Reise blog von Travellerspoint

Durch Stadt und Land: Guanajuato und Queretaro

Einmal drunter und drüber - einmal wohlsortiert


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Ohne grossen Abschiedsschmerz verlasse ich Guadalajara. Das wird mir auch leicht gemacht, denn ich reise in einem sehr komfortablen Bus der Linie ETN. ‘Executive Class’ habe ich das im Internet beschrieben gesehen: breitere Sitze, komfortable Beinstützen, Kopfhörer für das Fernsehen (was allerdings nur den Vorteil bringt, dass der Video-Ton nicht unkontrollierbar laut aus den Lautsprechern dröhnt, auf dem Videokanal höre ich nur Rauschen), und der Raum für die Fahrgäste ist durch eine Tür vom Fahrer abgetrennt - das bringt aus meiner Sicht zwar keinen Extra-Komfort, aber so ist es nun mal. Und bald schon nähere ich mich meinem nächsten Ziel: Guanajuato.

Guanajuato

Im Busbahnhof werde ich sofort von einem “netten” Herrn in Beschlag genommen, der mir nur ein paar “Informationen” geben will. Er will mir natürlich ein Hotel vermitteln. Wenigstens verrät er mir, dass das Stadtzentrum ca. 7 km entfernt ist und dass man mit einem Bus dahingelangen kann. Den mitgeschickten Begleiter versehe ich mit einem kleinen Trinkgeld und steige allein in den Bus ein.

Erst mal fahren wir durch ein grünes Tal - dann nach den ersten Häusern gleich in einen Tunnel. Super, jetzt habe ich natürlich keine Ahnung, wo ich bin. Aber ein netter Herr hilft und ich steige wie geplant bei der Markthalle aus.

Hier in der Nähe soll also das empfohlene Hotel sein, aber ich mache mich erst mal in die Gegenrichtung ins Zentrum auf. Die Preise hier sind allerdings ziemlich happig, ich habe einfach keine Lust, 100 CHF für ein Hotelzimmer auszugeben. Netterweise gibt mir aber ein Rezeptionist die Adresse eines günstigeren Hauses. Dieses liegt ein Stück den Berg hoch, aber die ‘Casa Azul‘ ist nicht nur billig, sondern auch gemütlich. Zudem habe ich von der Dachterrasse einen schönen Blick in den Stadtkern.

Nachdem es wieder mal einen nachmittäglichen Regenguss gegeben hat, mache ich dann zur Ortsbesichtigung auf. Und ich muss sagen, ich bin schlicht begeistert. Guanajuato liegt mitten in einem ziemlich engen Tal, und zuunterst, in ein trockengelegten Flussbett, schlängelt sich die Hauptverkehrsader quasi um untersten Stock unter der Stadt durch. Die Strasse führt über weite Strecken durch Tunnels, andernorts reckt man den Hals, um von unten an die Rückseiten der Häuser zu starren. Geschäfte gibt es hier unten keine, aber Busstationen schon; auch werden hier am Strassenrand ganz noraml Autos geparkt.

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Darüber, im ersten Stock quasi, befindet sich der eigentliche Strassenlevel. Hier ist alles wunderbar verwinkelt, es gibt kleine Gässchen, Plätze, Kirchen, Theater, eine Universität, unzählige Restaurants, Museen und nochmals so eine Art Hauptgasse, durch den sich geduldig ein nie versiegender Strom von Fahrzeugen durchschlängelt, immer bedrängt von all den Leuten, die nicht immer auf den engen Trottoirs Platz finden.

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Überall gibt es Verbindungen zur unten liegenden Hauptstrasse, mal für Autos, mal für Fussgänger, dazu finden sich auch ausserhalb immer wieder Tunneleinfahrten.

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Hier scheint irgendwie der ganze Berg durchlöchert worden sein, um die verwinkelte Stadt befahrbar zum machen Ich habe keine Ahnung, wie man sich hier mit dem Auto zurecht finden kann, aber irgendwie scheint das alles zu funktionieren.

