Reise blog von Travellerspoint

Französisch Polynesien - ganz nah am Paradies

Von der Schweirigkeit, nix zu tun


View Eimal ume auf greoj's Reise-Karte.

Russel (Neuseeland), 26. Oktober 2010

[map=218852 lat=-18.055084886303582 lon=-120.61713250000003 zoom=2]

In Rapa Nui verlasse ich jetzt auch Chile. Der Flieger legt um etwa 21:00 ab, früher als gemäss Flugplan vorgesehen. Der Flug dauert etwas weniger als 6 Stunden dennoch ist es noch nicht 11 Uhr abends, als wir in Tahiti landen, dank 4 Stunden Zeitverschiebung. Ich finde glücklicherweise gleich beim Flughafen eine günstige Pension. Ich werde von einer jungen Polynesierin empfangen, die in Europa bei Adoptiveltern aufgewachsen ist und jetzt hier ihre Wurzeln kennenlernen will. Die Pension bietet nicht gerade viel - das Bett ist in einem erbärmlichen Zustand und die Schallisolation nicht existent, dafür kann ich im gemeinschaftlich genutzten Bad warm duschen. Am nächsten Morgen mache ich mich sofort zu einem Reisebüro auf, um einen Flug nach Maupiti zu buchen, was einfach ist, und ebenda eine Unterkunft, was dann doch eine ganze Latte an Telefonaten benötigt, bis ich fündig werde.

Mit dem Ortsbus habe ich mich am Nachmittag nach Papeete aufgemacht, um mich ein bisschen umzusehen und auch, um ein bisschen im Internet zu surfen.Auch Papeete ist nicht so wirklich der Knaller und Internet ist nicht gerade weit gestreut. Aber nach einem Mittagessen in einem elsässischen Restaurant (Flammkuchen...) kann ich dann inmitten der computerspielenden Jugend übers Internet in Kontakt mit der Aussenwelt treten.

Am Freitagmorgen mache ich mich dann auf nach Maupiti, der östlichsten der Gesellschaftsinseln, zu denen auch Tahiti gehört. Maupiti ist so eine Art Geheimtip, nicht unbekannt eigentlich, aber touristisch wenig entwickelt, da die Einwohner ihre Insel lieber für sich haben wollen, als sich Tourismustempel vor die Nase bauen zu lassen. Die Pensionen, die zur Verfügung stehen, werden oft in einem sehr familiären Rahmen geführt.

Maupiti

Ich stehe wieder einmal frühmorgens auf, denn der Flug geht bereits um 06:30 und ich muss 1 Stunde früher da sein. Ich bin eigentlich auf der Warteliste, aber ich komme problemlos unter. Nummerierte Sitze gibt es keine. Der Flug geht zuerst nach Raiatea und dann erst nach Maupiti, was Aussichten aus verschiedenen Blickwinkeln auf die Inseln garantiert. Maupiti wird erst mal umrundet, bevor wir landen. Im Zentrum befindet sich wie bei vielen anderen Inseln auch eine Hauptinsel mit einem erloschenen Vulkan im Zentrum. Darum herum gibt es eine seichte Lagune, die gegen das Meer von einem Riff begrenzt wird. Auf der Innenseite des Riffs gibt es einen Kranz von flachen, dicht mit Palmen bewachsenen Inseln, die hier 'Motus' genannt werden.

large_33_03_001.jpg

Die Flugpiste befindet sich ebenfalls auf einem Motu. Daneben gibt es ein kleines Abfertigungsgebäude und fertig ist der Flugplatz. Viele Fluggäste werden hier von ihren Gastgebern mit Blumenkränzen erwartet, die sie dann auf eines der Motus bringen. Ich habe eine Pension auf der zentralen Inseln und muss erst noch mit einem Shuttle über die Lagune, um meinen Gastgeber zu treffen. Das Paradies beginnt aber auch schon auf dem Flugplatz, denn schon von hier bietet sich bereits ein bilderbuchmässiger Blick.

large_33_03_002.jpg

Ui, mein Gastgeber für die nächsten Tage, fährt mich mit einem Bus zu seiner Pension, welche in Tat und Wahrheit einfach sein Haus ist. Es ist nicht luxuriös hier, aber ich habe ein eigenes Zimmer mit guter Matratze, der Strand ist in Spazierdistanz, und ich kann auch ein Velo benutzen, um mich auf der Insel zu bewegen. Ui ist zu Beginn nicht besonders mitteilsam, abgesehen von seiner Theorie, dass die Polynesier die direkten Nachkommen, der Israeliter seien, der ich, da zu skeptisch - lieber ausweiche. Aber mit der Zeit scheint er immer mehr Spass an meiner Anwesenheit zu haben und erklärt mir das traditionelle Fischen in den umliegenden Gewässern und auch, dass immer die Franzosen Schuld sind, wenn in Polynesien etwas schief läuft.

