Reise blog von Travellerspoint

Rapa Nui - Eiland in den Weiten des Pazifiks


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Rapa Nui - auf Deutsch die Osterinsel - liegt einsam im weiten Pazifik, etwa 4000 Meter vor der chilenischen Küste. Der nächste bewohnte Flecken Erde ist Pitcairn, eine ebenfalls einsame Insel, auf die sich 9 der Meuterer der Bounty geflüchtet haben und sich so der Justiz entziehen konnten. Umso erstaunlicher ist, dass Rapa Nui seit Jahrhunderten von den Polynesiern bewohnt ist, die allerdings dann hier ein ziemlich einsames Dasein gefristet haben.

Der Flug über den Pazifik führt über viel Wasser und ist nicht ganz überraschend wenig spektakulär - Meer, Wolken und ein mehr oder weniger blauer Himmel. Aber dann überfliegt unsere Maschine die von Vulkanen gebildete Insel, bevor wir auf der Piste aufsetzen. Das Land ist karg, nur wenige Bäume sind aus der Luft zu erkennen. Gerade mal 20 Kilometer misst der aufgrund der geheimnisvollenen Moais weltberühmte Landstrich.

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Auf dem Flughafen, der im Westen der Insel in unmittelbarer Nàhe des einzigen Orts - Hanga Roa - liegt, kann ich meine Übernachtung organisieren und werde dann gleich zur kleinen Pension gefahren. Die Besitzerin vermietet mir auch gleich ein Fahrrad, und so bin ich schon bald nach der Ankunft unterwegs Der Südküste entlang fahre ich Richtung Osten und halte Ausschau nach Moais, den berühmten Statuen aus Vulkangestein. Die einzelnen Exemplare, die ich hier finde, sind allerdings alle umgestürzt und sehen so nicht besonders beeindruckend aus. Viel mehr Archäologisches finde ich nicht. Aber das Radeln in dieser herben Landschaft, bei sonnigem Wetter und einer schon steifen Brise, ist schon sehr besonders. Es ist sicher eine der ausgefallensten Radtouren, die ich ein meinem Leben unternommen habe. Vor mir breitet sich die steinige Südküste des Eilands aus, an der sich riesige Wellen brechen, die ihren Ursprung in Tausenden Kilometern Wasser haben.

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Ich geniesse die Radtour, ohne mich allzu sehr auf die Archäologie zu konzentrieren, diese werde ich am nächsten Tag bei einer geführte Tour über die Insel besser kennen lernen.

Mein Führer Patricio kommt vom chilenischen Festland, wohnt aber seit fast dreissig Jahren auf der Insel. Er meint, es wäre in Kindheitstraum von ihm gewesen, auf dieser wilden Insel zu leben. Ich bin heute sein einziger Gast, aber das hindert ihn nicht daran, mir während der ganzen Fahrt die Geschichte der Insel und der Moais zu erklären.

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Er meint zu Beginn auch, es lohne sich auf jeden Fall, die Insel mit einem ortskundigen Person zu besuchen. Wo der Unkundige nur Steine sieht, handelt es sich oft um eine Kultstätte der Ureinwohner. Und genau das bestätigt sich, als wir zu Beginn praktisch dieselbe Route befahren, die ich auch beradelt habe. Die Insel und vorallem der Küstenstreifen ist geradezu gepackt mit Kultstätten. Fünfzehn Sippen haben auf der Insel gelebt, und jede hat für ihre verstorbenen Häuptlinge Moais aufgestellt. Die Moais schauen immer ins Landesinnere, überwachen quasi ihre Sippe auch nach ihrem Tod.

Jede Sippe hatte offenbar ihre speziellen Fähigkeiten: die einen waren gute Fischer, andere stellten vielleicht gute Werkzeuge her. Und eine Sippe war darauf spezialisiert, die Moais herzustellen. Diese wurden nur an einem Ort auf der Insel aus dem Felsen gehauen. Und sie wurden auf Vorrat gemacht, so ein bisschen wie Obelix einen Hinkelstein nach dem anderen gehauen hat. Noch bevor ein Häuptling verstarb, suchte er sich auf dem Produktsgelände eine Statue aussuchen, die dann über die Insel zu ihrem Bestimmungsort transportiert wurde. Man kann noch immer angefangene Statuen sehen, und auch solche, die verkaufsfertig waren, aber dann nicht mehr verwendet worden sind.

