ist ein klappriges kleines Ding. das Gepäck wird einfach auf die hintersten Sitzreihen gepackt und der Fahrpreis wird unterwegs eingezogen, während wir mit Geholper durch die Nacht tuckern. Hauptsache ist, dass es vorwärts geht.

In Los Mochis fackle ich dann nicht mehr lange, ich lasse mich auf die erste Hotelempfehlung ein, und als die Wegerklärung etwas unsicher scheint, nehme ich kurzerhand ein Taxi. Das Hotel ist sauber und bezahlbar, und so freue ich mich auf die verdiente Nachtruhe, noch ohne Ahnung, dass ich diese besser nicht zu lange andauern liess. Aber davon später...

Eingestellt von greoj 21:49 Archiviert in Mexiko Kommentare (1)

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