Der Plan für meinen Aufenthalt auf Tahiti: möglichst nichts tun und viel Fisch essen. Den zweiten Wunsch erfüllt mir Ui, der mir jeden Abend einen anderen Fisch auftischt. Einmal gibt es sogar Languste, als Bonus, dass ich als Langzeitgast letztlich sechs Nächte bei ihm verbringe, bis ich aufgrund anderer Besetzung das Feld räumen muss. Nichts tun relativiert sich aber auf Maupiti. Zwar nehme ich es tatsächlich eher ruhig, aber immerhin mache ich dann doch zweimal einen Ausflug auf ein Motus, zu welchem man gelangen kann, indem man etwa 600 Meter durch die seichte Lagune watet, beobachtet von Rochen, die im sandigen Untergrund ruhig ihre Kreise ziehen.

Nachdem ich die Lagune zum ersten mal watend durchquert habe, möchte ich drüben natürlich einfach nix tun, was mir gleich ganz gut gelingt, als ich mich mal in den wunderbar feinen, fast schneeweissen Sand lege, durch die Palmenkronen in die Sonne blinzle und bald eindöse.

large_33_03_003.jpg

Aber frisch ausgeruht will ich mich dann doch mal noch kurz auf dem Motu umsehen, was sich zu einem nachmittagfüllenden Unternehmen mausert. Nachdem ich die Insel erst einmal südlich umrundet habe, komme ich an die Aussenseite, wo das Riff nur noch wenige Meter entfernt ist. Hier gibt es dann nicht mehr diesen wunderbaren feinen Sand, man geht hier tatsächlich auf grob zertrümmerten Korallenskeletten, was das Vorwärtskommen schwierig macht. Dennoch folge ich dem nahen Riff hartnäckig nach Norden, in gleissender Mittagssonne. Ich kann nicht davon ablassen, bis ans nördliche Ende des Motus zu gelangen, wozu ich mich dann wieder an die Innenseite durchschlage, um besser voranzukommen. Der vegetationsfreie Streifen ist hier wesentlich schmaler und bald muss ich ins Innere des Motus ausweichen, um weiter vorwärts zu kommen. Hier raschelt es überall verdächtig im Palmenlaub, und bald entdecke ich die erste Krabbe, die sich hastig unter dem Laub von Palmen vor mir verstecken will. Sieht irgendwie drollig aus, wie sie da wegstiebt, als hätte sie irgendetwas ausgefressen und dann reglos unter dem vertrockneten Palmwedel hervorguckt.

Schliesslich erreiche ich das Ende des Motus, um zu sehen, dass es hier eigentlich nichts Neues gibt, ausser einem ziemlich langen Rückweg. Mit nix tun wird es heute erst mal nichts mehr, denn es ist schon fortgeschrittener Nachmittag. Ich muss ja erst den ganze Weg zurück, um dann die Lagune noch bei Tageslicht überqueren zu können. Durch die Äquatornähe sind hier die Tage immer etwa gleich lang und so um 18 Uhr streicht die Sonne die Segel.

Auch auf dem Rückweg gibt es wieder dutzende Krabben, die sich vom Strand lustigerweise nie ins Wasser, sondern immer ins Motuinnere flüchten. Ich gebe Acht, auf keinen der kleinen Vielbeiner zu treten, was mir doch eine sehr unangenehme Vorstellung ist, auch wenn die kleinen Biesterchen wesentlich mehr Respekt vor mir zu haben scheinen als ich vor ihnen.

large_33_04_003.jpg

Später sind es dann Hunde, die zwar weniger an der Zahl sind, aber überhaupt nicht wegrennen, sondern mich im Gegenteil wütend anbellen. Schliesslich schaffe ich es dann aller Widrigkeiten zum Trotz wieder zur seichten Stelle an der Südseite des Motus und wate noch rechtzeitig zurück zur Hauptinsel.

large_33_04_001.jpg

Als Schweizer muss ich natürlich auch den zentralen Vulkan ersteigen, der doch immerhin fast 400 Meter hoch ist. So komme ich in der Mittagshitze doch ganz schön ins Schwitzen, was dann aber durch eine wunderschöne Aussicht belohnt wird.

large_33_05_001.jpglarge_33_05_002.jpg

Mit dem Velo bin ich ziemlich fleissig unterwegs, zum Beispiel weil es im Dorf auf der anderen Seite der Insel bei der 'Mairie' Internet gibt. Oft fahre ich am späteren Nachmittag zum nahen Strand, um in der fast unreal türkisblauen Lagune baden und gelegentlich den Sonnenuntergang abzuwarten.

large_34_06_001.jpg

Letztlich werde ich aus dem kleinen Paradies vertrieben, Ui erwartet neue Gäste. Mit dem Schiff lasse ich mich eines Abends ins benachbarte Bora Bora bringen, eine Überfahrt, die es in sich hat, denn das eher kleine Schiff wird von den Wellen des offenen Pazifiks ziemlich durchgeschüttelt. Meine Magennerven spannen sich sichtlich an, aber es passiert zum Glück nichts Dramatisches.