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Diese Moais bekamen erst an ihrem Bestimmungsort ihren letzten Schliff. Insbesondere haben sie in der "Verkaufsausstellung" noch keine Augen. Diese wurde aus Korallen hergestellt und erst angebracht, wenn der Moai an seinem finalen Platz stand. Da wurde ihnen auch eine Art Hut aus rötlichem Vulkangestein aufgesetzt, welcher die Haarpracht der Chefs darstellt, die diese über dem Kopf aufsteckten und rot färbten, was ein Ausdruck von Macht ist.

In der Nähe des Vulkans, wo die Moais produziert wurden, steht eine Serie von fünfzehn Moais, die von einem japanischen Team wieder aufgestellt worden sind. Praktisch alle Moais waren im zwanzigsten Jahrhundert umgestürzt,. Grund war auf der einen Seite ein Krieg der Ureinwohner zwischen den herrschenden "Langohren" und deren Untergebenen, den "Kurzohren". Die Bezeichnung kommt von daher, dass die Langohren einen Ohrenschmuck getragen haben, der ihre Ohren länger aussehen liess. Während dieses Kriegs wurden die meisten Moais umgestürzt. Was noch übrig blieb, erledigten die Missionare.

Eine japanische Firma liess nun fünfzehn Moais wieder aufstellen. Dies nicht nur aus Nettigkeit, sondern auch für Werbung in eigener Sache, handelte es sich doch um eine Firma, die Krane herstellt. Aber das Resultat ist eindrücklich und vermittelt einen Eindruck, wie es hier vor den Unruhen ausgesehen haben könnte.

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Einem der Moais wurde auch die Kopfbedeckung aufgesetzt, welche ursprünglich alle Moais aufgehabt haben.

Patricio bringt mich auch nach Anakena, welches sich an der Nordküste befindet und wo die Könige der Insel gehaust haben. Hier findet sich der einzige Sandstrand von Rapa Nui, welcher bei den Touristen, die etwas länger als ich auf der Insel hausen, auch beliebt ist. Die Wassertemperatur ist allerdings ziemlich frisch.

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Um 18 Uhr bin ich wieder in Hanga Roa, rechtzeitig, um noch meinen Flieger zu erwischen, welcher mich noch an diesem Abend nach Tahiti bringen wird. Es war ein sehr kurzer Besuch auf Rapa Nui, aber ich bin froh, habe ich diesen Zwischenhalt eingebaut, um kann eindrückliche Erinnerungen mit auf meine weitere noch lange Reise nehmen.

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Eingestellt von greoj 00:37 Archiviert in Chile

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Kommentare

Hoi Jöge
Wir haben uns überlegt, ob wir den Mystery-Park von Von Däniken besuchen sollten - der hat doch auch etwas über die Osterinseln geschrieben - aber wenn man Deinen Blog liest, wirkt die Geschichte trotz der Eindrücklichkeit der Statuen eher realistisch und nicht so fantastisch, wie das Herr Von Däniken sich geträumt hat - mit Ausserirdischen etc..
Guten Flug! Herzlich Urs + Tobias + Ursula + Silvio

von Urs Hunziker

Hoi Üse
Ja, was Fueter für de Mystery Park isch: me chan sich nöd eso erkläre, wie dänn die riiseschwäre Skulpture über di ganz Insle transportiert worde sind. Da findt dänn der Härr vo Dänike überraschenderwiis immer di gliich Erklärig, dass da Usserirdischi am Wärk gsii sind. Ich weiss nöd, öb bi ihm sogar Usserirdischi is Spiil chömed, wänn ihm öpper de Wäg an Bahnhof nöd chan erkläre...:-)
Gruess Jörg

von Jörg

Ciao Jörg
Ab jetzt beneiden wir dich NOCH mehr, da du nun in auch uns unbekannten Gegenden wandelst! Tolle Bilder und schöner Blog, den wir immer wieder gerne lesen! Geniess den kommenden Sommer da unten, wie es hier ist, kannst du dir ja vorstellen... Weiterhin viel Spass und alles Gute.
Stefan & Antje

von Stefan und Antje

Liebe Stefan und Antje

Tja, und Ihr habt auch Grund, neidisch zu sein. Jetzt bin ich grad in Neuseeland...

Schön, dass Ihr weiterhin Spass am Blog habt - das motiviert natürlich, weiterhin brav dran zu bleiben.

Herzliche Grüsse
Jörg

von greoj

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