Reise blog von Travellerspoint

Neuseeland - Nordinsel

Angekommen am anderen Ende der Welt


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Sydney, 29. November 2010

Neuseeland stand nicht von Anfang an auf meiner Liste der möglichen Destinationen und hat sich dann erst so langsam eingeschlichen, erst wollte ich drei Wochen dahin, zum Schluss wurde es dann ein voller Monat. Ich würde es nicht bereuen, um es gleich mal vorwegzunehmen.

Die Landung war schon fast ein Kulturschock, nach den vielen Wochen in Lateinamerika, nach Rapa Nui und Tahiti. Schon aus der Luft sieht alles so piekfein aus. Ist es irgendwie auch, zumeist bestens organisiert, sauber, gute Infrastruktur, höfliche Bewohner. Ja, das Ganze kommt ein bisschen bieder daher. Aber was stört das mich als Schweizer, wenn es dazu ausgezeichneten Kaffee, internationale Küche und vor allem diese wahnsinnigen Landschaften gibt?

Dass am Flughafen kontrolliert wird, ob ich meine Wanderschuhe auch schön sauber geputzt habe, passt allerdings nur vordergründig ins Bild (ein Test, den ich notabene mit Bravour bestanden habe - die Wanderschuhe reisen ja auch in unmittelbarer Nähe meines Necessaires mit, da ist allzu viel Schlamm einfach störend...). Bei der Kontrolle geht es in der Tat um etwas anderes, es soll nämlich verhindert werden, dass unkontrolliert fremde Spezies eingeschleppt werden. Neuseelands Fauna und Flora hat sich über Jahrtausende isoliert entwickelt und hat sich dann als äusserst empfindlich gegenüber von Kolonialisten eingeführten Tieren und Pflanzen erwiesen. Säugetiere hatten ein leichtes Spiel, und heute päppelt man Arten wie den Laufvogel Kiwi - falls es irgendwer noch nicht gewusst haben sollte, ein Nationalsymbol der Neuseeländer - mit aufwändigen Massnahmen wieder auf.

In Auckland verbringe ich 3 Tage, in erster Linie, um meine Reise durch Neuseeland zu organisieren. Ich brauche einen Mietwagen und eine einfache Campingausrüstung. Daneben geniesse ich das wunderbare Essen und den herausragenden Kaffee, auf den ich in Südamerika weitgehend verzichtet habe. Die "Large Latte" werden fast schon zur Sucht, und ich plane ein, wann ich den nächsten Latte trinken kann, ohne meinen Magen zu überstrapazieren und ohne meinen nächtlichen Schlaf zu gefährden.

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Auckland: Blick vom 'Sky Tower' auf den Hauraki Golf

Natürlich ein Muss ist der Besuch des Skytowers, des Fernsehturms mit Aussichtplattform. Daneben schlendere ich nach Kochrezept aus dem 'Lonely Planet' durch Strasse und Pärke. Nicht fehlen darf der Viaduct Harbor, der Heimathafen des fantastischen Americas Cup Abenteuers der Alinghi im Jahr 2003.

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Auckland: Viaduct Harbor - Stätte America's Cup 2000 und 2003 (Alinghi!)

Da man in Neuseeland mindestens einmal mit einem Segelschiff unterwegs gewesen sein muss, mache ich ein paar Tage später (auf der Durchreise in den Süden) sogar einen zweistündigen Törn mit einer ehemaligen Americas Cup Yacht. Dabei schiessen wir auch mit ordentlich Schlagseite durch die Wellen des Hauraki-Golfs.

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Auckland: mit einer ehemaligen America's Cup auf dem Hauraki Golf

Das macht mir als Angehöriger einer (ehemaligen) Seglernation natürlich wenig aus.

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Auckland: Segeln auf dem Hauraki Golf

Und ja, auch ich bin jetzt ehemaliger temporärer Steuermann einer Americas Cup Yacht. Unserem Kapitän kann ich allerdings nicht gross imponieren - als ich erwähne, dass ich Schweizer bin, zuckt er nur bedauernd die Schultern, weil Alinghi den Cup so sang und klanglos wieder verloren hat. Kein Wort von unserem gloriosen 'zu Null' Sieg in 2003". Damals, als wir eben noch eine Seglernation waren.