Bora Bora

Bora Bora ist von der Erscheinung her Maupiti ganz ähnlich, ist aber um einiges grösser. Auch gibt es hier viel mehr Touristen, zahlreiche Luxusresorts mit aufs Wasser gebauten Bungalodörfern, Jachten, Kreuzfahrtschiffe und dementsprechend auch höhere Preise. Für alles, auch für meine Unterkunft, die mehr kostet, aber statt Halbpension einfach eine Küche bietet, auch keine Fahrräder. Dafür ist die Pension 'Chez Rosine Mason' sehr geschmackvoll eingerichtet, unmittelbar hinter der Pension gibt es einen ansehnlichen Strand und nach der Zweisamkeit mit dem zeitweilig etwas knorrigen Ui gibt es hier auch andere Gäste, mit denen es zu Essenszeiten einen netten Austausch gibt.

Alles in allem esse ich in Bora Bora viel weniger Fisch, dafür gelingt es mir viel besser, einfach nichts zu tun. Zusammen mit Davide aus Italien, mit dem ich mich auf Englisch verständige (er war gerade 11 Monate in Australien), mache ich per Velo einen Tour rund um die Insel, bei der wir amerikanische Kanonen aus dem zweiten Weltkrieg entdecken und auch zu einem Aussichtspunkt hochkraxeln (der mächtige zentrale Vulkan darf nur mit Führer bestiegen werden). Man kann 'Bora Bora' als überteuertes Ghetto für Luxustouristen verschreien, aber schön ist es hier alle mal.

large_34_09_001.jpglarge_34_09_002.jpglarge_34_09_003.jpg

Nach fünf Tagen geht dann auch meine zweite Scheibe Paradiesauftenthalt dem Ende entgegen; ich fliege am Abend zurück zum Flughafen von Tahiti und am nächsten Morgen früh weiter nach Westen, ins Land, das am weitesten von der trauten Schweiz entfernt ist: Neuseeland.

Aber davon im nächsten Eintrag....

Eingestellt von greoj 02:31 Archiviert in Französische Polinesien

Versende diesen EintragFacebookStumbleUpon

Inhalt

Kommentare

Hoi Jöge,
das Foto vom Sonnenuntergang zeigt ein paar Wolken und suggeriert, dass es hier im Paradies auch regnen könnte - tat es das oder ist das wie in Schottland, wo Wolken manchmal auch einfach zur Dekoration vorbeisegeln und sehr örtlich regnen, zum Beispiel von Anfangs Dorf bis Ende Dorf?
Es Grüessli Urs

von Urs Hunziker

Hoi Üse

Ja, da triffst Du ins Schwarze. Im Paradies, da wachsen Kokosnüsse, Grapefruits, Mangos, Bananen, Wassermelonen im Garten (jedenfalls in dem von Ui), aber die können nur wachsen, wenn es auch mal ein bisschen regnet, sonst wäre ja das Ganze eine Wüste.

Man musste eigentlich jeden Tag so mit einem Regenguss rechnen, und ich habe auch meinen Teil abbekommen. Bis auf meine Photokamera, die einen Tag lang streikte, hatte das aber keine nennenswerten Effekte.

Gruss
Jöge

von greoj

Hoi Jöge
Du möchtest mich anrufen, das hat Mami mir ausgerichtet - ich vermute, ich weiss, um was es geht, und freue mich auf das Telefon für nähere Infos.
Ich hoffe, Du hast mein SMS deswegen bekommen, zur Sicherheit schreibe ich es aber auch noch im Blog: heute Sonntag abend wäre ok bis etwa 22.00 Uhr, oder dann morgen Montag abend wieder ab 20.00 - 22.00 Uhr.
En herzliche Gruess Urs

von Urs Hunziker

Comments on this blog entry are now closed to non-Travellerspoint members. You can still leave a comment if you are a member of Travellerspoint.

Enter your Travellerspoint login details below

( What's this? )

Wenn Sie noch nicht Mitglied sind von Travellerspoint, werden Sie Mitglied kostenlos.

Join Travellerspoint