Reise blog von Travellerspoint

Australien: Sydney und die Blue Mountains

Von der schönen Oper und den 3 Schwestern


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In Sydney verbringe ich meine ersten australischen Nächte in einem "Backpackers" im Stadtteil 'Kings Cross', welcher in unmittelbarer Nähe zur Innenstadt liegt. Inbegriffen im Preis ist der Transfer vom Flughafen. Ich soll ein Pärchen suchen, dass da auf denselben Shuttle wartet. Beim Pärchen handelt es sich um junge Schweizer, die nach 26-stündiger Reise nun schon fast zwei Stunden gewartet haben und nichts mehr als Schlaf brauchen. Auch ich fühle mich nach 3 Stunden Flug und etwa 10 Minuten etwas abgespannt... Im nahen Einkaufszentrum besorge ich etwas Bier als Schlummertrunk, dazu leider auch zwei Packungen Pommes Chips, welche sich als unwiderstehlich herausstellen, so dass die erste Packung schnell weggeputzt ist.

Am nächsten Morgen mache ich mich bei Sonnenschein zu Fuss auf ins Stadtzentrum. Schon nach wenigen Metern sehe ich die Spitzen der berühmten Dächer, und nach etwa vierzig Minuten dann die ganze Pracht: das berühmte Opernhaus von Sydney, vor dem Hintergrund der 'Harbour Bridge'.

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Opernhaus und Harbour Bridge

Natürlich begutachte ich diese Ikone moderner Architektur auch aus der Nàhe. Abgesehen von der kunstvollen Bauweise kann man hier auch den Blick in die City bewundern.

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Skyline von Sydney vom Opernhaus gesehen

Die Innenstadt ist piekfein und geschäftig: zwischen gestylten Hochhäusern und einigen viktorianischen Altbauten trifft man viele 'White Collars', die sich zwischen zwei Meetings einen Kaffee über die Gasse ergattern. Von australischer Lässigkeit ist wenig zu spüren. Nachdem ich mir im Hafen einen Bagel gegönnt habe, gehe ich zurück in die Oper, eigentlich, um eine Führung zu buchen. Stattdessen sehe ich, dass am selben Abend eine Mahler Sinfonie gespielt wird. Ich frage die Kassiererin noch, ob ich auch mit meinen Reiseklamotten ins Konzert gehen könne. 'Kein Problem', meint sie, hier gehe niemand gestylt ins Konzert.

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Alt und Neu in der Innenstadt von Sydney

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'Victoria Building' - gediegenes Warenhaus im viktorianischen Stil (sic!)

Bei den am Abend zur Mehrheit erscheinenden 'Niemands', die doch sehr adrett angezogen erscheinen, dürfte es sich zu einem guten Teil um Touristen handeln. Mich hat natürlich auch Wunder genommen, wie die zwei segelförmigen Dächer zum Raumprogramm einer Oper passen. Es stellt sich heraus, dass das westliche Dach vom Konzertsaal voll ausgefüllt wird. Nach dem Muster der Philharmonie in Berlin sitzen die Zuschauer ums Orchester herum.

Was könnte mir die wunderbaren akustischen Möglichkeiten eines Orchesters besser wieder in Erinneung rufen als eine Mahler-Sinfonie. Gespielt wird die Vierte, welche ich noch nicht kannte. Weniger tief als Mahlers Sechste, die bislang mein -Favorit ist, besticht sie durch üppig-satte Passagen und gelungene Klangfarben. Dass vorher noch das Klarinettenkonzert von Mozart gegeben wird, sei auch noch vermerkt. Gespielt von Dimitri Ashkenazy, während sein Vater das ganze Konzert dirigiert. Es wäre fast eine meiner Lieblingsinterpretationen geworden, mit wunderschön weichen Klängen und feinen Pianissimo-Passagen, aber leider erlaubt sich der Solist auch einige kleine 'Umkompositionen'. Aaah.... Beim Mozart-Klarinettenkonzert bleibe ich als Klarinettist Purist.

Voller Klänge im Kopf verlasse ich den Saal, da berauschen mich hintern den grossen Fenstern des Foyers die nächtlichen Blicke auf die Harbour Bridge und die Innenstadt, als wäre es ein Aussenpanorama, das zum Vergügen des Konzertbesuchers hingebaut worden wäre. Wundervoll! Das Konzert wird zu meinem absoluten Highlight in Sydney.

Am nächsten Morgen setze ich die Jogging-Serie an berühmten Stätten fort, nach Central Park in New York, National Mall in Washington, Hollywood (naja, ein Friedhof, aber was soll's) nun also die Oper von Sydney. Am Nachmittag fahre ich zu einer Dienststelle des indischen Konsulats und werde da meinen Pass los: das Visum ist hier offenbar nicht an einem Tag zu erhalten. Da ich in Australien keine Postadresse angeben kann, bedeutet das, dass ich wieder nach Sydney zurückkommen muss.

Am nächsten Tag mache ich mich per Zug auf in die etwa 60 Kilometer westlich von Sydney gelegenen Blue Mountains auf. Ich steige in Katoomba aus, 'good old Katoomba' gemäss Lonely Planet. Tatsächlich sieht hier alles etwas ältlich aus, ohne die modernen Autos würde man sich hier tatsächlich eher in den Siebzigern des vergangenen Jahrhunderts wähnen.