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Auckland: Abendlicht im Viaduct Harbor

Mein Gefährt für die nächsten 4 Wochen ist ein weisser Nissan Sunny, offenbar ein bewährtes Modell für Neuseeland, denn ich sehe mein Auto öfters irgendwo parken oder um eine Ecke biegen. Zum Glück kann ich mir schnell meine eigene Nummer merken. Die ersten Kilometer führen mich in den Norden, zur malerischen 'Bay of Islands' im Norden von Auckland. Wie alles in Neuseeland macht die Landschaft einen unheimlich wohlsortierten Eindruck. Die Wiesen strahlen in saftigstem Grün (es ist ja quasi Mai hier), und auf den Weiden wächst das Gras so regelmässig, dass ich schon fast glaube, dass hier die Weiden gemäht werden, bevor die Schafe drauf losgelassen werden. Im geschichtsträchtigen Russel (erste permanente europäische Siedlung auf Neuseeland) stelle ich zum ersten mal auf einem piekfeinen Campingplatz mein Zelt auf, buche aber auch gleich mal eine Übernacht-Ausfahrt. In einer umgebauten Autofähre, die wie eine umfunktionierte Zündholzschachtel aussieht geht es am folgenden Nachmittag in die schöne Buchtenwelt. An Bord befindet sich - Besatzung eingeschlossen - nur gerade ein Neuseeländer. Die Gäste sich allesamt nicht von hier. Amerikaner, Spanier, Israeli, Australier. Nachts machen wir eine kleine Ausfahrt mit Kayaks. Im Schatten des aufgehenden Mondes können wir phosphoreszierende Algen sehen. Taucht man das Paddel ins Wasser, beginnt es rundherum geheimnisvoll zu leuchten. Wunderschön. Am nächsten Morgen besuchen wir noch eine der unzähligen Inseln mit obligatem Sandstrand und geniessen die Aussicht von einer kleinen Anhöhe.

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Bay of Islands

Auf dem Weg in den Süden mache ich - wie schon erwähnt - nochmals bei Auckland Halt. Am Abend gehe ich zum allerersten mal auf dieser Reise ins Kino: 'The Town', muss man nicht gesehen haben.

Bei der Weiterfahrt mache ich zum ersten mal wirkliche Bekanntschaft mit den Weiten der Landschaft.

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Westlich der Bay of Plenty: Ausblick

Gegen Abend komme ich zum 'McLaren Falls' Park. Hier soll man nachts Glühwürmchen beobachten können. Eigentlich wollte ich hier ein Tour buchen, aber hier ist keine Menschenseele mehr. Im Park ist offenbar Camping erlaubt, also warum nicht einfach hier bleiben und die Glühwürmchen selber suchen.

Ich fahre ein bisschen im hügeligen Park rum und stelle dann mein auf eine grosse einsame Wiese. Erst habe ich den Eindruck, ich wäre der einzige Gast hier, aber beim Dämmerungsspaziergang begegne ich am See im Park einer jungen Deutschen, die allerdings gerade mit ihren Liebsten telefoniert, weshalb wir nicht ins Gespräch kommen. Nachts mache ich mich dann bewaffnet mit meiner Stirnlampe in ein dunkles Tälchen auf. So sehe ich natürlichAls ich neben meinem Lichtkegel etwas ganz leise aufleuchten sehe, schalte ich die Lampe aus, und dann umgeben mich die leuchtenden Glühwürmchen wie eine Milchstrasse, die sich über die Böschungen wölbt. Wunderschön, und ganz für mich allein. Beim Rückweg zu meinem Zelt begegne ich dann noch einem Parkwächter, aber sonst hat sich heute offenbar niemand herbemüht.

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McLaren Falls Park: genug Platz für mein Zelt

Am nächsten Morgen mache ich mich nach Rotorua auf, einem der ganz bekannten Tourismusmagneten im Land. Hier gibt es warme Quellen, einen schönen See und ausserdem ist es eine Hochburg der Begegnung mit der Kultur der Maoris, der neuseeländischen Ureinwohner. Also buche ich einen Besuch eines Maori-Dorfes, der mit einem trafditionellen Festschmaus gefeiert werden soll. Das Ganze kommt dann sehr touristisch daher. Aber was erwartet man denn, die Maori haben sich längst schon der modernen Zeit angeschlossen. Die Vorführung von Tänzen und kleinen Kunststücken gibt wohl dennoch einen ungefähren Eindruck der Ureinwohner, die ja polynesischer Abstammung sind. Früher provozierten sie ihre Gegner noch mit herausgestreckter Zunge, um zu zeigen, wie gross ihre Lust war, ihren Widersacher nicht nur niederzumetzeln, sondern dann auch gleich zu verspeisen. 'Früher hätten sie uns Gäste vielleicht noch gekocht', wird uns erklärt, aber das brauchen sie heute dank McDonalds nicht mehr.