Im Stadtkern werden die Strassen von schmucken Häusern aus der Kolonialzeit gesäumt. Von da hat sich die Stadt über die umliegenden Talseiten den Berg hoch entwickelt, und hier gibt es überall die bunten mexikanischen Häuser der neueren Zeit. Dieses Kunterbunt fasziniert mich einfach immer wieder. Manchmal kann ich mir das Schmunzeln nicht ganz verkneifen - farbig um jeden Preis.

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Da es rund um die Stadt doch einige Erhebungen gibt, frage ich bei der Tourismus-Information nach, ob man den hier auch eine Wanderung auf einen der Berge machen kann. Die Antwort ist “si”, aber die Beschreibung eher vage. Ich lerne dann erst mal quasi den dritten Stock der Stadt kennen, die ‘Carreterra Panoramica’, die auf den umliegenden Hügeln rund um die Stadt verläuft. Und ich muss lernen, wie geschickt mein kleiner Plan perspektivisch verzerrt wurde. Jedenfalls zieht sich die Strasse unendlich hin, und nach drei Stunden bin habe ich erst die Hälfte der Strecke geschafft. Dabei wollte ich doch hier nur ein bisschen Anlauf holen.

Es kündigt sich dann wieder einmal ein Wolkenbruch an, und ich kann gerade noch in einen Bus hüpfen, schon wieder nässt es, was das Zeug hält. Nachdem ich mich im Stadtzentrum gestärkt habe, nehme ich direkter Kurs auf mein Wanderziel. Nachdem mir eine Mexikanerin so gut es geht den Weg erklärt und mir versichert hat, dass sie und ihr Mann nicht mehr als eine Stunde bis zum Gipfel brauchen, bin ich auch um 16:30 nicht mehr zu halten und mache mich auf zu ‘Los Picachos’.

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Und tatsächlich, etwas mehr als eine Stunde später stehe ich wieder einmal auf einem Gipfel. Es ist hier eigentlich fast ein wenig wie zu Hause, nur gibt es in den Alpen nicht überall Kakteen. Und bei uns werden einem die Wege auch meistens nicht auf Spanisch erklärt.

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Am Morgen meiner Weiterreise mache ich nach dem Frühstück schon bald wieder in einem gemütlichen Kaffe halt, genehmige mir zu einem Capuccino noch ein Stückchen Limonenkuchen, blinzle in die Sonne und bin einfach rundum zufrieden. Echt, wäre dieses Guanajuato nicht mal ein paar tausend Kilometer von zu Hause weg, ich würde vorschlagen, dass wir doch öfters mal einen Ausflug hierher machen!

Querretaro

Die nächste Station auf meinem Weg Richtung Süden ist Querretaro, eine wachsende Stadt mit derzeit etwa einer Million Einwohnern. Der Busbahnhof ist wieder einmal ausserhalb der Stadt gelegen. Hier scheint man aber gut organisiert zu sein - fürs Taxi werden zentral Gutscheine verkauft, deren Preise sich nach anzufahrenden Zonen richten. Draussen warten dann auch Heerscharen von Taxis, die ich allerdings links liegen lasse und den Bus nehme. Im Stadtzentrum muss ich dann noch ein bisschen zu Fuss marschieren, aber es ist ziemlich friedlich hier. Dass der Statdkern teilweise autofrei ist, nützt allerdings nur bedingt, denn stattdessen darf ich mich dann an Markständen und herumstehenden Leuten vorbeizwängen.

Das gewünschte Hotel (Reiseführer...) sieht mit seinem grossen Innenhof doch sehr ansprechend aus und es hat auch Platz - und Internet. Das Letztere allerdings nur im Patio, wo es leider auch Mücken gibt, welche meine jeweiligen Sessions etwas abgekürzt haben.

Wahrzeichen von Querretaro ist ein langer Viadukt, der sich über die Ostseite der Stadt spannt auch heute noch Wasser ins Zentrum führt. Unmittelbar unmittelbar neben dem Viadukt rauscht der Verkehr in Richtung Osten der Stadt.