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"Good old Katoomba"

Zum Abendessen gibt es in einem typischen Saloon ein akzeptables Steak und ein lasches, überkohlensäuertes Bier, welches mir vom Barkeeper empfohlen wird. Offenbar wartet man hier auch auf die Darbietung einer lokalen Band, aber irgendwie kann ich mich nicht dazu durchringen, noch eine weitere Stunde auf 'Aussie Country Style' zu warten. Bald bin ich zurück in meinem kleinen und einfachen Hotelzimmer. Ich schaue mich um und stelle fest, dass es irgendwie genau das ist, was ich auf meiner Reise möchte: kein grosser Luxus, zweckmässig und doch ein bisschen gemütlich. Gute Nacht!

Auch am nächsten Morgen kann ich mir ein üppiges australisches Frühstück mit Würsten, Speck, Schinken, Eiern und Toast nicht verkneifen. Aber nachher wandere ich erst mal etwas mehr als einen Kilometer zum Südrand der Kleinstadt, um einen Blick auf die berühmten 'Three Sisters' zu werfen, welche wohl widerspruchsfrei als Wahrzeichen der 'Blue Mountains' bezeichnet werden können.

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Die 'Three Sisters' bei Katoomba

Aber noch besser als nur einfach von der Aussichtplattform auf die nett geformten Felsen zu glotzen gefällt mir der Abstieg an deren Flanke in die weiten bewaldeten Niederungen.

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Blick in die Blue Mountains von den 'Three Sisters'

Der Weg ist über weite Strecken sehr gut befestigt. Nur einmal wird es arg ruppig, als die Gesteinsmassen eines Bergsturzes überquert werden müssen. Dieser hat sich in den Dreissigerjahren ereignet, verursacht durch zu intensiven Bergbau in den Flanken der Blue Mountains. Mein Ziel ist das 'Ruined Castle', eine völlig natürlich entstandene Stätte von übereinandergetürmten Felsen, die aber in der Tat etwas an eine alte Burg erinnern.

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Blick vom 'Ruined Castle'zurück auf das Hochplateau bei Katoomba

An diesem Abend gönne ich mir wieder einmal etwas "normale" Zivilisation und ziehe mir den neusten "Harry Potter" im monströsen örtlichen Panoramakino rein. Auch das kein Film, den man unbedingt gesehen haben muss, aber ich hoffe, das eigentliche Finale bietet dann einen würdigen Schlusspunkt zur teilweise doch gelungenen Filmserie.

Am nächsten Tag fahre ich mit dem Zug ein paar Kilometer ostwärts und gelange dann unweit der Bahnstation auf einen Wanderweg, der mich durch ein liebliches Tal führt.

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Liebliches Bächlein auf dem Weg zu den 'Wentworth Falls'

Etwas weiter gegen Süden hat sich das so unscheinbare Bächlein schon etliche Meter in die Hochebene gegraben, dann stürzt sich das Wasser mehrere Meter über eine Steinstufe. Und schliesslich stürzt das Bachbett scheinbar ins Nichts ab und der Blick öffnet sich in das weite 'Jamison Valley'. Ein spektakulärer Weg führt dann durch senkrechte Felsen hinab in die Tiefe, von wo man dann die ins Nichts spritzende Gischt bestaunen kann. Ein echter Knaller diese 'Wentworth Falls', besonders natürlich bei diesem wunderbaren Wetter.

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Wentworth Falls in den Blue Mountains

Am folgenden Tag ist Sonntag, und ich nehme es gemütlich, gönne mir ein weiteres üppiges Frühstück (siehe oben), natürlich mit Kaffe Latte (siehe auch die Berichte zu Neuseeland) und schlendere gelegentlich Richtung Bahnstation, um den Zug zurück nach Sydney zu nehmen. Dass es in Strömen zu regnen beginnt, stört mich erst dann, als ich zurück in der Grossstadt nach einer Bleibe suche. Beim zweiten Anlauf werde ich in der 'Central YHA' fündig, welche den Charme eines Spitals versprüht, aber tadellos sauber und zudem nahe am Bahnhof gelegen ist. Am nächsten Morgen früh soll es dann Richtung Melbourne gehen.

Eingestellt von greoj 04:10 Archiviert in Australien Tagged sydney katoomba blue_mountains three_sisters wentworth_falls

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Kommentare

Hoi Jöge
Wieder mal wunderhübsche Fotos! Gut, dass Du zum ruined castle geschrieben hast, es sei natürlich entstanden, beim ersten Scrollen durch die Fotos habe ich wirklich nicht recht gewusst, was Du da wohl aufgenommen hast...
Ich nehme an, dass Deine Australien Aufzeichnungen noch im Entstehen sind - zwischendurch musst Du auch noch die Weiterreisen (mit n am Schluss, kein Tippfehler) organisieren). Somit freue ich mich jetzt schon auf die grosse weite australische Fortsetzung!
Urs
p.s: ein Studienkollege von uns war echt verrückt nach Australien... ist es vielleicht immer noch, ich weiss es nicht.

von Urs Hunziker

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