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Rotorua: am See

Nach einem Spaziergang an den Gestaden des Sees fahre ich etwa 30 Kilometer südlich zu heissen Quellen, wo ich mich bei wunderbarer Aussicht weichkochen lasse (ohne von Maoris gegessen zu werden). Das Bad wird tatsächlich von einem fast kochendheissen Fluss gespeist, der sich ab der Quelle noch etwa 3 Kilometer unter Dampf durch die Landschaft schlängelt, bevor er von einem anderen Flüsslein gekühlt wird.

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Heisse Quellen südlich von Rotorua

Weiter südliche gelange ich nach Taupo, am Nordende des gleichnamigen Sees gelegen. Hier sehe ich zum ersten mal in Neuseeland Schneeberge: am anderen Ende des Sees liegt der Tongariro- Nationalpark mit seinen drei beeindruckenden Vulkanen, die auch als Kulisse in der Filmtrilogie 'Herr der Ringe' gedient haben. Die Berge rufen, und nachdem ich mich mit einem herrlich mundenden Bagel mit Lachs und Kapern gestärkt habe, fiebere ich dem Park entgegen. Das Wetter ist auch zu schön!

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Taupo: Blick über den See auf den Tongariro National Park

Ich übernachte auf einem Camping in Whakapapa, auf der Westseite der Vulkane gelegen. Zum ersten mal kämpfe ich echt mit der Kälte, befinde ich mich hier doch auf etwa 1000 Metern über Meer. Dass meine Luftmatratze leckt, ist dabei auch nicht gerade hilfreich. Zwei Tage später kann ich sie dann umtauschen und bekomme eine, die scheinbar dicht ist, dafür ein verformtes Ventil hat.

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Tongariro National Park: Blick auf den Ruapehu

Am nächsten Morgen stehe ich früh auf, um den Shuttle zu erwischen, der mich an den Anfang des 'Tongario Alpine Crossings' bringt. Auch heute sieht das Wetter vielversprechend aus, nur um die Vulkane herum kleben etwas hartnäckig einige Wolken. Die Wanderung bringt mich auf einem ausgezeichneten Pfad allmählich in grössere Höhen. Leider damit auch hinein in die Wolken. Bald kommen mir winzige Schneeflöcklein entgegen und mit zunehmender Höhe wird es immer windiger. Beim Hauptkrater des Tongaririo angekommen ist es schon fast bissig kalt - zum Glück bin ich darauf vorbereitet. Von den beiden anderen Vulkanen ist nichts mehr zu sehen. Ich mache mich auch daran, den Gipfel des Tongariro zu erwandern, gebe aber nach dem zweiten Vorgipfel leicht genervt auf. Erstens ist kaum etwas zu sehen und zweitens wird der Wind immer heftiger und beeinträchtigt die Trittsicherheit auf dem sowieso sehr lockeren Untergrund.

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Tongariro Alpine Crossing: wenig Aussicht im Krater des Tongariro

Zurück auf der Hauptroute treffe ich auf weitere Wanderer, die sich mit mir auf den Abstieg begeben. Auf einem kleinen Grat luftet es so stark, dass sich einige Mitstreiter fast kriechend den Berg hinunter kämpfen. Später erfahre ich, dass uns die Shuttle-Unternehmung wegen der starken Winde telefonisch zurückrufen wollte. Die Sonne lacht dann erst wieder, als ich schon in Zielnähe durch die weiten Wälder wandere, die die Berge umgeben. 'Four seasons a day', das konnte man heute wahrlich sagen.

Am nächsten Tag lacht mir ein weiterer wunderbarer Berg aus der Ferne entgegen: der Vulkan Mount Taranaki steht einsam an der Westküste der Nordinsel.