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Auf dem Weg zurück in die Stadtmitte entdecke ich ein Restaurant mit einem netten Innenhof, welches sich dann als libanesisch erweist. Hier tafle ich in wunderschönem Ambiente. Der Kellner will dann auch noch ein Foto von mir und Schischa machen, was ich ihm im Hinblick auf den Blog nicht abschlagen kann.

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Dummerweise lasse ich mich dann auch zu einem türkischen Kaffee hinreissen, und zum Dank kann ich dann schlecht schlafen. Ja, hätte ich doch wissen können....

Deshalb ist am nächsten Tag neben Ticketverkauf nicht viel los. Erst gegen Abend mache ich mich ins nahe Zentrum auf, um hier dann an einem schönen Platz nochmals zu tafeln. Das ganze Zentrum ist durchaus sehenswert, sehr gut erhalten und teilweise für den Verkehr gesperrt. Natürlich stehen auch hier Kirchen im Zentrum des architektonischen Geschehens. Daneben gibt es prachtvolle Fassaden, belebte Plätze und natürlich auch überall fliegende Händler, die einem meistens etwas Ess- oder Trinkbares anbieten.

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Am nächsten Morgen geht es früh los, der Bus nach ‘Duffe’ (D.F, = ‘Distrito Federal’ = Mexiko City) fährt schon um 6 Uhr morgens. Noch etwas schläfrig finde ich ein Taxi, der mich erst für 50 Pesos zum Busbahnhof bringen will. Da ich etwas säuerlich reagiere, ist er dann kulant und macht es für die - wie ich argumentiere - doch “normalen” 40 Pesos. Wir kommen ein bisschen ins Gespräch, und als er rauskriegt, dass ich wie er ‘Jorge’ heisse, ist er richtig begeistert.

Hier erlebe ich das erste mal eine einigermassen sorgfältige Sicherheitskontrolle. Das Handgepäck wird durchsucht, eine Dame tastet die Fahrgäste nach auffälligen Gegenständen ab, und zudem wird jeder zweimal fotografiert, erst mal draussen vom Hallendach aus und dann nochmals im Car. Mexiko City gilt halt doch als eine der gefährlichsten Städte in der Welt, aber ich mache mir darob wenig Sorgen, da ich ja nur in einem Busbahnhof umsteigen muss.

Der Busbahnhof ‘Mexico Notrte’ ist dann ziemlich gross, und zum Einsteigen gibt es hier wie auf einem Flughafen Gates und wieder einmal muss ich ein bisschen rumfragen, bis ich rauskriege, wo ich denn hin muss. Aber zum Glück habe ich genug Einsteigezeit eingeplant.

Die Fahrt führt von da an einigen der grössten vulkanischen Berge Mexikos vorbei, wobei ich leider nicht rauskriege, welcher denn jetzt welcher ist. Später fahre wir dann wir wieder zwischen wunderschön von Bäumen gesäumten Bergen hindurch Richtung Süden. Gut eine Stunde vor Ankunft kommt die Fahrt dann ins Stocken. Schliesslich holpern wir in Schritttempo etwas unterhalb der Strasse in Kolonne über einen Schotterweg. Eine ziemlich aufwändige Art, die meist dösenden Gäste ein bisschen aufzurütteln. Als wir in Zeitlupe wieder auf die Strasse zurückochsen, sehe ich dann den Grund für den kleinen Ausflug. Wenige Meter weit weg hat ein Erdrutsch die Strasse unter sich begraben. Wie ich den Hang hoch schaue, kommt gleich wieder eine Ladung runter, aber ein kleines Staubwölkchen ist alles, was dabei rausschaut.

Schliesslich tuckern wir ohne weitere Vorkommnisse nach Oaxaca. Aber davon erzähle ich Euch später...

Eingestellt von greoj 19.07.2010 22:21 Archiviert in Mexiko

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Kommentare

Juhui, wieder ein Föteli von Dir! Wie schön...
Dir tut das Reisen offensichtlich gut :-)
Die farbigen Häuser haben mich sontan an Valparaiso erinnert. Was für eine Farbenpracht! Wünsche Dir weiterhin eine gute Reise, geniesse es! Liebe Gruess, Antje

22.07.2010 von Antje

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