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Tongariro National Park: Blick auf den fernen Mt Taranaki

Auf dem Weg dahin fahre ich über den 'Forgotten World Highway' durch eine wunderbar liebliche Landschaft. Wäre mir hier 'Frodo' aus 'Herr der Ringe' über den Weg gelaufen, ich hätte mich möglicherweise gar nicht gross gewundert, so sehr erinnert mich die Landschaf ans Auenland.

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Unterwegs auf dem Forgotten World Highway

Der Mount Taranaki zieht sich allerdings gegen Abend ebenfalls eine wolkige Mütze an. Am nächsten Morgen fahre ich zusammen mit zwei jungen Wanderlustigen aus Europa zum Besuchszentrum im Norden des Gipfels. Die zwei wollen den Berg auf einer fünftägigen Wanderung umrunden. Ich plane nur eine etwa vierstündige Wanderung in die Flanken des Vulkans - eine Gipfelbesteigung soll nur mit Führer möglich sein. Die Wolkenmütze ist zwar auch schon jetzt da, aber sie liegt nicht ganz "press", so dass man den Gipfel jetzt noch sehen kann.

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Mount Taranki: Gipfel

Als ich aber weiter in die ersten Schneefelder komme, wird die Wolkendecke dichter und die Aussicht zunehmend weisser. Also auch hier: je näher ich dem Berg komme, desto mehr ziert er sich, ein bisschen wie der Scheinriese aus "Jim Knopf". Gegen schlechtes Wetter kann man nicht viel machen. Schwamm drüber, auf zum nächsten Kaffee und dann weiter Richtung Whanganui, einem malerischen Flusstal an der Südküste der Nordinsel.

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Whanganui River

Dank Lonely Planet finde ich am Flusslauf einen einsamen Camping mit frischem Wasser und einer Toilette als einzigem Komfort, aber mitten im Grünen und drei netten Finninnen als einzigen Nachbarinnen, die mir ihre elektrische Pumpe leihen und auch Tips für die Südinsel bereit haben.

Am nächsten Tag erreiche ich dann schon Wellington, meine letzte Destination auf der Nordinsel. Ich bin etwas zu spät dran, um mich wirklich in der Stadt umzusehen. Und am nächsten Morgen muss ich schon früh los, um mit Auto auf der Fähre einzuschiffen, die mich auf die Südinsel bringt.

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Ausfahrt aus Wellington

Eingestellt von greoj 21:43 Archiviert in Neuseeland

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Kommentare

Hoi Jöge
Mitten im Kommentar-Übermitteln ist meine Internet-Verbindung abgeschmiert, was sie eigentlich sonst nicht macht. Ich hoffe nun, beim zweiten Anlauf klappt es besser!
Das Achselzucken des Alinghi-Kapitäns kann ich irgendwie verstehen. So viele erfolgreiche Steuermänner sind in der Schweiz - Bertarelli mal ausgeklammert - ja nicht wirklich zu Hause. Um ein guter Steuermann zu werden, muss man wahrscheinlich von Kindsbeinen an mit allen Wassern gewaschen werden und Wind und Wetter in allen Lagen (auch Mast unter) erlebt haben. Und da sind unsere Seen halt doch etwas zu kleinräumig um so wirklich zu wogen und zu wellen...
War trotzdem cool, für kurze Zeit zu den grossen Seefahrernationen zu gehören.
A propos Zelten: konntest Du die Ausrüstung mieten? Neuseeland ist uns ja ein halbes Jahr voraus im Wetter, mich hat gewundert, weshalb es denn jetzt nicht mehr Touristen hat auf den Zeltplätzen und in den Nationalpärken - nicht, dass man mal ohne die Tausend Gleichgesinnten auskommen könnte, die sich normalerweise auf den besseren Mittelmeer-Zeltplätzen tummeln!
Herzliche Grüsse auch von Silvio und Tobias
Urs

von Urs Hunziker

Hoi Üse

In Neuseeland bin ich zum Glück noch in der Nebensaison unterwegs gewesen, weshalb ich eigentlich nie angebrannt bin in Sachen Übernachtungsmöglichkeiten. Dass der Zeltplatz im Park dann grad so leer war, hängt damit zusammen, dass es sich um einen Platz mit wenig Infrastruktur handelt und der wohl kaum in den gängigen Zeltplatzverzeichnissen zu finden ist - ein Geheimtip quasi (pscht!!!).

Herzliche Grüsse
Jörg

von greoj

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